Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Holland: Polizeiterror mit Strafzettel

E-Mail Drucken PDF

Eiskratzen

Scheibe vereist: 240 Euro Bußgeld

 


Der Knöllchen-Terror der niederländischen Polizei


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der strenge Winter der vergangenen Tage kam vielen Autofahrern teuer zu stehen. Nicht nur weil es viele Blechschäden gab oder neue Winterreifen gekauft werden mussten, die Batterie ausfiel oder die Zündkerzen streikten. All das verursachte zusätzliche Kosten. Richtig geschröpft aber wurden die Autofahrer in den Niederlanden. Da ging die Polizei nämlich auch noch gezielt auf Jagd nach den ,,Eis-Sündern.‘‘ Sie kontrollierte vor allem morgens massenhaft die Autos, um festzustellen, ob die Scheiben eisfrei waren. Alle Scheiben, inklusive der Außenspiegel. Waren sie das nicht, dann schrieben die Beamten satte Bußgeld-Bescheide aus. War auch nur eine Fensterscheibe des Autos oder ein Außenspiegel nur noch teilweise vereist, dann kostete das dem Fahrer des Pkws satte 240 Euro. Die Eis-Knöllchen wurden massenhaft ausgeschrieben. Zum Ärger vieler Autofahrer, die häufig nur die Windschutzscheibe und die Rückscheibe vom Eis ganz und gar befreit hatten und die Seitenfenster oder die Außenspiegel oft nur teilweise.


Die knallharte Bußgeld-Politik gegen Autofahrer in den Niederlanden hat System. Denn der ,,Knöllchen-Terror‘‘ wie Kritiker das nennen, dient dem Staat und den Gemeinden dazu, die Kassen zu füllen. Der Autofahrer wird in den Niederlanden durch die Polizei gnadenlos abgezockt. Jeder niederländische Autofahrer hat im vergangenen Jahr mindestens einen, die meisten aber mehrere Bußgeldbescheide erhalten. Denn die Polizei verteilte sage und schreibe 11.823.239 Knöllchen. Also rund 12 Millionen Strafzettel bei einer Bevölkerung von nur 16,5 Millionen von der aber Kinder und Jungendliche unter 18 Jahren sowie viele ältere Menschen über 65 Jahre keine Autofahrer sind. Im Jahresvergleich schrieben die eifrigen niederländischen Polizisten in 2009 damit per Saldo 160.000 Knöllchen mehr aus als in 2008. Häufigstes Verkehrsdelikt: Zu schnell fahren.

Dauerstau in Holland

 

Die Bußgelder für Verkehrsdelikte in den Niederlanden zählen zu den höchsten in ganz Europa. Wer auch nur sieben Stundenkilometer zu schnell fährt, der bekommt bereits ein Bußgeld von 50 Euro aufgebrummt. Wer 50 km/h zu schnell fährt, ist seinen Führerschein los und muss mit einem Bußgeld von über 500 Euro rechnen. Wer die Parkzeit auch nur um fünf Minuten überschreitet, ist ebenfalls 50 Euro los. In Amsterdam, wo die Parkzeit vielerorts auf 30 Minuten oder maximal eine Stunde begrenzt ist, kostet eine Stunde Parken durchschnittlich fünf Euro, in manchen Parkhäusern sogar 7,50 Euro.


Die Autofahrer werden in Holland gleich von drei verschiedenen Polizeidiensten geschröpft: Der ,,Rijkspolitie‘‘ (Bundespolizei), der ,,Gemeentepolitie‘‘ (Gemeindepolizei) und den ,,Parkwachtern‘‘ (Park-Polizei). Sie alle schreiben sich die Finger wund, damit die Autofahrer viel Geld in die staatlichen Kassen überweisen müssen. Viele Gemeinden und Städte haben die Bußgeldeinnahmen schon im voraus in ihren Jahresetats eingeplant. Es wird also von vorneherein festgelegt, wie viel Geld mit dem Schreiben von Knöllchen jährlich verdient werden muss. Die großen Städte wie Amsterdam, Den Haag Utrecht und Rotterdam haben außerdem auf den sie umringenden Stadtautobahnen die so genannte ,,Trajectcontrole‘‘ eingerichtet. Trajekt-Kontrolle bedeutet, dass die Geschwindigkeit mit Kameras auf einem bestimmten Autobahnabschnitt ständig überwacht wird. Die Höchstgeschwindigkeit auf diesen Autobahnabschnitten mit Trajekt-Kontrolle ist überall 80 km/h. Fährt man auch nur vier km/h schneller gibt´s ein Knöllchen. Der niederländische Staat, die Städte und Gemeinden nehmen durch ihre aggressive Bußgeld-Politik gegen Autofahrer jährlich Millionenbeträge in zwei- bis dreistelliger Höhe ein.


Die Bußgeldbescheide werden von der in den Niederlanden wohl meistgehassten Bußgeldzentralstelle CJIB in Leeuwarden verschickt. Das CJIB (Centraal Justitieel Incasso Bureau) berichtet, dass in 2009 95,7 % aller Knöllchen bezahlt worden sind. Das aber sei noch zu wenig und zeuge noch von einer zu schlechten Zahlungsmoral vieler Autofahrer. Die Quote der bezahlten Strafzettel müsse auf 97,4 % erhöht werden. Und auch die ohnehin so hohen Bußgelder steigen weiter. Zum Leidwesen der Autofahrer, die vielleicht auch deshalb im Straßenverkehr immer aggressiver werden.

14.01.2010


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 04. Februar 2010 um 22:46 Uhr  
feed image

Verwandte Artikel



Banner
Banner