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Jan Hommen – designierter CEO des niederländischen Finanzkonzerns ING

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ING,,Es ist ganz gut, dass ich kein Banker bin‘‘

Von HELMUT HETZEL
 
Den Haag. ,,In diesen bewegten Zeiten ist es ganz gut, dass ich kein Banker bin. Ich kenne die Banken fast nur als Kunde und Kundenorientierung wird unter meiner Führung wieder ganz groß geschrieben werden.‘‘ Jan Hommen liebt klare und deutliche Worte. Er ist kein Mensch des Fabulierens. Er ist ein Mensch der Zahlen. ,,Ein exzellenter Buchhalter,‘‘ spotten seine Kritiker. ,,Ein Pragmatiker mit Vision,‘‘ sagen seine Bewunderer. Jan Hommen ist der Mann, der den durch die internationale Finanzkrise angeschlagenen niederländischen Allfinanzkonzern ING ab Mai als neuer Chief Executive Officer (CEO) aus der Krise führen und strategisch neu ausrichten soll. Für diese neue Herausforderung opfert der 65jährige Hommen viel. Eigentlich wollte er zurück zu seiner Familie in die USA, wo er mehr als 20 Jahre als Manager des Aluminiumunternehmens Alcoa erfolgreich arbeitete – bis 1997 und wo auch seine vier Kinder mit ihren Familien leben. Doch 1997 holte ihn der damalige Vorstandsvorsitzende der niederländischen Philips Electronics, Cor Boonstra, als Finanzvorstand (CFO) zurück in seine holländische Heimat. Zusammen mit Boonstra und dessen Nachfolger Gerard Kleisterlee, der auch heute noch Philips als CEO führt, sanierte Jan Hommen Philips mit harter Hand aber sehr erfolgreich. Dass Kleisterlee bei der Vorlage des Jahresergebnisses für 2008 gerade erst tönen konnte: ,,Philips ist finanziell kerngesund und hat 3,5 Mrd. Euro an Cash in der Kasse,‘‘ das hat er größtenteils dem exzellenten Finanzmanagement von Jan Hommen zu verdanken. Hommen war es, der Philips in die erste Liga der am solidesten finanzierten Multinationals hievte. ,,Ich brauche nur auf meine Bildschirme in meinem Büro zu sehen und weiß sofort, was  unsere aktuelle Cash-Position ist,‘‘ sagte Hommen im Gespräch mit unserer Zeitung, als er danach gefragt wurde, wie er es geschafft habe, Philips wieder so liquide zu machen. Unter Hommen wurde das gesamte Rechnungslegungssystem von Philips gestrafft und modernisiert. Seither ist Philips in den Niederlanden der erste große Multi, der sein Jahresergebnis zum Auftakt eines neuen Jahres bereits im Januar präsentieren kann. Das ist ein Resultat seines Ehrgeizes. Hommen ist effizient,  zuverlässig, aber auch ein strategisch denkender Mensch. Genau das, was die ING jetzt braucht. Nach seinem Ausscheiden als Finanzchef bei Philips sammelte Jan Hommen zunächst Aufsichtsratsmandate en masse. Er war Aufsichtsratschef beim weltgrößten Wissenschaftsverlag Reed Elsevier, dem niederländischen Post- und Expresskonzern TNT und seit 2005 auch bei der ING sowie Aufsichtsratsmitglied beim Milchproduktekonzern Campina. Hommen war als Chef des Audit-Komitees maßgeblich an der Rettung des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold beteiligt. Er galt nach seinem Rücktritt als CFO bei Philips als der mächtigste Manager in den Niederlanden.
Jetzt steigt er wieder in den Ring. Die meisten seiner oben genannten Aufsichtsratsmandate hat er bereits niedergelegt. Denn Jan Hommen hat einen Vierjahresvertrag als CEO für die ING-Gruppe unterschrieben, nachdem der bisherige ING-Vorstandschef Michel Tilmant Ende Januar völlig überraschend zurücktrat. Über die Honorierung von Hommen ist noch nichts bekannt. Aber es dürften wohl nicht die Finanzen sein, die ihn antreiben, die ING wieder flott machen zu wollen und einen der größten europäischen Finanzkonzerne durch die Krise zu lotsen. Denn nach seinem Ausscheiden bei Philips versilberte Hommen seine Philips-Aktien und Optionen und verdiente allein damit schätzungsweise mehr als zehn Millionen Euro.
 
Klar aber ist, dass er die ING durch die Finanzkrise lotsen muss – und will. Unter Leitung von Jan  Hommen soll sich die ING gesund schrumpfen. Weltweit werden rund 7000 der etwa 120.000 Stellen gestrichen. Die  teilweise ,,giftigen Alt-A-Hypotheken-Anlagen‘‘ aus den USA, die ein Volumen von knapp 30 Mrd. Euro haben, gab die ING bereits mehrheitlich in einem ausgeklügelten Deal an den niederländischen Staat ab. Hommen, der an der Katholischen Universität von Brabant Ökonomie studierte, hat das Geschäft federführend mit eingefädelt. Außerdem will der designierte neue ING-Chef eine Reihe von Tochterunternehmen verkaufen. Die Sparte Schadensversicherungen steht zur Disposition. Möglicherweise aber wird auch das ING-Direktbanking in den USA, das für die heutige Krise der ING mitverantwortlich ist, ebenfalls verkauft. Denn ING-Direkt USA stieg im großen Stil ins US-Hypothekengeschäft ein. Das war ein großer Fehler, wie man jetzt weiß.
Jan Hommen muss es nun richten und die ING retten. Bei Philips ist ihm das schon einmal gelungen. Nun aber ist die Herausforderung eine ganz andere. Vielleicht ist es wirklich gut, dass der neue ING-Chef kein Banker ist.
2.2.2009
 
/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /
 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. Februar 2009 um 00:36 Uhr  
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