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Nato: Jaap de Hoop Scheffer will Zusammenarbeit mit EU

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Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer:

 

 

EU und Nato müssen enger zusammenarbeiten

 

Deutscher Beitrag in Afghanistan ist ausreichend

Zum Ritter geschlagen


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Jaap de Hoop Scheffer ist auf Abschiedstour. Ende des Monats gibt der 61jährige Niederländer die politische Führung der Nato als Generalsekretär an den Dänen Rasmussen ab. Doch die letzten Tage im Amt nutzt der niederländische Nato-Chef noch, um für neue strategische Ziele zu werben, die während seiner fünfjährigen unterm Strich sehr erfolgreichen Amtszeit nicht realisiert werden konnten. ,,Es steht nicht in meinem Manuskript, aber ich sage es trotzdem. Ich halte eine engere strategische Verbindung zwischen der Nato und der Europäischen Union (EU) für geboten und absolut notwendig,‘‘ sagt de Hoop Scheffer während eines Vortrags in Den Haag, dem mehr als 200 geladene Gäste der ,,Atlantischen Kommission‘‘ gespannt lauschen. Eine engere Kooperation zwischen der Nato und der EU sei ein Gebot der Stunde. Es gehe doch nicht an, dass man etwa im Persischen Golf nicht gemeinsam gegen die dort agierenden somalischen Piraten auftrete. ,,Die Nato und die EU sind natürliche Verbündete. Solana und ich haben es leider nicht geschafft, eine engere Zusammenarbeit zustande zu bringen,‘‘ gibt der Nato-Generalsekretär selbstkritisch zu Protokoll. ,,Aber diese enge Zusammenarbeit zwischen EU und Nato muss in Zukunft zustande kommen.‘‘


Wie de Hoop Scheffer auch, so wird auch der Spanier Javier Solana noch in diesem Herbst seine Funktion als EU-Außenamtskommissar zur Verfügung stellen. In diplomatischen Kreisen in Den Haag wird gemunkelt, dass Jaap de Hoop Scheffer der Nachfolger von Solana werden könnte. Möglicherweise dann sogar als erster richtiger EU-Außenminister. Vorausgesetzt der Lissabon-Vertrag der EU wird wie geplant Anfang des nächsten Jahres in Kraft treten, nachdem die Iren darüber in einem neuerlichen Referendum positiv abgestimmt haben und in Prag und Warschau die beiden zaudernden Staatspräsidenten unterschrieben haben sowie Deutschland die juristischen Probleme mit dem Lissabon-Vertragswerkk gelöst haben.
Dass die Nato und die EU sich so schwer tun, enger zu kooperieren, das liegt vor allem am nach wie vor ungelösten Zypern-Problem und den daraus resultierenden Interessengegensätzen zwischen Griechenland und der Türkei.

Zur Lage in Afghanistan sagt Jaap de Hoop Scheffer: ,,Ich glaube, dass wir auf absehbare Zeit dort noch anwesend sein müssen.‘‘ Wie lange? - ,,Das weiß ich nicht genau. Aber es wird noch dauern.‘‘

 Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer

 

Die Kombination der militärischen Präsenz und des Kampfes gegen die Taliban in Afghanistan sowie die gleichzeitig erfolgende zivilen Hilfe für die Bevölkerung sei die richtige Strategie, betont der Nato-Generalsekretär. Aber er warnt auch: ,,Ich fürchte, wir stehen vor intensiven Kämpfen dort. Mein Respekt gilt allen Soldaten, die bereit sind, in Afghanistan und anderswo ihr Leben zu riskieren.‘‘ Nach Meinung des Nato-Generalsekretärs ist auch der Einsatz der deutschen Bundeswehr am Hindukusch vorbildlich. ,,Die Deutschen machen in Afghanistan einen guten Job. Wir brauchen sie dort,‘‘ sagt Jaap de Hoop Scheffer im Gespräch mit HM HetzelMedia in Den Haag nach Ablauf seiner Vorlesung. Die Nato ist derzeit mit rund 62.000 Soldaten in Afghanistan präsent, hält der Nato-Generalsekretär fest. ,,Vielleicht müssen wir noch mehr Truppen schicken.‘‘

Zur gespannten Lage in China in der nordwestlichen Provinz Xinjiang will sich de Hoop Scheffer nicht äußern. Nur soviel. ,,Die Nato muss den Dialog mit China führen und ihn in Zukunft intensivieren.‘‘

Jaap de Hoop Scheffer kann auf eine erfolgreiche Amtszeit als Nato-Generalsekretär zurückblicken. Unter seiner Leitung wurde die westliche Verteidigungsallianz von 19 auf 28 Mitgliedstaaten erweitert. Sein wichtigster Erfolg aber war zweifellos, dass Frankreich sich wieder voll und ganz in die Nato-Strukturen integrierte und dass die Nato nach der Georgien-Krise mit Moskau nun wieder im Gespräch ist.

Nato - Ausbreitung gen Osten

 

Der Nato-Generalsekretär macht einen entspannten Eindruck während seines Auftritts in Den Haag. Schließlich besucht er sein Heimatland, die Niederlande. Dort erwartete ihn auch noch eine noble Auszeichnung. Der Haager Ministerpräsident Jan Peter Balkenende schlägt Jaap de Hoop Scheffer im Namen von Königin Beatrix zum ,,Ritter im Orden von Oranien-Nassau.‘‘ Es ist die höchste Auszeichnung, die die Niederlande zu vergeben haben. Jaap de Hoop Scheffer erhielt sie wie vor ihm nur ganz wenige, darunter der ehemalige deutsche Kanzler Helmut Kohl und der belgische König Albert II.


Jaap de Hoop Scheffer bedankt sich mit einem Scherz. ,,In den letzten fünf Jahren hieß es im Nato-Hauptquartier in Brüssel immer: Sir, ihr Flugzeug wartet. Wenn ich bald wieder in Den Haag wohnen werde, dann fürchte ich, dass man mir ständig sagt: Aber hier dürfen Sie ihr Fahrrad nicht abstellen.‘‘ De Hoop Scheffer ist ein begeisterter Radfahrer und ein begnadeter Diplomat

7.7.2009

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. November 2009 um 22:39 Uhr  
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