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Markus Lüpertz - der Harry Mulisch der Malerei

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Markus Lüpertz - der Harry Mulisch der Malerei

Große Ausstellung im Museum Würth in Den Bosch - Gespräch mit dem großen deutschen Maler

Von HELMUT HETZEL

 ,,Ich freue mich immer, wenn ich meine Bilder, die ich gemalt habe, wieder sehe.'' Die Freude ist Markus Lüpertz anzusehen. Sie steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben, als er viele seiner Bilder - und einige seiner Skulpturen - anlässlich der Ausstellungs-Eröffnung im Museum Würth im niederländischen `s-Hertogenbosch (Den Bosch) wieder sieht. Gerne posiert er für die Fotografen vor seinen Werken, die in Den Bosch im Museum Würth noch bis zum 25. September zu bewundern ist. ,,Ja, ein bisschen Werbung für mich darf ich doch noch machen,‘‘ sagt er zu einem der Fotografen, der den Künstler vor seinen Gemälden immer wieder in neuen Positionen haben will, um das optimale Foto zu bekommen.

Entspannt, angeregt und mit intellektuell anspruchsvollen Reflexionen über die Malerei anno domini 2011 und die Malerei an sich empfängt der 70jährige dann Gäste und Journalisten in der Galerie Würth in Den Bosch zu einem Gedankenaustausch.

Lüpertz legt im Gespräch mit HM HetzelMedia gleich richtig los: ,,Die Malerei ist es, die den Menschen die Welt erklärt. Die Malerei ist es, die den Menschen die Welt begreifbar macht.

Wenn man einen Sonnenuntergang sieht, wird man an den britischen Maler William Turner denken. Caspar David Friedrich hat uns gelehrt, Landschaften zu begreifen und Sehnsüchte zu erleben. Das Bild von einem Baum im Winter ist unlöslich mit Edvard Munch verbunden. Ohne die Kunst, ohne die Malerei hätten die Menschen die Welt mit all ihren Aspekten nie so sehen können wie sie ist.‘‘

Über seinen eigenen Stil will Markus Lüpertz keine konkreten Angaben machen. Er will sich nicht eintüten lassen. ,,Jedes meiner Bilder ist einzigartig und steht für sich selbst. Ich will mich nicht kategorisieren lassen. Aber ich stehe in der Tradition der europäischen Malerei. Ich unterscheide mich klar vom konkreten Malen der Amerikaner á la Roy Lichtenstein. Jedes meiner Bilder ist singulär. Es ist immer ein Ausdruck von Sehnsucht, von Verzweiflung, es beinhaltet immer auch das Risiko, zu versagen und das Streben nach Vollendung. In Europas Kunst und in Europas Malerei gehört das Scheitern und das Unvollendete mit zur Kunst. Es ist Teil der Kunst. Das zeigt schon ein Torso in der Antike. Rodin hat den Torso zur Vollendung gebracht. Deshalb hat mein Herkules auch nur einen Arm.‘‘

Herkules Blaubart

,,Sein Herkules‘‘ das ist eine riesige 16 Meter hohe Skulptur, die Markus Lüpertz auf einer alten Zeche in Gelsenkirchen platziert hat. Sein Herkules - mit blauen Bart, knallroten Lippen und nur einem Arm - ist sein Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhrgebiet in 2010 gewesen. 35 Tonnen wiegt der Herkules mit dem überdimensionierten Kopf. ,,Der Kopf des Herkules musste so groß ausfallen, weil Herkules auf einem Zechenturm steht. Wäre er kleiner gewesen, hätte man den Kopf von unten zu Herkules hinaufblickend gar nicht mehr erkennen können,‘‘ erläutert Lüpertz das Konzept seiner Herkules-Statue. Er hat sie in drei Teilen erstellt und die Teile erst am Ende zusammengefügt. ,,Anders hätte ich diese Herkules-Skulptur nie in dieser Größe machen können,‘‘ sagt er.


