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Iran wieder salonfähig -Erfolg für Maxime Verhagen

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Haager Afghanistan-Konferenz

 macht Iran wieder salonfähig

Iraner und Amerikaner reden wieder miteinander und essen in Den Haag gemeinsam Seezunge

Erfolgreiche Afghanistan-Konferenz für die Niederlande und  für den Haager Außenminister Maxime Verhagen

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Bob ist gesprächig. Anders als die meisten seiner 3500 Polizeikollegen, die rund um das Haager World Forum, wo die Konferenz über die Zukunft Afghanistans stattfindet, für Sicherheit sorgen, ist der junge Polizist zu einem kleinen Plausch bereit. ,,Alles läuft wie im Drehbuch. Dazu noch das tolle Wetter. Da haben wir auch noch mit eingeplant und extra für die Konferenz bestellt,‘‘ scherzt Bob. ,,Hillary Clinton wird gute Erinnerungen an Den Haag haben.‘‘ Das wird die US-Außenministerin bestimmt. Denn von ihrer Royal Suite im feudalen Haager Kurhaus-Hotel des Badeorts Scheveningen konnte Hillary am Dienstag Morgen, als sie aufwachte und aus dem Fenster sah, einen traumhaften Blick genießen. Wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein, klare Luft, sanfter Wellenschlag der Nordsee, gigantische Weitsicht - im Süden bis zum anderen Haager Badeort Kijkduin, im Norden bis hinauf nach Noordwijk an Zee. Einfach traumhaft. Trotzdem: Hillary Clinton war eine der ersten, die auf der Haager Afghanistan Konferenz eintraf. Nur der einzige Erzfeind der USA, der Iran und dessen Vertreter Mohammed Mahdi Akhounzahdeh und natürlich der Gastgaber, der niederländische Außenminister Maxime Verhagen, waren noch eher da als die US-Außenministerin. Zu den ,,Early Birds‘‘ den Frühaufstehern, die schon eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Kongressbeginn um 10.45 Uhr am gestrigen Dienstag in dem wie eine Burg gesicherten Kongresszentrum World Forum in Den Haag eintrafen, gehörte auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. Sie hatte schon für 9.30 Uhr zur Pressekonferenz geladen und kündigte weitere zusätzliche 60 Mio. Euro an Finanzhilfe für den Wiederaufbau Afghanistans an. Bis 2013 will die EU-Kommission per Saldo 700 Mio. Euro in Afghanistan investieren. Nicht zuletzt auch für den guten Ablauf der Wahlen am Hindukusch, die für August dieses Jahres geplant sind.
Als letzter der vielen prominenten Gäste auf dem Haager Afghanistan-Gipfel und noch nach UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon arrivierte der afghanische Staatspräsident Hamid Karzai. Begrüßt wurde er wie alle anderen Teilnehmer der 72 Länder an dieser Mammut-Konferenz vom niederländischen Außenminister Maxime Verhagen. Der fragte den Präsidenten direkt: ,,Haben Sie gut geschlafen?‘‘ Antwort: ,,Ja hervorragend.‘‘ Kein Wunder Präsident Hamid Karzai ruhte in königlichen Gemächern. Denn Königin Beatrix hatte ihm den Gästetrakt ihres Schlosses Noordeinde zur Verfügung gestellt. Nur Staatsoberhäupter, die in den Niederlanden zu Gast sind, dürfen dort nächtigen. Dafür musste sich Präsident Karzei aber mit einer Aussicht auf einen wunderschönen Stadtpark begnügen und hatte nicht die am gestrigen Dienstag wirklich blau schimmernde Nordsee vor Augen, die Hillary Clinton sah, als sie in ihrer königlichen Suite im Kurhaus-Hotel wach wurde.
Bevor die Karawanen der Luxuslimousinen - insgesamt waren es 300 - das Haager Kongresszentrum erreichten konnten, fuhren sie über eine autofreie Stadtautobahn, die für den gesamten übrigen Verkehr gesperrt war. Kurz vor der Ankunft passierten sie das Flaggenmeer. Denn alle Nationalflaggen aller 72 Teilnehmerländer - und natürlich auch die der EU und der Nato - waren vor dem World Forum aufgezogen worden. Allerdings hingen sie etwas schlapp am Mast. Das angenehme wolkenlose Frühlingswetter hatte für die Fahnen nämlich keine Brise parat, um sie flattern zu lassen.
Kongress-Auftakt. Die üblichen Ansprachen. Der Haager Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, der zum ,,Schulterschluss mit den afghanischen Volk aufruft. Hamid Karzai, der sich namens des afghanischen Volkes für die Hilfe, die die internationale Völkergemeinschaft seinem Land gönnt, bedankt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, der Karzai weitere Hilfe der UNO verspricht, ebenso wie das EU-Außenkommissarin Ferrero Waldner und US-Außenministerin Hillary Clinton es bereits angekündigt hatten. Denn auch die USA pumpen weitere 40 Mio. Dollar (30 Mio. Euro) in den Wiederaufbau Afghanistans. Hillary hatte aber noch einen anderen bemerkenswerten Vorschlag: Aussöhnung mit den Taliban und Wiederherstellung ihrer Ehre, wenn sie sich vom islamistischen Terrorismus lossagen. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier schlug vor, ein Luftraum-Überwachungssystem für Afghanistan aufzubauen, um die Taliban leichter aufspüren zu können.
Nach den vielen Reden bekommt man Appetit. Und wo könnte man eine Konferenz erfolgreicher fortsetzen als während eines guten Essens in einem informelleren Rahmen. Sternekoch Erik van Loo und sein Team tischten auf. Vorspeise: Gegarte Artischockenherzen mit Flusskrebsen und pochiertem Ei. Hauptgericht: Mit Seebarsch gefüllte Seezungenfilets, eine Crème aus Erbsen auf Beurre blanc Sauce. Dann der Nachtisch:
Yoghurteis, gefüllt mit Ananas-Gelee auf einer weichen Mango-Créme. ,,Es war schon ganz schön schwer, für so viele Gäste aus so vielen unterschiedlichen Ländern und mit so vielen verschiedenen Geschmäckern ein Menü zusammen zu stellen,‘‘ sagt Starkoch Erik van Loo (zwei Michelin-Sterne). ,,Aber ich glaube, in meinem Menü war für jeden etwas Passendes dabei.‘‘
So tafelten zum ersten Mal seit 39 Jahren Regierungsvertreter der USA und des Iran in Den Haag wieder gemeinsam an einem Tisch. Eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass das Mullah-Regime in Teheran von der einstigen Administration des früheren US-Präsidenten George W. Bush noch bis vor wenigen Monaten als der ,,Achse des Bösen‘‘ zugehörig bezeichnet wurde, und die Mullahs in Teheran in den USA und in George W. Bush ,,den großen Satan‘‘ sahen. Auch für eine Versöhnung können solche Konferenzen gut sein. Bei gutem Essen geht das leichter, weiß man auch in Den Haag.

