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Woddy Allen - Vicky, Christina Barcelona

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Woody Allen in Barcelona auf der Suche nach El Bulli

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mit Scarlett Johansson und

 

 

 

Penelope Cruz

 

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HELMUT HETZEL  war dabei

 

als Vicky, Christina, Barcelona entstand

 

 

 

 

 

 

Woddy in Town

 

Von HELMUT HETZEL

Barcelona. Woody Allen ist da. Sogar in einer Metropole wie Barcelona merkt man das. ,,Woody Allen sucht noch immer Laiendarsteller für sein Barcelona-Projekt. Einige meiner Freundinnen sind ganz heiß darauf, mitmachen zu können. Sie hoffen auf eine kleine Nebenrolle. Aber ich bewerbe mich nicht.‘‘ Die 31jährige Katalanin Eva will kein Filmstar werden. Auch nicht durch eine kleine Rolle im neuen Woody Allen Werk. Ihren Urlaub opfern, damit sie im ,,Barcelona Projekt‘‘ des New Yorker Stadtneurotikers eine klizze kleine Nebenrolle spielen darf, das will sie schon gar nicht. ,,Den Urlaub verbringe ich lieber mit meinem Freund und nicht mit Woody Allen und dessen Filmcrew,‘‘ sagt die stolze Katalanin.

Woody Allen ist Stadtgespräch in Barcelona. Seit der dreifache Oscar-Preisträger sich mit seiner Filmcrew und seiner koreanischen Gattin Soon Yi
sowie seinen Kindern auf einer ganzen Etage des Nobelhotels Arts am Olympischen Hafen in Barcelona eingemietet hat, dort wo ein Tio Pepe-Sherry 14 Euro pro Glas kostet und wo in der überdachten Hotelleinfahrt Bentleys, BMW's, Porsches, Mercedes‘ und Jaguars in Reih und Glied stehen als gäbe es keine anderen Automodelle auf der Welt, dort ist derzeit die Adresse des US-Regisseurs.

An manchen Tagen drückt der Amerikaner der hektischen katalonischen Hafenmetropole zeitweilig seinen Stempel auf. Immer dann, wenn ,,Shooting‘‘ angesagt ist und die Allen-Crew zu den Drehorten in die Gaudi-Stadt ausschwärmt. Dann herrscht der Ausnahmezustand. Die Allen-Filmcrew erhält Polizeieskorte, was dazu führte, dass ein Motorrad-Agent, der eigens zum Schutz des US-Stars Scarlett Johansson als Bodyguard eingeteilt wurde, aus der Rolle fiel. Denn der Polizist fuhr mit seinem Motorrad auf ein Taxi als er Scarlett eskortieren sollte. Er hatte seine Augen wohl nicht auf den Verkehr, sondern nur auf die schöne Amerikanerin gerichtet.

 

 

Die große Woody Allen Show hat für die Stadt manchmal weitrechende Konsequenzen. Für Allen und sein Film-Team wurde selbst die berühmte Flaniermeile La Rambla für eine Shooting-Session zeitweilig abgesperrt. Das allerdings behagte weder den vielen Touristen noch den Einheimischen. Sie konnten zeitweilig nicht flanieren, ein Gläschen trinken oder Tapas tafeln auf der berühmtesten Prachtstraße der katalonischen Olympiastadt. Aber jetzt ist La Rambla wieder offen. Woody hat seine Szenen im Kasten.


Solche Beeinträchtigungen des Alltags durch die Dreharbeiten wurden jedoch eher gelassen hingenommen. Not amused aber sind viele Katalanen darüber, dass Woody Allen für seinen neuen Film von der Stadt Barcelona und der katalanischen Regierung per Saldo 1,5 Millionen Euro an Subventionen kassierte. Im Gegenzug versprach der geschäftstüchtige amerikanische Filmemacher, dass im Titel des neuen Films der Name Barcelona vorkommen werde. Überhaupt werde sein neuestes Werk eine Hommage an die Heimatstadt von Gaudi, versprach Allen. Ob dem so sein wird, das bleibt abzuwarten. Denn die Dreharbeiten werden erst Ende August abgeschlossen sein. Mit der Montage soll schon im September begonnen werden, so dass das neue Allen-Movie mit Barcelona im Titel frühestens in einem Jahr Premiere haben dürfte.


