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Big Brother Holland - wie Google

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Das Leben der Anderen

                       Big Brother

oder das Leben der Anderen á la hollandaise..

Von HELMUT HETZEL

Wir wissen es: Die Reality-Show ,,Big Brother'' ist eine holländische Erfindung. John de Mol - der Bruder von Linda - hat sie sich ausgedacht. Die Seifenoper wurde zu einem Welterfolg. Viele aber wissen nicht, dass die andere Variante von Big Brother, nämlich die Orwellsche, ebenfalls eine niederländische Erfindung ist. Mehr noch: Orwell ist in den Niederlanden schon fast Realität. Fast kein Winkel des rund 40.000 Quadratkilometer umfangssenden Königreichs - ein Drittel davon ist Wasser - bleibt anno 2011 noch unbeobachtet. Die Niederlande mit einer Bevölkerungsdichte von fast 500 Menschen pro Quadratkilometer sind das am dichtesten bevölkerte Land Europas. Dieses Land ist voll im Visier der staatlichen Späher. Sie sind überall. Wer in Holland den Bahnsteig eines Bahnhofs betritt, wird von einer Überwachungskamera erfasst. Wer in Amsterdam, Den Haag oder Utrecht durch die Fußgängerzone schlendert, muss damit rechnen, vom Auge Orwells beobachtet zu werden. Egal, ob man ein Rathaus betritt oder den Rotlichtbezirk irgendwo zwischen Groningen und Maastricht, das wachende Auge des Gesetzes schaut zu. In den Niederlanden werden mehr Telefone abgezapft als in den USA - und das obwohl die USA mit rund 300 Mio. Menschen fast 20 mal mehr Einwohner zählen als die Niederlande. ,,In zwei Stunden habe ich vom Richter grünes Licht, wenn ich jemanden abhören will,‘‘ berichtet ein hoher Polizeioffizier ,,off the record‘‘ natürlich.

,,Das Leben der Anderen‘‘ - hier wird´s Ereignis, um mit Goethe zu sprechen. Das Unbeschreibliche, hier wird´s getan. Der Überwachungsstaat - er zieht den niederländischen Staat magisch an. Nicht nur den.

KPN Telecom als Big Brother... wie Google

Die KPN Telecom, außer in den Niederlanden auch mit ihren Mobilfunktöchtern E-Plus in Deutschland und Base in Belgien aktiv, beobachtet, pardon, überwacht, die Internetchats ihrer Kunden, die via Handy getätigt werden. Deep Packet Inspection (DPI) nennen das die KPN-Big Brothers. DPI macht es auch möglich, den Inhalt des mobilen Chats zu kontrollieren und zu analysieren, den Aufenthaltsort des mobilen Telefonierers sowieso. Sogar in die Voice-Mail-Box prominenter Politiker, darunter die des Ministerpräsidenten, kann man in Holland als cleverer Hacker leicht einbrechen. Es ist geschehen.


Google vermisst - und bespitzelt - die Welt via Google-Maps - in den Niederlanden protestiert niemand dagegen.
Den Vogel aber schießen immer noch die Überwachungskameras und die beim Autofahrer so verhassten ,,Flitspaalen‘‘ der Verkehrspolizei auf niederländischen Autobahnen ab. Die deutsche Sprache kennt (noch) nicht einmal ein Substantiv als sprachliches Äquivalent für den typisch niederländischen ,,Flitspaal,‘‘ der übrigens auch im Land von Rembrandt und der Joints erfunden wurde, was wiederum Rückschlüsse auf die Überwachungsmentalität bei der niederländischen Polizei zulässt.
Auch die ,,Trajectcontrole‘‘ haben die Holländer erfunden. Das ist die totale Überwachung der Autofahrer auf bestimmten Autobahnabschnitten via Kamera. Auf fast allen Autobahnringen rund um Amsterdam, Rotterdam oder Den Haag ist die ,, Trajectcontrole‘‘ heute Realität - mit der Auflage, eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern einhalten zu müssen. Wer schneller fährt, bekommt ein Knöllchen. Aber der Autofahrer wird kilometerlang auf seiner Fahrt ständig von Kameras überwacht und beobachtet.

Die totale Überwachung

Ach ja, das letzte Knöllchen - in den Niederlanden heißt das: ,,Beschikking van het Centraal Justitieel Incassobureau‘‘ und es kommt aus der friesischen Hauptstadt Leeuwarden, lautet folgendermaßen: ,,Overschrijding maximum snelheid op autosnelwegen mit 4 km/h (verkeersbord A 1).
Zu Deutsch: Überschreiten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen mit 4, respektive 4 (!) Stundenkilometern am Verkehrsschild A 1. Die Höchstgeschwindigkeit auf diesem Teil der Autobahn bei Den Haag beträgt 80 km/h.
Das Bußgeld: 19,00 Euro - zuzüglich 6,00 Euro Verwaltungskosten, macht 25,00 Euro und dann die Drohung, rechtzeitig bis spätestens 9. Juli zu bezahlen, sonst werde das Bußgeld drastisch erhöht.
Was der Bußgeldbescheid nicht enthüllt, ist, was die Beamten sonst noch via Kamera so alles gesehen haben als der mit 84 km/h um vier Stundenkilometer zu schnell fahrende Autofahrer über die Autobahn bei Den Haag raste. Tja, was hat er da im Auto wohl noch so alles gemacht? - Bei einem Schneckentempo von 80 km/h gibt es weite Betätigungsfelder... Einschlafen ist eines davon.

19.5.2011

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 19. Mai 2011 um 19:37 Uhr  
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