 

Drogenanbau in Afghanistan

                                                Drogenanbau in Afghanistan

Iran wieder salonfähig

Am Rande der Afghanistan-Konferenz in Den Haag haben die USA und der Iran erstmals seit 30 Jahren wieder direkte diplomatische Gespräche geführt.

Richard Holbrooke, der Sonderbeauftragte von US-Präsident Barack Obama für Afghanistan und Pakistan, traf sich mit dem iranischen Außenamtsstaatssekretär Mahdi Akhounzadeh in Den Haag. Das Gespräch sei in einer ,,freundlichen, fast herzlichen Atmosphäre verlaufen,‘‘ erklärte die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton. Man habe abgesprochen ,,in Zukunft in Kontakt zu bleiben.‘‘ Der Iran habe ferner erklärt, er wolle den Aufbau in Afghanistan voll unterstützen, im Kampf gegen den Drogenanbau und -handel in Afghanistan ebenfalls mitwirken. Der iranische Staatssekretär Mahdi Akhounzadeh erklärte jedoch auch, dass ausländische Truppen in Afghanistan ,,keinen Frieden bringen können.‘‘
Die Teilnahme Irans am Afghanistan-Gipfel in Den Haag wurde von fast allen 71 anderen Regierungsdelegationen positiv bewertet. Die USA und der Iran leben quasi seit der Besetzung der amerikanischen Botschaft 1979 in Teheran auf ,,Kriegsfuß‘‘ und hatten keine Kontakte mehr auf Regierungsebene. Nun hat der neue US-Präsident Barack Obama durch seien Video-Botschaft dem Iran ,,die Hand gereicht,‘‘ wie EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte, und der Iran ist offenbar bereit, diese Geste positiv zu beantworten.
Das ist eine politische Sensation, wenn man bedenkt, dass das Mullah-Regime in Teheran von der einstigen US-Administration des früheren US-Präsidenten George W. Bush noch bis vor wenigen Monaten als der ,,Achse des Bösen‘‘ zugehörig bezeichnet wurde, und die Mullahs in Teheran in den USA und in George W. Bush persönlich ,,den großen Satan‘‘ sahen.

Fazit: Schon allein deshalb ist der Haager Afghanistan-Gipfel ein großer Erfolg geworden und erhält durch die neue Annäherung zwischen den USA und dem Iran eine historische Dimension.


31.3.2009

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 01. April 2009 um 18:29 Uhr  
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