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König Albert II., Belgien und das Imageproblem seines Landes

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König Albert II. hat

Probleme:

 

Belgien im Länder-

Ranking  ganz unten


Von HELMUT HETZEL

 

Brüssel/Den Haag. Die Szene ist unvergessen. Als kürzlich in Den Haag zwischen Luxemburg, Belgien und den Niederlanden im historischen Rittersaal des Haager Parlaments der neue Benelux-Vertrag unterschrieben wurde, brauchte Belgien dafür besonders lange. Während für Luxemburg der amtierende Premier Jean-Claude Juncker seine Unterschrift unter den Vertrag setzte und für die Niederlande der Haager Regierungschef Jan Peter Balkenende unterschrieb, machen für Belgien gleich vier Ministerpräsidenten ihre Aufwartung zur Vertragsunterzeichnung. Der Ministerpräsident der nationalen belgischen Regierung, sowie die drei Ministerpräsidenten der Regionen Flandern, Wallonien und der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Das Publikum verfolgte den Akt schmunzelnd. Er machte auf eindrucksvolle und Art und Weise deutlich, dass es Belgien als zentral geleiteten Einheitsstaat de facto gar nicht mehr gibt.


Das manifestierte sich gerade auf andere Weise wieder in New York. Denn dort eröffnete der niederländisch-sprachige Landesteil Belgiens, Flandern, ein eigene Niederlassung: Das Flandern Haus. Es ist so etwas wie eine eigene flämische Botschaft in New York. Bei der Eröffnung fiel der Name Belgien überhaupt nicht.

Was die Kenner des Königreichs der Flamen und Wallonen schon lange wissen, das schlägt sich jetzt auch klar und deutlich in einigen neuen Untersuchungen im internationalen Länder-Ranking nieder. Belgien rutscht immer weiter ab. Das Land hat ein riesiges Image-Problem, weil es als solches kaum mehr richtig wahrgenommen wird. Vor allem zwei aktuelle US-Länderstudien sprechen eine klare Sprache. Die ,,Eastwestcommunications‘‘ setzten Belgien in ihrer Länder-Rangliste auf Platz 152 von rund 200 Ländern. Belgien rangiert damit gerade noch vor Ländern wie Libyen, Liberia, Eritrea und Rumänien.

 

König Albert II. von Belgien

 

König Albert II. von Belgien

Er hat viele Probleme in seinem Königreich


Auch in dem von Simon Anholt GFK Roper Nations Brands Index fiel das Land im innereuropäischen Ranking von Platz 16 auf jetzt Platz 20 zurück, während Deutschland in dieser Rangliste vor Frankreich und Großbritannien nach wie vor Spitzenreiter ist.


,,Wer wie wir so stark internationalisiert ist, muss besonders darauf achten, im Ausland entsprechend gut wahrgenommen zu werden,‘‘ warnt die flämische Zeitung ,,De Standaard.‘‘ Sie fürchtet, dass sich das immer weiter verschlechternde Image Belgiens im Ausland bald auch in sinkenden Auslandsinvestitionen niederschlagen könnte. Die Zeitung zitiert das Marketingbüro ,,Master Marketeers,‘‘ das ein nationales ,,Nation Branding Project‘‘ fordert, was wohl auch nicht ganz uneigennützig ist. Schließlich könnte dieses Marketingbüro die nationale PR-Kampagne für Belgien natürlich entwerfen, ausführen und damit viel Geld verdienen.
Aber auch andere Dinge haben dem belgischen Image und Ansehen im Ausland in der Vergangenheit schweren Schaden zugefügt. Vor allem die Gräueltaten des Kinderschänders und -mörders Marc Dutroux sind unvergessen. Aber auch das ständige politische Hick-Hack zwischen frankophonen Wallonen und niederländisch-sprachigen Flamen können viele jenseits der belgischen Grenze kaum noch nachvollziehen. Das Land wurde durch diesen Dauerstreit, auch als Sprachenstreit bekannt, in den vergangenen zwei Jahren rund 15 Monate politisch lahmgelegt. Es drohte unregierbar zu werden.


Schwer erschüttert wurde das Königreich Belgien auch durch die Fortis-Krise. Der Beinahe-Bankrott des Fortis-Finanzkonzerns, der nur durch eine Teilverstaatlichung und den Weiterverkauf großer Teile von Fortis an die französische BNP Paribas abgewendet werden konnte, war ein finanzieller Gau für das Land. Er richtete einen Schaden von mehr als 40 Mrd. Euro an und trägt nun wesentlich mit dazu bei, dass sich die Staatsverschuldung Belgien wieder in Richtung auf 100 % des Bruttoinlandsprodukts zu bewegt. Zehntausende belgische Haushalte verloren durch das Fortis-Fiasko ein Vermögen, viele ihre gesamte Pension. Auch das war weder für das Selbstbild der Belgier im Inneren noch für deren Image im Ausland zuträglich.
7.5.2009

Kronprinz Philippe und Prinzessin Mathilde

 

Werden sie je König und Königinn von Belgien?

Kronprinz Philippe und Prinzessin Mathilde

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 08. Mai 2009 um 12:09 Uhr  
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