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Klimawandel: Ap Verheggen protestiert

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Ap Verheggen

,,Das Eis war noch nie so dünn‘‘

 

Klimawandel bedroht die Inuit-Kultur:

 

Niederländischer Künstler Ap Verheggen setzt Kunstwerk auf schwimmenden Eisberg in Grönland -

HM-Interview mit Ap Verheggen


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Ap Verheggen stehen die Strapazen noch ins Gesicht geschrieben. Zwei Wochen war der niederländische Bildhauer mit einer 16köpfigen Crew auf Grönland unterwegs. Dort platzierte der 45jährige Haager Künstler auf einem schwimmenden Eisberg eine Skulptur. Seine Aktion ist ein Protestschrei um auf das Schicksal der Inuit in Grönland und anderswo aufmerksam zu machen.

 ,,Denn durch den Klimawandel droht ein Volk, eine Kultur zu sterben.‘‘ Seine Skulptur ,,Dog Sled Riders‘‘ - Schlittenhundefahrer steht seit Samstag auf dem Eisberg auf der Grönland-Insel Uummanaq. Über eine Videokamera mit GPS-Verbindung kann auf seiner Website verfolgt werden, wohin der Eisberg mit der Skulptur treibt und wie schnell er schmilzt.

HetzelMedia HM sprach mit Ap Verheggen direkt nach dessen Rückkehr aus Grönland in Den Haag.

F: Herr Verheggen. Wie kamen Sie auf die Idee ausgerechnet auf Grönland ihre neue Skulptur zu platzieren?

A: Ich bin fasziniert vom Polargebiet und der Arktis und den Menschen, den Inuit, die dort leben. Vor sechs Jahren war ich zum ersten Mal dort. Die Menschen und das Stück Erde, besser das Eis, haben mich seither nie mehr losgelassen. Mit meinem neuen Kunstwerk wollte ich ein Zeichen setzen. Denn die Kultur der Inuit sind in ihrer Existenz bedroht. Der Klimawandel raubt ihnen ihre Lebensgrundlage. Sie können mit ihren Hundeschlitten und ihren Hunden nicht mehr auf die Jagd.

 

Ap Verheggen auf Grönland

 

F: Warum nicht?

A: Das Eis ist stellenweise nur noch zehn Zentimeter dick. Früher war das ein Meter. Weihnachten hat es auf der Insel Uummannaq geregnet. Die Inuit haben kein Futter mehr für ihre Schlittenhunde. Sie müssen 1500 ihrer insgesamt 4000 Schlittenhunde erschießen. Die ersten Hunde wurden schon erschossen. Es droht eine ganze Kultur auszusterben. Das ist schrecklich. Deshalb will ich mit meiner Kunstaktion auf die Lage der Inuit aufmerksam machen.

F: Sie protestieren also mit ihrer Kunst gegen die Erwärmung der Erde und den Anstieg der Meeresspiegel...

A: Den Begriff ,,Erwärmung der Erde‘‘ meide ich lieber. Ich bin Künstler, kein Wissenschaftler. Ich spreche lieber vom Klimawandel. Worum es mir geht, ist ein Zeichen zu setzen und die Debatte über den Klimawandel auf das Schicksal der Inuit und ihre Kultur zu lenken. Niemand macht das, auch Al Gore nicht. Wir müssen uns mit diesem Thema beschäftigen und den Inuit helfen.

F: Wie?

A: Wie gesagt, ich bin kein Wissenschaftler, ich habe keine Patentrezepte, ich will mit meiner Kunst die Menschen wachrütteln, darum habe ich meine neue Skulptur auf den schwimmenden Eisberg in Grönland gestellt.

F: Was ist das für eine Skulptur?

A: Es ist eine riesige Peitsche aus Stahl und Leinen, den Peitschen nachempfunden, die die Inuit gebrauchen, um ihre Hunde mit dem Schlitten anzutreiben, dargestellt aus der Sicht eines Hundeschlittenfahrers, dessen Füße in der Skulptur auch abgebildet werden. Die Skulptur steht wie eingefroren auf dem Eisberg. Nun entscheidet die Natur, wohin die Reise geht und wo sie endet.
Das Kunstwerk wird mit dem Eisberg, wenn er weggeschmolzen ist, untergehen.
Aber wir können das alles über unsere GPS-Kamera auf meiner Website mit verfolgen.

F: Wie haben Sie das gigantische Projekt finanziert?

A: Ich habe vieles aus eigener Tasche bezahlt, wie auch die meisten meiner Mitarbeiter. Wir hatten aber auch Sponsoren. Der World Natur Fonds gehörte dazu. Zahlreiche TV-Stationen in der ganzen Welt haben die Aktion gefilmt, darunter auch Reuters TV, und gesendet.

F: Was war die wichtigste Erfahrung, die Sie während ihres spektakulären Kunstprojekts auf Grönland machten?

A: Ironie der Geschichte. Das Kunstprojekt wurde vom Klimawandel selbst eingeholt. Wir wollten die Kisten in denen das Stahlgerüst der Skulptur war, eigentlich mit Schlittenhunden zu dem Eisberg transportieren. Das aber ging nicht mehr, weil das Eis zu dünn wurde. Deshalb mussten wir einen Hubschrauber einsetzen. Ich habe den Klimawandel und das Schmelzen des Eises auf Grönland hautnah erlebt, während wir das Projekt realisierten.

F: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Infobox: Grönland schmilzt weg

Htz. Laut einer Studie von dänischen und amerikanischen Wissenschaftlern schmilzt die grönländische Eislandschaft immer schneller und großflächiger. Das Schmelzwasser rinnt ins Meer und lässt den Meeresspiegel steigen. Dieser Studie zu Folge gingen zwischen April 2002 und Februar 2009 rund 1600 Kubikkilometer Eis auf Grönland verloren. Das führte in diesem Zeitraum zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 0,5 Millimeter im Jahr.

Quelle: Geophysical Research Letters der amerikanischen Geophysikalischen Union, 2010, 37 (6), L06501.

www.coolemotion.org

28.3.2010

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 04. April 2010 um 16:44 Uhr  
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