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Die Nachtwache - Meisterwerk mit Mythos

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nachtwacht

,,Wer war dick, wer war reich?‘‘

Letzte Geheimnisse um Rembrandt´s ,,Nachtwache‘‘ gelüftet

Von HELMUT HETZEL

Amsterdam. ,,Mein Forschungsansatz war einfach. Ich habe danach gefragt: Wer war dick und wer war reich in Amsterdam zwischen 1640 und 1642? Und ich wurde fündig,‘‘ sagt der niederländische Historiker Bas Dudok van Heel. Der Fund, den dieser Forschungsansatz ans Tageslicht brachte, ist sensationell. Denn der Historiker van Heel hat die letzten noch bestehenden Geheimnisse, die sich um das Meisterwerk von Rembrandt ,,Die Nachtwache‘‘ ranken, gelüftet. Dank seines einfachen aber im Prinzip genialen Forschungsansatzes.

So fand van Heel beispielsweise heraus, dass der Hauptmann auf dem einzigartigen Gemälde von Rembrandt nicht ,,Banning Cocq‘‘ hieß, sondern ,,Banninck Cocq‘‘ und dass dieser aus einer ganz anderen reichen Amsterdamer Familie stammte als der Hauptmann, der den Vornamen ,,Banning‘‘ trug.
Dank der peniblen Forschungen des Amsterdamer Historikers wissen wir nun endlich auch, wer der Trommler ist, der in der ,,Nachtwache‘‘ am rechten Bildrand zu sehen ist. Sein Name: Jacob Jorisz. Er war zwar nicht reich aber durchaus wohlgenährt,‘‘ berichtet der Historiker van Heel in der Amsterdamer Zeitung ,,de Volkskrant.‘‘ ,,Aber die hundert Gulden Honorar an Rembrandt, die die anderen auf dem Gemälde abgebildeten Mitglieder der reichen Schützengilde an den Maler als Honorar damals zahlten, die konnte der Trommler Jacob Jorisz keinesfalls aufbringen. Er verdiente seinerzeit nämlich nur 40 Gulden im Jahr.‘‘

Neu ist auch, dass Rembrandt van Rijn schon im Jahr 1640 an seinem Meisterwerk ,,Die Nachtwache‘‘ gearbeitet hat. Das Gemälde zeigt nämlich auch einen bisher unbekannten Schützen namens Jan Clasen, so fand der Historiker van Heel weiter heraus. ,,Aber Jan Clasen starb bereits im Jahr 1640. Das heißt also, Rembrandt muss schon 1640 mit der Arbeit an der Nachtwache begonnen haben.‘‘ Sie wurde übrigens im Jahr 1642 fertiggestellt und dann von dem Maler der Amsterdamer Schützengilde übergeben, die es in ihrem Schützenhaus an der Nieuwe Doelenstraat in Amsterdam aufhängte, wo das ursprünglich fünf Meter breite und 3,87 Meter hohe Gemälde bis zum Jahr 1715 hing, bevor es ins damalige Rathaus der Stadt, dem heutigen Königlichen Palast am Dam-Platz gebracht wurde.

Um es dort im damaligen Rathaus aufhängen zu können, wurde es jedoch zurechtgestutzt, weil es zu groß war und nicht in den dafür vorgesehenen Raum passte. Rembrandts Nachtwache misst seit dieser Zurechtstutzung nur noch 4,37 mal 3,63 Meter. Das sind nur noch 82 % des ursprünglichen monumentalen Gemäldes. So manches Detail ist durch dieses ,,Zurechtschneiden‘‘ verloren gegangen. Erst 1898 erkannte man die Genialität, die Rembrandt in der Nachtwache mit seinem unvergleichlichen Licht- und Schattenspiel zum Ausdruck brachte. Das Kunstwerk erhielt 1898 erstmals einen Platz in einem Amsterdamer Museum. Es ist heute das Prunkstück des Rijksmuseums der niederländischen Hauptstadt.

Wenn der Betrachter vor der ,,Nachtwache‘‘ steht, kann er sich des Eindrucks nicht entziehen, als lebten die darauf abgebildeten Personen noch. Das Bild wirkt so, als könnte Hauptmann Banninck Cocq und sein Adjutant Leutnant Willem van Ruytenburgh jederzeit aus dem Gemälde heraustreten, um den Betrachter zu begrüßen. Das macht die Faszination dieses Meisterwerkes von Rembrandt aus. Seine Figuren leben.
Das Gemälde ist übrigens Teil eines ganzes Ensembles von Kunstwerken dieser Art, die damals über Schützengilden in den Niederlanden entstanden. Denn die Schützengilden jener Zeit, die meist aus den honorigen und reichen Bürgern einer Stadt bestanden, wollten sich auf Gemälden verewigen lassen, wie heutzutage mit einem Foto oder einem Video.

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                                                             Maria de Medici


Die Schützengilden dienten als Bürgerwache und Bürgerwehr zum Schutz der Städte, hatten aber auch repräsentative Funktionen wie heute eine Ehrenkompagnie von Soldaten bei Staatsbesuchen. Als Maria de Medici 1638 in Amsterdam ihre Aufwartung machte, da bildete die honorige Schützengilde, die Rembrandt auf seiner Nachtwache abbildete und verewigte, das Ehrenspalier für die reiche in Florenz geborene Dame, die damals auch Königin von Frankreich war.

 

Die Nachtwache von Rembrandt - Meisterwerk mit Mythos

 

Die Nachtwache

 

anno 1642

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 14. März 2009 um 07:04 Uhr  
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