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Banker und Boni

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Boni und Banker oder: ,,Eat the Banker‘‘

ING-Chef Jan Hommen verzichtet, aber seine Manager wollen noch einmal abkassieren/Schwieriger Kulturwandel in der Branche

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Vor dem Hauptsitz der Royal Bank of Scotland in London steht ein Mann mit Frack und schwarzem Zylinder auf dem Kopf. Um den Hals hat er sich ein Schild gehängt: ,,Eat the Bankers‘‘ steht darauf. Er meint wahrscheinlich damit nicht das höfliche ,,Esst die Banker,‘‘ sondern er meint wohl ,,Fresst sie auf, die Banker.‘‘ Ein Banker zu sein, ist heute ein Schimpfwort. Die Kombination Boni und Banker ist zum Fluch für die ganze Branche und für die Weltwirtschaft geworden. Weil einige Banker den Kragen nicht voll genug bekommen konnten und sich ihrer grenzenlosen Habgier mit vollem kreativen Elan kritiklos und ohne jedwede Selbstreflexion hingaben, haben sie erst das internationale Finanzsystem ruiniert und dann damit die Welt in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. Das Vertrauen ist weg. Die Finanzmarktkrise ist noch immer nicht eingedämmt. Die tiefe Rezession wütet weiter. An den Märkten, in den Firmen, am Arbeitsmarkt.

Wie schwierig es ist, mit der alten Kultur der grenzenlosen Banker-Habgier zu brechen und mit gutem und neuem Vorbild voran zu gehen, dafür gibt es jetzt ein Beispiel in den Niederlanden. Um den Allfinanzkonzern ING zu retten, gibt der designierte neue Vorstandsvorsitzende Jan Hommen ein Beispiel. Es verdient Beachtung.
Er selbst hat auf alle Boni und sogar auf ein Gehalt für 2009 verzichtet. Er arbeitet derzeit quasi gratis als amtierender CEO von ING.
Hommen muss auf der Hauptversammlung am 27. April als neuer ING-Chef noch von den Aktionären formal in seinem neuen Amt bestätigt werden. Bisher war Hommen Aufsichtsratsvorsitzender der ING. Er wechselte auf den Chefsessel als Michel Tilman - der bis kürzlich amtierende ING-Vorstandsvorsitzende - am 26. Januar überraschend zurücktrat.
Jan Hommen ist kein Banker. Und das ist gut so. Er war zwischen 1997 und 2005 Finanzvorstand der Royal Philips Electronics und wollte eigentlich bald zurück in die USA wo alle seine vier erwachsenen Kinder und deren Familien leben und wo er zwischen 1975 und 1991 bei Alcoa arbeitete und zu Hause war.
Dann aber erwischte die Finanzkrise auch die ING, wo man in der Chefetage lange - wohl zu lange - dachte, man könne diese Krise nur mit einer Schramme durchstehen.
Der 65jährige Hommen nahm die Herausforderung der Krise an und unterschrieb einen Vierjahresvertrag als CEO der ING. ,,Das wichtigste ist, dass wir sie überstehen. Die Welt hat sich völlig verändert. Die Aktienkurse eines Unternehmens richten sich heute nicht mehr nach dem Wert des Unternehmens, sondern nach dem Umfang des Kapitals, das es hat und wie es dieses Kapital einsetzt. Der Kunde muss künftig wieder im Mittelpunkt unserer Tätigkeit stehen,‘‘ umschreibt der designierte ING-CEO seine Strategie.

Boni und Banker

 


Wie schwierig es ist, einen Kulturumschwung herbeizuführen, in einem Unternehmen, das weltweit 125.000 Mitarbeiter beschäftigt, das musste Hommen nun am eigenen Leib erfahren. Denn während er auf jegliche Boni verzichtet und sich eine Vergütung für 2009 erst im nächsten Jahr, nach neuen wesentlich niedrigeren Entlohnungskriterien zuerkennen lassen will, pochen viele ING-Manager auf ihre vertraglich festgelegten Boni für 2008 obwohl die ING für das zurückliegende Jahr erstmals in ihrem Bestehen einen Verlust ausweisen musste. Unbestätigten Berichten zu Folge müssen demnach an die Banker-Elite der ING rund 950 Mio. Euro an Boni ausgeschüttet werden. ING spricht von 300 Mio. Euro an Boni-Ausschüttungen.

Und das, obwohl die ING mit Steuergeldern und einer staatlichen Finanzspritze von 10 Milliarden Euro gerade erst aufgepäppelt werden musste. Hommen im Dilemma. Er lasse die Boni nicht gerne auszahlen, habe lange darüber nachgedacht, die Auszahlung zu stoppen. ,,Aber dann würde ich meine eigenen Mitarbeiter gegen mich aufbringen, die ich jetzt brauche, um die Krise zu bewältigen,‘‘ gesteht er. Daher habe er zähneknirschend zu gestimmt. Wohl aber zum letzten Mal.

Hommen erfährt, was auch die einstigen Manager der deutschen Hypo Real Estate gerade vormachen: Erst kommt das Fressen, dann die Moral (Brecht). Doch die Abzocker von der deutschen Hypo Real Estate, die das Institut mit ihrer desaströsen Anlagestrategie an die Wand gefahren haben, und die von der Berliner Regierung schon 100 Mrd. Euro erhielt, sie sind noch skrupelloser. Sie wollen ihre satten Gehälter und Boni vor Gericht einklagen, obwohl sie längst zu Hause sitzen. Sie können ihre Gier immer noch nicht zügeln.
,,Eat the Bankers‘‘ - Man braucht nicht gleich Kannibale oder gar Kommunist wie Bertold Brecht zu werden. Aber ehrlich, haben wir sie nicht zum Fressen gern diese Boni-Banker...

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/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 24. März 2009 um 16:53 Uhr  
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