Die Tatsache, dass Woody Allen für sein neues Filmprojekt aus katalanischen Finanztöpfen so hohe Subventionen erhält, veranlasste die katalanische Zeitung ,,El Periodico de Catalunya‘‘ zu der spitzen Bemerkung: ,,Er denkt jetzt wohl, dass wir ganz schön naiv sind.‘‘ Doch Jaume Roures, der spanische Co-Produzent von Allen, der von den Subventionen natürlich mit profitiert, konterte: ,,Die Subventionen sind eine gute Investition in eine weltweite Imagekampagne für Barcelona.‘‘
Klingt gut. Aber hat die Stadt eine solche überhaupt noch nötig? Sie ist längst eine der meistbesuchten Touristenmetropolen Europas. Barcelona ist bereits ein Magnet. Wer in diesen Tagen auf der Placa Reial am Abend in einem Restaurant oder Café einen Platz bekommt, der ist wirklich ein Glückspilz. Vor dem Quinze Nits, dem durch ein hervorragendes Preis-Qualitäts-Verhältnis überzeugenden Restaurant auf dem mit Palmen gesäumten Platz, stehen jeden Abend Menschenschlangen mit einer Länge von manchmal bis zu 30 Metern. Sie begehren Einlass. Wären da nicht die Palmen und die sommerlichen Temperaturen, man könnte meinen, sich im real existierenden Sozialismus des Erich Honecker zu befinden. Wer aber im Quinze Nits einmal einen Platz bekommen hat, kann sofort feststellen: Hier gibt keine Sättigungsbeilagen, sondern leckere Lammkeule in Rosmarin, köstlichen gegrillten Oktopus und den Liter Vino de la Casa (Blanco, Rosato, Tinto) noch für sechs Euro.

Woody Allen, der Film-Meister aus New York, der nun nach London zum zweiten Mal erst im Ausland dreht, hüllt sich über den Inhalt seines ,,Barcelona-Projekts‘‘ bisher in Schweigen. Aber in den Tapa-Bars der Stadt ist die Story des neuen Allen-Werks schon durchgesickert. Man erzählt sie sich zwischen dem zweiten und dem achten Menü-Gang. Zu hören ist Folgendes: Demnach soll eine US-Touristin, gespielt von Scarlett Johansson, nach Barcelona reisen, um hier die katalanische Kochkunst kennenzulernen. Denn spätestens seit bei vielen US-Gourmets das katalonische Restaurant El Bulli und seine von Starkkoch Ferran Adria Acosta praktizierte Molekular-Kochweise inzwischen zum Inbegriff des neuen Kochens wurden, ist die katalanische Küche auch in den USA gefragt.


Einmal angekommen, verliebt sich die US-Touristin in ihren spanischen Kochlehrer. Er wird von Javier Bardem gespielt. Der wiederum wird von seiner Ex-Geliebten immer noch angehimmelt. Die wird eifersüchtig auf die neue Liaison, die ihr einstiger Partner eingeht. Die Rolle der eifersüchtigen Ex darf Penelope Cruz spielen. So kann die Menage a trois ihren Lauf nehmen - als Liebes- und Eifersuchtsdrama vor der einmaligen architektonischen Kulisse Barcelonas mit der Sagrada Familia als spirituellen Mittelpunkt. Ein klassisches Thema, umgesetzt in einer faszinierenden Stadt.


Wie die Dreier-Beziehung in Barcelona enden wird, darüber wird in den Tapa-Bars noch debattiert. Denkbar aber ist, dass die US-Touristin bei ihrem Latin-Lover, dem Kochlehrer aus Barcelona bleibt, mit ihm gemeinsam ein Restaurant eröffnet, in dem dann auch molekular zubereitete Big Macs angeboten werden. Sie entwickeln sich zu einem neuen Verkaufsschlager, werden in die USA exportiert und lösen dort das Übergewicht-Problem unter dem viele Amerikaner leiden. So könnte der Film enden. Vielleicht auch anders. Erst im nächsten Jahr, nach der Premiere des ,,Barcelona Projekts‘‘ werden wir wissen, wie Woody Allen seine Barcelona-Hommage in Szene gesetzt hat und ob El Bulli darin eine Rolle spielt.

Inzwischen wissen wir es.

 

 

Woddy Allen bei den Dreharbeiten im August 2007 in Barcelona

 

28.8.2007

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 24. Juni 2009 um 16:30 Uhr  
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