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Leben auf dem Wasser

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Leben auf und mit dem Wasser in Holland

Leben auf und mit dem Wasser

Auf Amphibienhäusern den Fluten im Klimawandel trotzen

Architekt Koen Olthuis entwirft sie

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der Dubai Turm dreht sich im Video wie eine elegante Tänzerin um die eigene Achse. Er gleicht einer zu Glas und Stahl geronnen Ballerina, die schwebend auf dem Wasser Pirouetten tanzt. Bei Nacht sieht der Dubai Turm aus wie eine schlanke Raumfähre, die jederzeit von ihrer breiten auf dem Wasser liegenden Startrampe abheben und sofort in den Weltraum fliegen könnte. ,,Aber Turm ist stabil und fest verankert. Er treibt und dreht sich dennoch zugleich. Aber er hat nur eine Schwankungsbreite von höchstens zwei Grad, dank seiner breiten und sechs Meter tief ins Wasser ragenden Fundierung,‘‘ erklärt der niederländische Architekt Koen Olthuis im Gespräch mit HM-HetzelMedia das von ihm entworfene Bauwerk, das demnächst im Ölstaat Dubai realisiert werden soll. Genau dort, wo die spektakulären Wohninseln im Wasser ,,Die Palme‘‘ und ,,Die Welt‘‘ bereits gebaut werden und teilweise schon fertig gestellt sind.

 

Schwimmende Häuser - in Dubai - made in Holland


Der Dubai-Turm ist nur eines der außergewöhnlichen Bauwerke auf dem Wasser, die der 38jährige niederländische Architekt konzipiert hat. Viele seiner schwimmenden Häuser sind bereits Realität. Wie etwa das Haus der Familie Lubeek in Amsterdam. In dieser Villa auf dem Wasser mit eigener Terrasse in sonnenverwöhnter Südwestlage und Panoramablick
merkt man nicht, dass man eigentlich schwimmt. Wie kommt das? Antwort Olthuis: ,,Das Haus hat eine treibende aber fest verankerte Fundierung. Die kann aus Aluminium, Beton oder Kunststoff sein. Mit diesem Fundierungen kann man auf dem Wasser genau so bauen und wohnen wie auf dem Land, ohne dass man seekrank wird. Denn die Häuser, die auf solchen Fundierungen stehen, sind stabil, aber dennoch beweglich. Beweglich? ,,Ja beweglich,‘‘ sagt Olthuis, ,,weil sie auf Federsystemen an Stahlpfählen entlang auf und abgleiten können. So haben sie einen Bewegungsspielraum nach oben und unten, der zwischen zehn Zentimetern und sechs Metern liegen kann,‘‘ erläuterte der Wasserbau-Architekt das Prinzip der Amphibien-Häuser. Die Häuser stehen also quasi in einer mit Pfählen festverankerten aber schwimmenden Badewanne.

 

