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Dalai Lama in den Niederlanden

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Der Dalai Lama

Haager Regierung macht Kotau vor Peking

Kein Treffen von Premier Balkenende mit dem Dalai Lama 

 

Auch Kronrpinz Willem-Alexander kneift

Vor 20 Jahren:

Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der Kotau ist die ultimative Unterwerfung nach chinesischen Sitten. Er dürfte die kommunistische Führung in Peking erfreuen. Denn auf Druck der chinesischen Führung in Peking ist die Haager Regierung eingeknickt wie eine Lotusblume, der das Wasser entzogen wird. Den Haag geht vor Peking auf die Knie. Und wie. Sie macht den Kotau.

Weder der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende noch der künftige König der Niederlande Kronprinz Willem-Alexander (42) wollen den Dalai Lama in dieser Woche empfangen, wenn dieser für fast drei Tage in Holland weilen wird. Sowohl Balkenende als auch Willem-Alexander haben die billigste aller Ausreden vorgeschoben, warum sie das geistliche Oberhaupt der Tibeter nicht sehen können: Terminprobleme.
Das freut die chinesische Führung in Peking natürlich. Denn die hat vom Vorfeld des Besuchs der ,,Gestalt, die Barmherzigkeit und Weisheit bringt‘‘ wie Buddhisten es vom Dalai Lama behaupten, knallharten diplomatischen Druck auf die Haager Regierung ausgeübt, um den Dalai Lama nicht zu empfangen. Der hat gewirkt.

Der Druck Pekings ging soweit, dass der chinesische Botschafter in Den Haag, Zhang Jun, sogar einen offiziellen Protestbrief an Gerdi Verbeet, der Parlamentspräsidentin der Niederlande schrieb. Zhang drängt in dem Schreiben darauf, dass Frau Verbeet den Dalai Lama nicht empfangen dürfe.

Damit nicht genug. Im gleichen Atemzug droht der chinesische Botschafter auch mit ,,negativen Konsequenzen,‘‘ für den Fall, dass sie es dennoch tun werde. ,,Wir werden dem chinesischen Druck aber nicht nachgeben. Wir, das frei gewählte Parlament der Niederlande, wir entscheiden selbst, wenn wir empfangen und wen nicht,‘‘ ließ Parlamentspräsidentin Gerdi Verbeet erklären.
Sie will den Dalai Lama am Donnerstag im Haager Parlament empfangen und zeigt damit, dass sie anders als die Haager Regierung nicht bereit ist, dem chinesischen Druck nachzugeben. Frau Verbeet ist die rühmliche Ausnahme.


Nicht ganz. Denn der Haager Außenminister Maxime Verhagen, der nach wie vor ein echter Menschenrechtsaktivist ist, hat als einziges Regierungsmitglied den Mut, den Dalai Lama zu treffen.

Aber auch er empfängt den tibetanischen Gast nicht offiziell im Haager Außenministerium. Er wird den Dalai Lama mehr oder weniger ,,zufällig‘‘ während eines der zahlreichen Auftritte und Vorlesungen des Dalai Lama in den Niederlanden die Hand schütteln. Auch diese als ,,diplomatisch‘‘ beschriebene ,,Regelung‘‘ ist schlichtweg beschämend.

Ob Verhagen sich den traditionellen weißen Schal des tibetanischen Buddhisten um den Hals legen lässt, bleibt abzuwarten. Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer hatte damit keine Probleme.

Die abweisende Haltung der Haager Regierung gegenüber dem Dalai Lama stößt auch in der Bevölkerung auf große Ablehnung. Auf Internetforen haben bereits mehr als Zehntausend Niederländer dagegen protestiert, dass der Haager Regierungschef den Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger nicht persönlich empfangen will, so wie das die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy kürzlich taten.

Vor zehn Jahren war das noch ganz anders. Der damalige Haager Regierungschef Wim Kok nahm sich damals Zeit für den obersten buddhistischen Mönch aus Tibet, der 1959 nach der Niederschlagung des Volksaufstandes der Tibeter gegen die Han-Chinesen aus seiner Heimat fliehen musste, weil die Chinesen sich Tibet endgültig einverleiben wollten. Seither ist Tibet Teil des Reichs der Mitte.

Tibet Aufstand 1959

 

Tibet - der Aufstand gegen die chinesischen Besatzer 1959


Aber damals war die Volksrepublik China noch nicht die wirtschaftliche Supermacht, die das Reich der Mitte heute darstellt. Jetzt, anno 2009 und mitten in der Wirtschaftskrise, reicht der starke Arm von Peking schon bis nach Den Haag - und bis nach Washington, weil China heute die größten Devisenreserven der Welt besitzt.

Ironie der Geschichte: Am 4. Juni, wenn der Dalai Lama in den Niederlanden sein wird, jährt sich zum 20. Mal auch der Aufstand der Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking (Tiananmen). Die chinesischen Studenten, die friedlich demonstrierten, haben ähnlich wie die Tibeter 1950 und 1959 im Jahr 1989 mehr Freiheit und Demokratie in der Volksrepublik China gefordert. Doch die Pekinger Studenten wurden am 4. Und 5. Juni 1989 von der kommunistischen, der so genannten ,,Volksbefreiungsarmee‘‘ genauso grausam niedergemetzelt wie die Mönche aus Tibet, die 1950 und 1959 für die Freiheit und Unabhängigkeit Tibets kämpften.

 

China-Massaker 4. Juni 1989

 

Peking 4. Juni 1989 

Der Aufstand der Studenten gegen die kommunistische Diktatur

 

Schon deshalb wäre es geboten, dass der Dalai Lama in den Niederlanden auch vom Haager Regierungschef offiziell empfangen wird. Balkenende trifft den Dalai Lama - das wäre ein Signal für alle Demokraten und ein Statement für die Menschenrechte.
2.6.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 03. Juni 2009 um 08:39 Uhr  
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