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Krise und Krawatte

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In der Krise trägt man(n) wieder Krawatte  -

die Frau greift zum Lippenstift

 

Haager Finanzminister Wouter Bos macht es vor

Finanzmarktkrise bringt die Renaissance der Krawatte bei Politikern in den Niederlanden - sie wollen wieder seriös rüberkommen/Frauen greifen häufiger zum Lippenstift

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Er war bis vor wenigen Tagen der Prototyp des krawattenlosen Politikers. Doch nun findet Wouter Bos, der Finanzminister der Niederlande, plötzlich großes Gefallen an dem Anzugs- und Hemd-Accessoire für Männer. Wouter Bos trägt plötzlich Krawatte. Täglich. Aber das erst seit die internationale Finanzmarktkrise auch die Niederlande kräftig beutelt und das Krisenmanagement des Haager Finanzministers und Vize-Premiers ständig auf die Probe gestellt wird.

Seither legt der smarte Finanzminister Wouter Bos plötzlich wieder die Krawatte an. Er trägt sie bei allen seinen öffentlichen Auftritten. Aus dem Krawatten-Muffel Bos ist der Krawatten-Liebhaber Bos geworden. Wouter Bos liebt die sanften Farbtöne und natürlich auch die Farbe Rot. Schließlich ist er ein gestandener Sozialdemokrat der Arbeiterpartei PvdA. Als ihr Spitzenkandidat will er die nächsten Wahlen in den Niederlanden gewinnen und sich dann endlich seinen großen Traum erfüllen: Wouter Bos will niederländischer Ministerpräsident werden. Ein Buch dazu, was er als Haager Regierungschef dann so alles zu tun gedenkt, hat er bereits geschrieben.
Warum aber nur ist bei dem einstigen Krawattenhasser die Liebe zum Schlips so plötzlich aufgekeimt? Antwort: Der Finanzminister will in der Krise Seriosität ausstrahlen. Und das geht wohl immer noch am besten, wenn man(n) gut gekleidet daher kommt. Kleider machen eben Leute. Das hat nun auch Wouter Bos begriffen, der sich inzwischen als kompetenter Krisenmanager profiliert hat, weil er den amtierenden Haager Ministerpräsidenten, den christdemokratischen Haager Regierungschef Jan Peter Balkenende an der Seite von Zentralbankchef Nout Wellink in den vergangenen Tagen oft vertreten musste. Denn Balkenende weilte in den vergangenen Tagen oft am Bett seines todkranken Vaters. Bos stand daher im Zentrum der Scheinwerfer und Kameras - immer mit schicker Krawatte.

Haager Finanzminister Wouter Bos mit Krawatte


Doch die Hinwendung des Haager Finanzministers Wouter Bos zum eleganten Schlips im passenden Anzug - vorzugsweise dunkelblau - ist kein Einzelfall. Es ist ein Trend - ein Krisen-Trend. ,,Wir profitieren von der Finanzmarktkrise. Unser Umsatz hat sich in den letzten Wochen verdoppelt. Das überrascht uns aber nicht. In Krisenzeiten verkaufen wir immer wesentlich mehr Krawatten als in der Hochkonjunktur,‘‘ sagt Rashed Ajoeb, Chef des größten niederländischen Krawatten-Shops.
Aber nicht nur Politiker legen jetzt in der Krise wieder größeren Wert auf die Kleidung, um seriöser rüberzukommen, da viele Manager und insbesondere viele Banker ihre einst gute Reputation - trotz ind er Regel guter Kleidung - eingebüßt haben. Anzug und Krawatte sind in den Niederlanden neuerdings auch bei jungen Männern und sogar bei vielen Studenten wieder total angesagt. ,,Eine neutrale Krawatte in Kombination mit einem dunklen Anzug, das ist die ideale Kombination für ein Vorstellungsgespräch. Damit strahlt man(n) etwas aus,‘‘ stellt Kor de Boer, Direktor der Arbeitsvermittlungs-Agentur ,,Sales Profs‘‘ fest.
,,Durch die sich abschwächende Konjunktur wird die Arbeitslosigkeit steigen. Der Arbeitsmarkt wird enger und das erhöht den Druck auf Stellenbewerber, um sich für das Vorstellungsgespräch bei einem potenziellen neuen Arbeitgeber eleganter zu kleiden,‘‘ weiß der Arbeitsvermittler de Boer.
Doch die internationale Finanzmarktkrise und die drohende Rezession beeinflusst nicht nur das modische Verhalten der Männer.

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 Auch Frauen passen ihr Konsumverhalten der sich abschwächenden Konjunktur an. Sie greifen jetzt häufiger zum Lippenstift, um sich zu verschönern. Daher steigt auch der Umsatz von Lippenstiften in Kosmetika-Läden und Warenhäusern in der Krise erheblich an, haben niederländische Marktforscher festgestellt. Warum? Antwort: Auch die Damen werden knausriger in der Krise. Sie schränken ihr Fun-Shopping ein oder organisieren es neu. Anstatt ein schickes und teures Paar neuer Schuhe kaufen sie sich jetzt lieber einen neuen Lippenstift.
Die Sache ist also klar: Sobald der Absatz von Lippenstiften kräftig steigt, die Männer wieder vorzugsweise elegante Krawatten tragen, die den Umsatz der Schlips-Industrie verdoppeln, dann kann man daraus schließen, dass eine Rezession kurz bevor steht.
15.10.2008

 

 

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/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 01. Mai 2009 um 13:24 Uhr  
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