Sehr kritisch äußert sich Lüpertz, der von 1988 bis 2009 Rektor und Professor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf war, über die Rezeption der Malerei heutzutage. ,,Mit der Malerei ist es in gewisser Weise wie mit der Literatur und mit den Büchern. Es werden zwar immer mehr Bücher gekauft, aber es wird immer weniger gelesen.‘‘ Mit Gemälden sei das ähnlich. ,,Früher hängte man sich einen röhrenden Hirsch ins Wohnzimmer, heute ein Foto von Marilyn Monroe oder man schaut sich Videos an. Der visuelle Terror ist total. Die Unterhaltungsindustrie ist die völlige Verblödung. Die Technik ist dabei, sich selbst zu besiegen.‘‘


Markus Lüpertz, der sich selbst wie eine Ikone der Malerei stilisiert und sich optisch durch einen Kleidungsstil in Szene setzt auf den Karl Lagerfeld noch neidisch werden könnte, ist der Harry Mulisch der Malerei. Harry Mulisch (,,Die Entdeckung des Himmels‘‘) und Markus Lüpertz (Neo-Expressionist) haben viel gemein. Mulisch, der am 30. Oktober 2010 im Alter von 83 Jahren verstarb, pflegte zu sagen: ,,Ich bin unsterblich und der größte Schriftsteller,‘‘ Markus Lüpertz sagt: ,,Ich bin ein Genie.‘‘


Beide haben sie Recht. Beide sind sie Genies. Der eine als Schriftsteller, der andere als Maler und Bildhauer. Beide behaupten sie auch: ,,Als Künstler wird man geboren.‘‘

Der Maler und der Fußball

Aber anders als Harry Mulisch ist Markus Lüpertz beispielsweise ein großer Fußball-Fan und war er - bevor er durch einen Autounfall sich das rechte Knie verletzte - ein begeisterter Fußballspieler. ,,Ich bin Schalke-Fan, aber auch Mitglied beim KSC in Karlsruhe,‘‘ sagt Lüpertz stolz. Denn ,,Karlsruhe war für mich die erste Freiheit. Diese Stadt und die Möglichkeiten, die sie mir gab, knipsten das Licht an und sie wärmte mich mit ihrem südlichen Charme,‘‘ stellte Lüpertz 1988 fest, als er dort im lieblichen Karlsruhe lebte.
Harry Mulisch dagegen mochte den Fußball nicht so sehr. Er war ein Fan von ,,Blondie‘‘ und der Popmusik. Und anstatt in Karlsruhe war Mulisch lieber in Wien, wenn er nicht in Amsterdam im Grand Café des Hotel Americain weilte.

Die Kunst von Markus Lüpertz im Museum von der Fabrik Würth ist noch bis 27. September bei Würth in Den Bosch zu sehen.

Im Juni  2011 wird das Haager Gemeendemuseum eine große Übersichtsausstellung der Werke von Markus Lüpertz präsentieren. ,,Das wird ein Highlight‘‘ freut sich der Künstler heute schon auf die Ausstellung.

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Über die Würth-Gruppe, Hauptsitz Künzelsau, Baden-Württemberg

Die Würth-Gruppe ist heute der weltweit größte Hersteller und Anbieter von Montage- und Befestigungstechnik und -Technologie. Sie bietet mehr als 100.000 Produkte an, beschäftigt weltweit 62.433 Mitarbeiter und konnte in 2010 den Umsatz um 14,2 % auf 8,6 Mrd. Euro steigern. Das Betriebsergebnis für 2010 wird nach Angaben des Konzerns in 2010 zwischen 380 Mio. und 400 Mio. Euro liegen. Die Kunstsammlung von Firmenchef Reinhold Würth ist eine der bedeutendsten in ganz Europa.

Links:

www.wuerth.com

www.wurth.nl; www.wurth.nl/kunstlocatie

Sonntags von 11-17.00 Uhr, Eintritt frei. 

Adresse: Het Sterrenbeel 35, Den Bosch

 

23.1.2011

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 27. Januar 2011 um 18:45 Uhr  
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