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Antwerpen - und Bier

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antwerpen-bollekeAntwerpen: Das ,,Bolleke‘‘ bekommt Konkurrenz vom ,,Handje‘‘

Neues Bierglas

Von HELMUT HETZEL

Antwerpen. In manchen Antwerpener Kneipen braucht man nur den Finger zu heben. Dann weiß der Wirt Bescheid. Er serviert im Nu ein frischgezapftes ,,Bolleke,‘‘ ein schäumendes dunkles Vollbier aus der Brauerei De Koninck. Es kommt in einem halbrunden großen Tulpenglas daher - und schmeckt schon nach dem ersten Schluck nach mehr. Am besten im Café ,,de Engel,‘‘ und dann daneben zu fortgeschrittener Stunde im ,,de Bengel.‘‘
,,Een Bolleke,‘‘ es gehört zu Antwerpen wie der Hafen, die Schelde und die in einem Biersud zubereiteten Muscheln mit Pommes. Seit 1833 wird das ,,Bolleke‘‘ so gezapft. Es ist eine Antwerpener Institution, ganz so wie das vom Köbes in Köln servierte Kölsch, das Alt in Düsseldorf oder das Weißbier in Bayern.
Doch ausgerechnet jetzt zum 175jährigen Jubiläum der Brauerei De Koninck, macht sich das Familienunternehmen selbst Konkurrenz und sorgt für große Unruhe unter den Antwerpener Biertrinkern. De Koninck kündigte nämlich an, zum Jubiläum ein neues Bierglas auf den Markt zu bringen und die unzähligen Antwerpener Kneipen, wo fast nur das ,,Bolleke‘‘ gezapft wird, damit auszustatten.
Das ,,Bolleke‘‘ bekommt Konkurrenz vom ,,Handje.‘‘
Das neue ,,Handje,‘‘ ist schlanker und ranker, kennt keine richtigen Rundungen, liegt aber besser in der Hand - daher der Kosename: Handje - und hält den Schaum länger als das bauchig-runde Bolleke-Glas. Der wichtigste Vorteil des ,,Handje‘‘ liegt nach Angaben der Brauerei aber darin, dass die Wirte es schneller füllen können, es sich beim Abwasch stapeln lässt und weniger zerbrechlich ist als das runde ,,Bolleke.‘‘ Das ,,Handje‘‘ soll den Bierabsatz der De Koninck-Brauerei weiter ankurbeln.
Weil De Koninck-Direktor Bernard van den Bogaert seine Kunden und Biertrinker kennt, beeilte er sich zu versichern: ,,Das Bolleke bleibt. Es bekommt mit dem Handje nur eine zweite, eine andere Form.‘‘
Hintergrund der Jubiläums-Offensive der kleinen Antwerpener Familienbrauerei aber ist ein ganz anderer. Die Konkurrenz auf dem nach dem Pro-Kopf-Verbrauch der Bevölkerung gemessenen Bierkonsum hinter Tschechien und Deutschland drittgrößten Biertrinkerland in Europa wird immer härter. Die europäischen Bier-Riesen wollen sich in Belgien duellieren.

Antwerpen - Bierkultur


Antwerpen - Bierkultur

 

Der belgische Platzhirsch Inbev, früher Interbrew, (Beck's Bier, Stella Artois, Leffe),  jetzt nach der Übernahme des US-Brauers Anheuser Bush unter Anheuser Busch/Inbev  firmierend, der in den vergangenen Jahren nach der Fusion mit der brasilianischen Ambev-Brauerei mit einem jährlichen Bierausstoß von rund 230 Millionen Hektolitern und einem Jahresumsatz von 14,4 Mrd. Euro zur größten Brauerei der Welt aufgestiegen ist, bläst nämlich zur Offensive. Nicht nur aber auch in Belgien. Denn im Bierland Belgien bahnt sich ein regelrechter Bierkrieg der europäischen Braugiganten Inbev und Heineken an. Die holländische Heineken (Bierausstoß: 140 Mio. Hektoliter, Umsatz 12,6 Mrd. Euro) wird nämlich nach der Übernahme von großen Teilen der britischen Scottish & Newcastle (S&N) so ganz nebenbei über die belgische Tochter von S&N, Alken Maes, zum zweitgrößten belgischen Brauer. Es droht ein Kampf um Marktanteile zwischen den in Belgien dominierenden Biermarken Stella Artois (Inbev) und Maes (künftig Heineken).
Dagegen muss sich der Nischenspieler De Koninck wappnen. Nicht nur mit einem neuen Bierglas, sondern auch mit einer neuen Bierflasche, die im Laufe des Jahres von De Koninck anlässlich des 175jährigen Firmenjubiläums lanciert werden soll. Ihr Name: ,,Gusto 1833.‘‘ Das Design der ,,Gusto 1833‘‘ soll so elegant sein, dass diese Bierflasche im Restaurant in ästhetischer Hinsicht auch gegen eine Flasche Wein oder gar Champagner auf einem gut gedeckten Tisch optisch bestehen kann. Trotzdem sind und bleiben viele Antwerpener Biertrinker und ,,Bolleke-Liebhaber‘‘ angesichts der Marketing-Offensive der kleinen De Koninck-Brauerei in Verwirrung. Denn sie wissen nicht, was in Zukunft passiert, wenn sie den Finger in ihrer Stammkneipe heben. Kommt dann ein ,,Bolleke,‘‘ ein ,,Handje‘‘ oder gar eine Flasche ,,Gusto 1833‘‘?
Sicher ist nur: Die beiden Bier-Giganten Inbev und Heineken verfolgen haargenau, wie die Offensive von De Koninck beim belgischen Biertrinker ankommen wird. Ihr Nachteil: Sie haben kein ,,Bolleke‘‘ im Sortiment.
5.3.2008

Bolleke

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 13. April 2010 um 14:47 Uhr  
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