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In memorial Johannes Heesters

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heesters_mit_zylinderBye bye Jopie

Johannes Heesters - Der Robbie Williams seiner Zeit

Rückblick: Sein letzter Auftritt in seiner Geburtsstadt Amersfoort am 17.2.2008
Von HELMUT HETZEL

Amersfoort. Die Spannung steigt. Theaterintendant Pieter Erkelens eröffnet das Konzert. Seine Frau Simone Rethel kündigt ihn. Dann steht er plötzlich da auf der Bühne. Schwarzer Frack und Fliege. Elegant mit dem Rücken ans Klavier gelehnt. Er wirkt mit seinem noch vollen grauen Haar fast wie ein 70jähriger. Doch der Mann, der da steht, ist 104 Jahre alt. Sein Name. Johannes Heesters. ,,Ich bin so glücklich, dass ich hier bin,‘‘ lautet der erste Satz an seine niederländischen Landsleute vor denen die Showlegende Heesters zum ersten Mal seit 44 Jahren wieder auftritt. ,,Wir auch, wir auch, Jopie,‘‘ ruft ein Theatergast zurück. Dann erhebt sich das Publikum im ausverkauften Theater De Flint in Amersfoort von den Stühlen. Minutenlange stehende Ovationen für den verlorenen Sohn, der 74 Jahre nachdem er die Niederlande verließ, in seine Geburtsstadt Amersfoort zurückgekehrt ist. Ein Herzenswunsch geht für Heesters in Erfüllung. 104 Jahre alt, fast blind, aber eine Stimme wie ein Dreißigjähriger. Jopie Heesters genießt seinen Auftritt und singt als erstes, als Hommage an seine Landsleute und sein Heimatland: ,,O, mijn mooie Westertoren,‘‘ ein Ode an die Westerkerk in Amsterdam, jener Stätte in der der große Maler Rembrandt seine letzte Ruhe fand. Heesters singt seinen letzten großen Hit, den er 1934 in Holland hatte, bevor er über Wien nach Berlin ging, um dort seine Karriere fortzusetzen, im Amsterdamer Dialekt, so wie damals 1934. Für einen Moment scheint es, als stehe die Zeit still. Das Publikum ist begeistert. Wieder stehende Ovationen für Heesters, Bravo, Bravo-Rufe und immer wieder: Jopie, Jopie, Jopie!

Die Stimmung steigt

So ist die Stimmung im Theater De Flint während des historischen Konzerts der Operettenlegende Johannes Heestes in seiner Heimat. Draußen vor dem Theater ist sie ganz anders. Bei strahlendem Sonnenschein und eisiger Kälte demonstrieren kurz vor Konzertbeginn einige Dutzend Niederländer gegen den Auftritt von Johannes Heesters in seiner Heimatstadt. ,,Er ist ein Opportunist. Er hat nur an seine Karriere und ans Geldverdienen gedacht, als er für die Nazis sang,‘‘ empört sich Jordy Klabbers. Er ist 21 Jahre jung, nennt sich ,,Antifaschist‘‘ und ,,Kommunist.‘‘ Während Klabbers, das zu uns sagt, steigt Jacobus Meijer von seinem Fahrrad. ,,Das ist doch Unsinn, was Du da erzählst. Heesters war kein Nazi. Er ist vor dem Krieg nach Deutschland gegangen, das kann man ihm doch heute nicht vorwerfen. Ich mag seine Musik,‘‘ empört sich der 57jährige Meijer. ,,Ich bin wie Heesters in Amersfoort geboren und ich bin froh, dass er wieder da ist. Er hat nichts verbrochen.‘‘

Jopie und die Nazi-Zeit

Die Anzahl der Medienvertreter vor dem Theater De Flint, die vor allem aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Belgien kommen, sind um ein Vielfaches zahlreicher als die Zahl der Demonstranten, die auf Plakaten Heesters als ,,Nazi-Sänger‘‘ darstellen und seine Anwesenheit im KZ Dachau 1941 immer wieder lautstark rügen. ,,Er hätte sich für seine Auftritte in Deutschland während der Nazi-Zeit bei uns entschuldigen müssen,‘‘ fordert Afko Schoonbeek (71), einer der Demonstranten.


Doch das hört der 104jährige Johannes Heesters drinnen im Theater nicht, wo er zusammen mit seiner 58jährigen Frau Simone seine triumphale Rückkehr auf die Bühne in seiner Heimatstadt zu einem großen, zu einem historischen Theaterereignis macht. Lieder aus dem ,,Bettelstudent‘‘ und der ,,Lustigen Witwe‘‘ folgen. Dann der Höhepunkt. Für seine Frau Simone, die er auf Niederländisch ,,Poppie‘‘ nennt, intoniert der 104jährige: ,,Durch Dich wird die Welt erst schön,‘‘ um dann mit typisch niederländischem Humor hinzuzufügen: ,,Für Dich singe ich das Lied gratis. Das Publikum hat dafür bezahlt.‘‘ Überhaupt sprüht Heesters vor Humor und Sarkasmus. Gut, er ist ein Profi, er stand fast sein ganzes Leben lang auf der Bühne, aber was er tut, das wirkt. Als er beispielsweise ganz elegant wie ein Zwanzigjähriger das rechte über das linke Bein schlägt, als er seinen Pianisten Uli Kofler höflich bittet: ,,Hast Du ein Bier für mich ?‘‘ Und als seine Frau Simone ab und zu - für jeden hörbar und beabsichtigt - als Stichwortgeberin für den nächsten Song fungiert.
,,Poppie, wie geht's weiter?‘‘ fragt Heesters dann.
Das Finale. Johannes Heesters stimmt eine der schönsten holländischen Schnulzen an, ein Lied das fast jeder Niederländer auswendig kennt: ,,O mooie molen....‘‘ (Oh, schöne Windmühle, wo meine Liebste wohnt).
Das ganze Publikum singt mit. Heesters ist sichtlich glücklich. Der 104jährige denkt aber noch lange nicht ans Aufhören, obwohl das Konzert schon zwei Stunden dauert. Die Showlegende wird noch von der Stadt Amersfoort geehrt. Heesters prophezeit: ,,Ich komme zurück, spätestens in sechs Jahren zu meinem 110. Geburtstag.

Auf ein Gläschen mit Jopie


Zu diesem Zeitpunkt gibt es längst keine Demonstranten mehr vor dem Theater de Flint. Jopie Heesters aber ist erleichtert und glücklich. ,,Das war ein wunderschöner Tag für mich. Wir gehen jetzt schlafen,‘‘ sagt er im Gespräch mit HM HetzelMedia nach Ablauf des Konzerts. Da zeigt die Uhr halb Drei am Morgen. ,,Ich trinke jetzt vor dem Einschlafen noch ein Gläschen Genever. Das hab‘ ich mir verdient,‘‘ sagt er zum Abschied und lässt sich von seiner Familie nach draußen begleiten. Ein Kollege von der Zeitung ,,Algemeen Dablad‘‘ meint: ,,Eigentlich ist Johannes Heesters der Robbie Williams seiner Zeit gewesen.‘‘

PS: Der Auftritt in Amersfoort war am 17.2.2008

Hier das Video dazu:

http://www.youtube.com/watch?v=E_Nsg3oLZgk

 

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HELMUT HETZEL
Benelux-Correspondent

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 25. Dezember 2011 um 09:52 Uhr  
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