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Fritz Behrendt - Ein Karikaturist mit Herz und Humor

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Fritz Behrendt

          

               Ein sanfter Mann mit spitzer Feder 

 Fritz Behrendt - Abitur

              

               Ein Nachruf auf Fritz Behrendt

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Seine letzte Karikatur zeigt: St. Nikolaus und den in den Niederlanden als ,,Knecht Ruprecht‘‘ fungierenden Helfer von St. Nikolaus, den ,,Zwarte Piet.‘‘ Der ,,Zwarte Piet‘‘ (Schwarzer Piet) gibt seine Bekleidung zurück an St. Nikolaus. Fritz Behrendt schrieb darunter: ,,Sorry St. Nikolaus, aber Obama meint, das passt nicht mehr.‘‘

Typisch Fritz. Typisch die hintersinnige oft mit Humor, manchmal auch mit Sarkasmus gespickte Kritik des großen Karikaturisten Fritz Behrendt. Mit dieser, seiner letzten Karikatur, die er kurz bevor er ganz plötzlich in seiner zweiten Heimatstadt Amsterdam am Nachmittag des 4. Dezember verstarb, noch rechtzeitig vor Redaktionsschluss an die Amsterdamer Tageszeitung ,,De Telegraaf‘‘ übermitteln konnte, griff Behrendt ein Tabu in seiner Wahlheimat Holland an.

Den ,,Zwarte Piet,‘‘ einem Mohr, der in den Niederlanden jetzt überall wieder zu sehen ist als ein dümmlicher Helfer des St. Nikolaus. Wie Behrendt meinen viele Niederländer: Die Rolle des ,,Zwarte Piet‘‘ ist Diskriminierung pur. Da mit Barack Obama ein Schwarzer ab 20. Januar 2009 Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, ist es höchste Zeit, dass diese Diskriminierung von Schwarzen in Form des ,,Zwarte Piet‘‘ in den Niederlanden endlich abgeschafft wird. Das war die letzte Botschaft die Fritz Behrendt an seine Landsleute sendete. Der ,,Telegraaf,‘‘ für den der am 17. Februar 1925 in Berlin geborene begnadete Zeichner Fritz Behrendt in den vergangenen 20 Jahren hauptsächlich arbeitete, druckte dessen letztes Werk gestern groß auf Seite eins ab - und meldete gleichzeitig den Tod von Behrendt. Schlagzeile: ,,Seine letzte Zeichnung.‘‘

Fritz Behrendt war an sanfter, ein milder Mann. Feministinnen hätten ihn wohl abwertend als ,,Softie‘‘ bezeichnet. Aber er war ein scharfer Kommentator. Sein Talent, seine politische Kritik in der Karikatur auszudrücken, nutzte er sein Leben lang. Schon als kleiner Junge hat er dieses Talent bei sich entdeckt und es Zeit seines 83jährigen Lebens dann professionalisiert.

Fritz Behrendt am Schreibtisch


Berlin war seine Geburtsstadt, die er trotz allem, was ihm und

seiner Familie von Nazi-Deutschland und vom DDR-Regime

zugefügt  worden ist, bis zu seinem Lebensende liebte.


1937 musste Behrendt mit seiner deutsch-jüdischen Familie sein geliebtes Berlin verlassen. Seine Eltern flohen mit dem damals 12jährigen Fritz nach Amsterdam. ,,Amsterdam war für ihn damals ein kleines geselliges Dorf, hatte nichts von der Weltstadt und der Ausstrahlung von Berlin vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges,‘‘ sagte mir Fritz einmal in einem Gespräch. ,,Ich fühlte mich ein wenig in der Provinz.‘‘

Schon damals sei ihm die ,,Naivität der Niederländer‘‘ in jener Zeit aufgefallen, die diese gegen Hitler und das Nazi-Regime hatten, erinnerte er sich.
Fritz Behrendt wusste, wovon er sprach. 1936 während der Olympischen Spiele in Berlin, machte er seine erste politische Karikatur - es war eine Karikatur von Adolf Hitler, den er damals als Junge schon durchschaute und der Lächerlichkeit preis gab.


Viele, viele politische Karikaturen aus der Feder von Fritz Behrendt sollten folgen. Er zeichnete und kritisierte in seinen Karikaturen in  der New York Times, der Los Angeles Times, der Neuen Kronen Zeitung, Wien, der Berlingske Tidende, Kopenhagen, der Weltwoche, Zürich, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frankfurt am Main,  Het Parool,  Vrij Nederland, Amsterdam, Ma´ariv, Tel Aviv und dem Tagesspiegel, Berlin und zuletzt hauptsächlich für Hollands größte Zeitung, dem ,,Telegraaf.‘‘ Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch den Gothaer Karikaturen-Preis im Jahr 2000.

Nachdem Zweiten Weltkrieg, den Fritz Behrendt nach seiner Verhaftung in Amsterdam, weil er im Widerstand gegen die Nazis war, in einer Todeszelle durchbringen musste, was er durch Glück und wegen des Kriegsendes überlebte, war er zunächst ein begeisterter Sozialist. Das ,,jugoslawische Modell‘‘ von Tito hatte es ihm angetan. Er studierte in Zagreb an der Kunstakademie und wirkte als Freiwilliger am Wiederaufbau des damaligen Jugoslawiens mit.

Der damalige FDJ-Leiter Erich Honecker lud Fritz Behrendt in die DDR ein. Dort arbeitete er als ,,Referent für Sichtwerbung‘‘ und entwarf das Staatswappen der einstigen DDR maßgeblich mit.

Marxisten - aus der Sicht von Fritz Behrendt


Aber Behrendt war den stalinistischen DDR-Genossen zu unbequem. Als ,,Titoist‘‘ wurde er während der von Stalin eingeleiteten ,,Säuberungen‘‘ verhaftet, sechs Monate lang in der DDR eingesperrt. Das wandelte ihn zu einem strammen Anti-Kommunisten. ,,Der Kommunismus ist verludert zu einer grausamen Diktatur,‘‘ stellte er nach seiner Freilassung und der Rückkehr in die Niederlande 1950 schon fest.


50 Jahre lang zeichnete Fritz Behrendt. Seine Werke sind inzwischen auch in vielen Schulbüchern, auf Ausstellungen überall auf der Welt zu sehen. Nur neue Karikaturen aus der kritischen Feder von Fritz und seinem unverkennbaren eigenen Behrendt-Stil, die werden wir künftig missen müssen.

5.12.2008

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 14. Juni 2009 um 16:29 Uhr  
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