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Pim Fortuyn - ein schwuler Revoluzzer

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Pim Fortuyn:

Ein schwuler Dandy

 

Von HELMUT HETZEL

 

Am 27. April 2002 sah ich Pim Fortuyn  zum letzten Mal. Ich besuchte ihn in Rotterdam. Wir hatten wie immer ein angeregtes Gespräch, lachten viel und machten eine Absprache. ,,Ich mache jetzt ein paar Tage Urlaub, am 6. Mai bin ich zurück, am 10. Mai komme ich dann zur dir nach Rotterdam für das große Interview.‘‘ Mit diesen Worten verabschiedete ich mich von Pim Fortuyn.

Pim scherzte beim Abschied: ,,Bald bin ich Ministerpräsident.‘‘

Das große Interview mit ihm war für den 10. Mai 2002 geplant und sollte in Zeitungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg noch rechtzeitig vor den für den 15. Mai geplanten Parlamentswahlen in den Niederlanden publiziert werden.

Am 6. Mai 2002 war mein Urlaub zu Ende. Kurz vor 18.00 Uhr überquerten wir bei Venlo die deutsch-niederländische Grenze. Als neugieriger Journalist justierte ich das Radio gleich auf einen niederländischen Sender ein. Ich wollte die 18.00 Uhr-Nachrichten hören. Dann der Schock: ,,Attentat auf Pim Fortuyn. Fortuyn wurde im Hilversumer Medienpark niedergeschossen.‘‘  Das war die erste Meldung. Entsetzen. Blankes Entsetzen bei uns. Ich sagte zu meiner Frau, die am Steuer saß: ,,Gib‘ Gas, mach den Bleifuß, das Tempolimit interessiert mich jetzt nicht mehr.‘‘

Kurz vor 19.30 Uhr saß ich in meinem Haager Büro vor dem Computer. Erster Bericht, zweiter Bericht, drittes Update, dann die Analyse. Die Deadlines rückten immer näher. Um circa 21.00 Uhr war der Kommentar fällig. Ein Nachruf. Was schreibe ich über Pim? Ich hielt inne. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Pim Fortuyn ist tot. Wahnsinn. Erst jetzt drang die ganze Tragweite dieses politisch-motivierten Attentats voll in mein Bewusstsein. Denn Pim Fortuyn war auch ein Kollege. Jahre lang schrieb er Kolumnen für das Magazin ,,Elsevier.''

Wer war Pim Fortuyn?

Er war ein charismatischer Politiker, er war ein schwuler Dandy, er war ein intellektueller Debattierer, er war ein brillianter Rhetoriker, er war ein weitsichtiger Stratege. Er war ein Tabubrecher Er war ein schwuler Revoluzzer. Er war ein Charmeur. Er war ein Populist.

Er war ein Demokrat in Herz und Nieren.

 

Sein großes Vorbild war John F. Kennedy. Er war ganz un-niederländisch. Er protzte und prahlte. Aber die Menschen liebten ihn. Sie liebten seine Direktheit, seine Offenheit, seinen Charme, seinen Humor. Weil er meinte: ,,Holland ist voll,‘‘ und er die Immigrationsströme stoppen wollte, wurde ihm Ausländerfeindlichkeit unterstellt. In einem Interview wurde Pim Fortuyn gefragt, ob er etwas gegen Marokkaner und marokkanische Jugendliche habe. Seine Antwort: ,,Warum sollte ich, ich gehe sogar mit ihnen ins Bett.‘‘

Er war kein Rechtsradikaler, nicht der Le Pen oder der Jörg Haider der Niederlande.

Pim Fortuyn war der erste niederländische Politiker, der es wagte, den Islam öffentlich zu kritisieren. Er war der erste, der vor der Gefahr des fundamentalistischen Islam warnte.

Er war Anfang Mai 2002 der potenzielle neue Ministerpräsident der Niederlande. Er  hatte reelle Chancen, in dieses Amt gewählt zu werden.

Sein Verdienst: Er hat die alles erstickende Decke der Political Correctness, die den öffentlichen Diskurs  in Holland jahrelang eingeengt hatte,  weggezogen und die freie öffentliche Debatte in den Niederlanden wieder möglich gemacht. Die Niederländer haben nicht nur massenhaft und sehr emotional um ,,ihren Pim‘‘ getrauert als er beigesetzt wurde. Sie haben auch massenhaft für ihn demonstriert und dann danach beim Urnengang am 15. Mai massenhaft auf ihn gestimmt. Sie gaben ihre Stimme einem Toten. Die Liste Pim Fortyn (LPF), so hieß die von dem Populisten gegründete Partei, wurde aus dem Stand heraus die zweitgrößte politische Kraft der Niederlande.

Inzwischen ist sie zerfallen und wurde sie aufgelöst. Aber die Niederländer haben noch einmal nachgelegt und ihre Sympathie für Pim Fortuyn bekundet. Sie wählten ihn zum größten Niederländer aller Zeiten.

25.4.2008

Grab von Pim Fortuyn in Provisano, Italien

Grab von Pim Fortuyn in Provisano, Italien

  

 

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 01. Mai 2009 um 13:22 Uhr  
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