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Markus Lüpertz in Den Haag

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,,Die Unterhaltungsindustrie ist die völlige Verblödung‘‘

Markus Lüpertz in Den Haag

HM-Gespräch mit dem großen deutschen Maler und Bildhauer

Von HELMUT HETZEL

Markus Lüpertz hält Hof. Der deutsche ,,Malerfürst‘‘ wie ihn manche nennen, ist in Den Haag anlässlich der Eröffnung der großen Übersichtsausstellung über sein Werk im renommierten Gemeentemuseum (GEM). Titel der Ausstellung: ,,Im göttlichen Licht.‘‘

Der Andrang zur Ausstellungseröffnung ist riesig. Alles, was in der Haager und der niederländischen Kunstszene Rang und Namen hat, gibt dem 70jährigen Markus Lüpertz die Ehre. Der genießt es sichtlich als Museumsdirektor Benno Tempel ihn als ,,den König der Maler‘‘ bezeichnet oder als RWE-Chef Jürgen Großmann Lüpertz als einen ,,ganz Großen, als einen Genie‘‘ darstellt. RWE sponsert die Lüpertz-Retrospektive. Als Genie sieht sich Lüpertz übrigens auch selbst. Er meint, die Künstler haben gemeinsam mit Gott die Welt erschaffen.


Oder: ,,Die Künstler sind die Creme de la Creme. Alles andere sind Zwerge.‘‘ Und: ,,Es gibt nur ein Leben und das kann man nur als Künstler leben.‘‘

watch: 

http://www.youtube.com/watch?v=Y0qP726neCU

Mit solch kernigen Aussagen schafft sich Markus Lüpertz nicht nur Freunde. Sein Selbstbewußtsein und seine Art, von manchem als arrogant verkannt, machen Lüpertz umstritten. Aber Kunst und Künstler müssen provozieren, zum Nachdenken anregen. Reflexionen auslösen. In Salzburg mögen manche Lüpertz nicht, weil er eine angeblich eine ,,obzöne‘‘ Skulptur von Mozart schuf. In Deutschland legt sich Lüpertz gern mit bestimmten Medien an, besonders mit denen, die Lüpertz ,,kategorisieren‘‘ und ,,eintüten,‘‘ ihn in eine Schublade stecken wollen. Dabei ist der große Maler und Bildhauer im persönlichen Gespräch ein sehr charmanter, ideenreicher, liebenswürdiger und humorvoller Mensch. Markus Lüpertz ist überhaupt nicht arrogant.

 

Wir fragen ihn: Was ist Malerei? Antwort: ,,Die Malerei ist es, die den Menschen die Welt erklärt. Die Malerei ist es, die den Menschen die Welt begreifbar macht. Wenn man einen Sonnenuntergang sieht, wird man an den britischen Maler William Turner denken. Caspar David Friedrich hat uns gelehrt, Landschaften zu begreifen und Sehnsüchte zu erleben. Das Bild von einem Baum im Winter ist unlöslich mit Edvard Munch verbunden. Ohne die Kunst, ohne die Malerei hätten die Menschen die Welt mit all ihren Aspekten nie so sehen können wie sie ist.‘‘

Über seinen eigenen Stil will Markus Lüpertz keine konkreten Angaben machen. Er will sich nicht eintüten lassen. ,,Jedes meiner Bilder ist einzigartig und steht für sich selbst. Ich will mich nicht kategorisieren lassen. Aber ich stehe in der Tradition der europäischen Malerei. Ich unterscheide mich klar vom konkreten Malen der Amerikaner á la Roy Lichtenstein. Jedes meiner Bilder ist singulär. Es ist immer ein Ausdruck von Sehnsucht, von Verzweiflung, es beinhaltet immer auch das Risiko, zu versagen und das Streben nach Vollendung. In Europas Kunst und in Europas Malerei gehört das Scheitern und das Unvollendete mit zur Kunst. Es ist Teil der Kunst. Das zeigt schon ein Torso in der Antike. Rodin hat den Torso zur Vollendung gebracht. Deshalb hat mein Herkules auch nur einen Arm.‘‘

,,Sein Herkules‘‘ das ist eine riesige 16 Meter hohe Skulptur, die Markus Lüpertz auf einer alten Zeche in Gelsenkirchen platziert hat. Sein Herkules - mit blauen Bart, knallroten Lippen und nur einem Arm - ist sein Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhrgebiet in 2010 gewesen. 35 Tonnen wiegt der Herkules mit dem überdimensionierten Kopf. ,,Der Kopf des Herkules musste so groß ausfallen, weil Herkules auf einem Zechenturm steht. Wäre er kleiner gewesen, hätte man den Kopf von unten zu Herkules hinaufblickend gar nicht mehr erkennen können,‘‘ erläutert Lüpertz das Konzept seiner Herkules-Statue. Er hat sie in drei Teilen erstellt und die Teile erst am Ende zusammengefügt. ,,Anders hätte ich diese Herkules-Skulptur nie in dieser Größe machen können,‘‘ sagt er.

Das Genie

Sehr kritisch äußert sich Lüpertz, der von 1988 bis 2009 Rektor und Professor an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf war, über die Rezeption der Malerei heutzutage. ,,Mit der Malerei ist es in gewisser Weise wie mit der Literatur und mit den Büchern. Es werden zwar immer mehr Bücher gekauft, aber es wird immer weniger gelesen.‘‘ Mit Gemälden sei das ähnlich. ,,Früher hängte man sich einen röhrenden Hirsch ins Wohnzimmer, heute ein Foto von Marilyn Monroe oder man schaut sich Videos an. Der visuelle Terror ist total. Die Unterhaltungsindustrie ist die völlige Verblödung. Die Technik ist dabei, sich selbst zu besiegen.‘‘
Markus Lüpertz, der sich selbst wie eine Ikone der Malerei stilisiert und sich optisch durch einen Kleidungsstil in Szene setzt auf den Karl Lagerfeld noch neidisch werden könnte, ist der Harry Mulisch der Malerei. Harry Mulisch (,,Die Entdeckung des Himmels‘‘) und Markus Lüpertz (Neo-Expressionist) haben viel gemein. Mulisch, der am 30. Oktober 2010 im Alter von 83 Jahren verstarb, pflegte zu sagen: ,,Ich bin unsterblich und der größte Schriftsteller,‘‘ Markus Lüpertz sagt: ,,Ich bin ein Genie.‘‘

Beide haben sie Recht. Beide sind sie Genies. Der eine als Schriftsteller, der andere als Maler und Bildhauer. Beide behaupten sie auch: ,,Als Künstler wird man geboren. Man ist es oder man ist es nicht.‘‘

Markus Lüpertz: ,,Im göttlichen Licht -
In´t God‘lijk licht, In Divine Light‘‘ Den Haag, Gemeentemuseum bis 2. Oktober
2011.

LINK:

www.gemeentemuseum.nl

 

27.6.2011

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 28. Juni 2011 um 08:04 Uhr  
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