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Sparsamer prosten

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knig-albert-beatrix-sparenGekrönte Häupter müssen den Gürtel enger schnallen

Brüsseler Regierung will Apanagen kürzen - nach Vorbild der Niederlande

Von HELMUT HETZEL

Brüssel. Die Wirtschaftskrise droht nun auch einige Mitglieder des belgischen Königshauses von Sachsen Coburg zu erreichen. Sie werden zwar nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten, müssen aber den Gürtel künftig enger schnallen, weil die belgische Regierung sparen muss. Daher bastelt die amtierende Brüsseler Regierung unter Ministerpräsident Herman van Rompuy an einem Sparplan, der auch die königliche Familie betreffen wird. Ziel ist es, dass künftig jährlich rund 10 % der Ausgaben für das belgische Königshaus eingespart werden sollen. Die Apanagen für einige Mitglieder der königliche Familie sollen gekürzt oder ganz gestrichen werden.
Aus diesem Grund setzte die belgische Regierung eine ,,Sparkommission‘‘ ein. Sie soll Verschläge ausarbeiten, wer was und wie viel aus dem Hause Sachsen Coburg künftig vom Staat beziehen darf. ,,Nach niederländischem Vorbild muss nun endlich mehr Transparenz in den Etat für das Königshaus kommen. Die Zuwendungen müssen sich auf den König, die Königin, die Königin-Witwe und das Thronfolger-Paar beschränken,‘‘ fordert der christdemokratische belgische Senator Pol Van Den Driessche in einem Beitrag für die Antwerpener Zeitung ,,De Morgen.‘‘
Er ist auch stellvertretener Vorsitzender der Regierungskommission, die den Etat für das königliche Haus in Belgien neu regeln soll. Mit seinem Hinweis, dass dies nach ,,niederländischem Vorbild‘‘ geschehen solle, spielt er darauf an, dass in den Niederlanden für das Königshaus Oranien-Nassau gerade eine Neuregelung für deren Etat vorgestellt wurde. Die sieht vor, dass dieser Etat einzig und allein vom Ministerpräsidenten zu verantworten ist und dass die Ausgaben der königlichen Familie von Oranien-Nassau gedeckelt werden. ,,Sollten sie den Etat überschreiten, dann hat aber nicht Königin Beatrix, dann hat der Ministerpräsident ein Problem. Er muss dann beim Finanzminister in die Beichte,‘‘ scherzte Gerrit Zalm, der ehemalige niederländische Finanzminister, der in Holland als Vorsitzender einer ähnlichen Kommission, wie sie derzeit in Belgien tagt, die Neuregelung zur Finanzierung des Königshauses der Niederlande ausarbeitete.

Ganz oben auf der Strich-, sprich: Spar-Liste der belgischen Regierung stehen: Königin-Witwe Fabiola, Prinzessin Astrid und Prinz Laurent.

An ihrem Lebensabend muss sich die 80jährige Witwe von Königin Baudouin, Fabiola, die sich immer noch Königin nennen darf, möglicherweise noch mit dem Gedanken vertraut machen, dass ihre Jahresapanage gekürzt werden könnte. Fabiola erhält seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 1993 eine jährliche Staatspension von 1,502 Millionen Euro. Das meiste Geld gibt sie für ihre eigene Hofhaltung, also für Personalkosten, aus. Ihr Reiseetat beträgt jährlich rund 80.000 Euro. Für ihre Gesundheit wendet die Königinnen-Witwe mit der unverkennbaren hoch toupierten unverkennbaren Fabiola-Frisur rund 25.000 Euro im Jahr auf. Etwas teurer ist die Unterhaltung ihres Fuhrparks. Der kostet 29.000 Euro jährlich. ,,Wir sind uns in der Kommission einig darüber, dass das viel zu viel ist,‘‘ lässt Pol Van Den Driessche wissen.

Finanziell einschränken soll sich demnach auch Prinzessin Astrid. Astrid ist das zweite Kind des amtierenden Königs Albert II. und Königin Paola. Sie erhält derzeit jährlich 333.000 Euro vom Staat auf ihr Konto überwiesen. Da Prinzessin Astrid aber in der offiziellen Thronfolge inzwischen auf Platz sechs zurückgefallen ist, hinter ihrem älteren Bruder Kronprinz Philippe und dessen vier Kindern, brauche sie eigentlich überhaupt keine staatliche Apanage mehr, meint die Kommission, die die Neubesoldung der Sachsen Coburgs nun ausarbeiten soll.

Gleiches gelte für ihren jüngeren Bruder Prinz Laurent, dem die belgische Regierung jährlich 319.000 Euro aufs Konto überweist. Er ist der jüngste Sohn von König Albert II. und Königin Paola.
Das ist eine schlechte Nachricht für Prinz Laurent. Er kommt nämlich jetzt schon nicht mit dem Geld aus, das ihm der Staat auf sein Konto überweist. Laurent ist ein Big Spender und ein Fan von schnellen und teuren Autos - wie sein Vater früher. Er könnte in Zahlungsschwierigkeiten kommen, wenn seine Apanage drastisch gekürzt werden sollte oder wenn sie gar ganz und gar gestrichen würde.

König Albert II. und seine Gattin Paola bleiben natürlich auf der Gehaltsliste der Regierung stehen. Ganz oben natürlich. Schließlich repräsentieren sie das Königreich der Flamen und Wallonen. König Albert II. ist Staatsoberhaupt. Beide können auch weiterhin über ein persönliches Einkommen in Höhe von rund 10 Millionen Euro jährlich disponieren, das ihnen die Brüsseler Regierung überweisen lässt. Darüber gibt es Konsens.
Kein Grund zum Sparen besteht auch für Kronprinz Philippe und dessen Gattin Prinzessin Mathilde. (siehe Foto). Ihr Konto wird vom Staat alle zwölf Monate mit einem Betrag von 961.000 Euro aufgebessert.

kronprinz-philippe-mathilde

 

Damit soll es dem belgischen Königshaus jetzt ähnlich ergehen wie dem niederländischen. Ihre Ausgaben sollen beschränkt, transparenter und limitiert werden.

Königin Beatrix der Niederlande und die Oranjes sollen im kommenden Jahr per Saldo ,,nur‘‘ maximal 110 Mio. Euro kosten dürfen. Ein ähnliches Fixum als Obergrenze der königlichen Ausgaben muss in Belgien aber erst noch gefunden werden. Es könnte in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Königshäuser müssen schließlich etwas hermachen. Sie haben einen hohen Show- und Unterhaltungseffekt für das breite Publikum. Dafür braucht man eben Geld, viel Geld.

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. März 2009 um 19:34 Uhr  
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