stadt auf dem wasser

Stadt auf dem Wasser


Denn das ist das geniale an diesen schwimmenden Wohnungen und dem Badewannenprinzip: Die Häuser sind überschwemmungsresistent. Wenn die große Flut oder das Hochwasser kommt, ist man in diesen Gebäuden sicher, weil sie sich dem steigenden Wasserspiegel einfach anpassen können und mit ihm nach oben treiben wie eine Nussschale auf dem Wasser. Die elektrischen oder sanitären Leitungssysteme sind daher aus beweglichem PVC, so dass es keine Rohrbrüche geben kann, wenn die Häuser sich wie ein Lift bei steigendem Wasserspiegel nach oben und bei sinkendem nach unten bewegen. Die PVC-Systeme passen sich den Höhenveränderungen an. ,,Es ist möglich, ganze Wohnsiedlungen als schwimmende Oasen auf dem Wasser zu bauen, so wie das beispielsweise in Dubai schon im großen Stil geschieht,‘‘ betont der Wasser-Architekt Olthuis, der sein Architekturbüro bezeichnenderweise ,,Waterstudio‘‘ (Wasserstudio) nennt. Viele Menschen wären in ihren Häusern in New Orleans sicher gewesen als der Hurrikan Katarina kam, die Deiche brachen und eine Sturmflut die Stadt heimsuchte, meint Olthuis. Daher ist es nicht verwunderlich, das der Niederländer Anfragen nicht nur aus Dubai, sondern aus aller Welt erhält. Aus den USA, Kanada, aus Ungarn, Deutschland, aus Großbritannien und sogar vom libyschen Staatschef Gadhafi. ,,Die Briten beispielsweise wollen, dass ich für sie schwimmende Parkhäuser in London baue.‘‘ Dass ausgerechnet ein niederländischer Architekt, die Idee von den schwimmenden Häusern, Siedlungen und Wohntürmen erfunden hat und sie nun international vermarktet, das ist kein Zufall. Wie kein anderes Land in der Welt, haben die Niederländer seit Jahrhunderten mit dem Wasser gelebt und auch immer versucht es zu beherrschen. Die Hauptstadt Amsterdam beispielsweise ist auf Hundertausenden von Holzpfählen in einem ehemaligen Moorgebiet errichtet worden. Das neue an der Wasserbau-Philosophie von Olthuis ist folgendes: Früher kämpfte man in den Niederlanden gegen das Wasser, etwa um sich vor den Fluten der Nordsee zu schützen, die große Teile des Landes im Jahr 1953 heimsuchten. Der Südwesten der fast zur Hälfte unter dem Meeresspiegel liegenden Niederlande wurde nach einer Sturmflug damals überflutet, weil die Deiche brachen. 1853 Menschen starben. Die riesigen Deltawerke zum Küstenschutz wurden daraufhin gebaut. Nun heißt das neue Paradigma, dem auch Olthuis huldigt: Leben mit und leben auf dem Wasser, anstatt Kampf gegen das Wasser. Möglich wird die Realisierung dieser neuen Wasserbauphilosophie durch neue Technologien, die schwimmende und überschwemmungsresistente Bauweisen erst möglich machen. Waren früher die Wohnboote der letzte Schrei und eine attraktive Alternative zum Haus an einer idyllischen Gracht, so sind nun die Amphibien-Domizile gefragt. Darauf kann man auch seinen eigenen kleinen Garten und seine eigene Garage haben.

 

 

Wohnen auf dem Wasser

Wohnen auf dem Wasser

 Die Niederlande sind auf diesem Gebiet Avantgarde.
Im Maasdelta bei Maasbommel ganz in der Nähe von Nimwegen beispielsweise gibt es bereits eine komplette Amphibienhäuser-Siedlung, die von der darauf spezialisierten Firma Dura Vermeer gebaut wurde. Auch sie haben einen ,,Dehnungskoeffizienten von 5,5 Metern,‘‘ sagt Dura Vermeer-Manager Gleen Metselaar. Das heißt, auch sie können mit dem Wasserspiegel der Maas, falls die wieder Hochwasser führen sollte, um bis zu fünfeinhalb Meter nach oben steigen, so dass deren Bewohner auch bei Hochwasser trockene Füße haben.

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Angesichts des Klimawandels, der den Meeresspiegel nach Angaben des Weltklimarats IPCC in den kommenden 100 Jahren voraussichtlich um bis zu 30 Zentimeter ansteigen lässt - für die holländische Küste sind sogar 80 Zentimeter prognostiziert - sind Amphibienhäuser und -Siedlungen die richtige Antwort auf die wohl unvermeidlich kommenden Überschwemmungen und Fluten. ,,Denn wenn der Meeresspiegel so stark steigt, dann werden die Flüsse ihre Wassermassen auch nicht mehr so einfach ins Meer transportieren können und wird auch deren Pegel ansteigen,‘‘ gibt der Wasserarchitekt Olthuis zu bedenken. Im Klartext: Die einst begradigten und durch Schleusen gebändigten Flüsse brauchen dann wieder mehr Bewegungsfreiheit, sprich Fluss-Auen, die regelmäßig überflutet werden können, so wie sie früher auch bestanden.
Aber in diese Auen kann man natürlich schwimmende Häuser bauen, so dass trotzdem noch genug Platz zum Wohnen bleibt. Das alte Pfahlbausystem, wie es schon  in Deutschland die Franken am Main praktizierten, erlebt dann auf moderne Weise eine Renaissance. Nur sind die neuen schwimmenden und nach dem Badewannenprinzip gebauten Häuser nach oben hin mit dem Wasserspiegel beweglich und im Boden fest verankert zugleich. Ein sicherer Wohnhafen eben, ähnlich wie eine Ölförderplattform auf hoher See.

 

Wasser ist Leben

Wasser ist Leben - Leben gibt es nur mit Wasser

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 04. März 2009 um 00:30 Uhr  
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