Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Niederländischer Geheimdienst bespitzelt Journalisten

E-Mail Drucken PDF

Spion

Holland: Journalisten bespitzelt und abgehört

 

Zeitung ,,de Telegraaf''  und Journalistenverbände verklagen

den niederländischen Staat


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. In den Niederlanden kommt es zu einer harten juristischen Auseinandersetzung zwischen der freien Presse und dem Staat. Denn die Amsterdamer Zeitung ,,de Telegraaf,‘‘ der niederländische Journalistenverband NVJ und die Vereinigung der Chefredakteure haben gemeinsam Klage gegen die Haager Regierung, namentlich gegen Innenministerin Guusje ter Horst eingereicht, weil mindestens vier Journalisten in den vergangenen Monaten vom holländischen Geheimdienst Aivd bespitzelt worden sind und deren Telefone nach Meinung der klagenden Journalisten widerrechtlich abgehört wurden. Sie verlangen, dass die Bespitzelung sofort eingestellt wird.

Die Journalisten, die ins Visier des Geheimdienstes gerieten, sind der Chefredakteur des ,,Telegraaf‘‘ Sjuul Paradijs sowie dessen Kollegen Jolande van der Graaf, Joost de Haas und Hans Kuitert. Frau van der Graaf wurde monatelang vom Geheimdienst Aivd bespitzelt. Ihre Wohnung wurde durchsucht, ihre Computer wurden in Beschlag genommen. Ihr Telefon und auch die Telefonante ihrer drei Kollegen werden vom Aivd seit Januar dieses Jahres abgehört.
Hintergrund der Affäre in der es nach Meinung des ,Telegraaf‘‘ und der Journalistenverbände um eine ,,erhebliche Einschränkung der Pressefreiheit geht,‘‘ ist unter anderem ein Bericht des ,,Telegraaf‘‘ vom 28. März dieses Jahres. Darin enthüllt die Autorin Jolande van der Graaf, dass der Aivd vor Beginn des Irak-Krieges die Haager Regierung falsch informiert habe. Der niederländische Geheimdienst Aivd soll demnach Berichte des amerikanischen Geheimdienstes CIA kritiklos und ohne weitere Überprüfung übernommen, einfach übersetzt und an die Haager Regierung weiter geleitet haben. In diesen CIA-Berichten, die der Aivd an die Regierung weiterleitete, war immer davon die Rede, dass der Irak und dessen damaliger Diktator Saddam Hussein über chemische Massenvernichtungswaffen verfüge. Inzwischen aber ist bekannt, dass dies nicht der Fall war und haben sogar die Amerikaner die Fehlinformation des CIA zugegeben. Die falschen Aivd-Informationen führten dazu, dass sich die Haager Regierung zu Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 auf die Seite der USA und Großbritanniens schlug, während damals beispielsweise Deutschland, Frankreich, aber auch Belgien und Luxemburg gegen den Irak-Krieg waren. Die Niederlande schickten zeitweilig sogar eigene Truppen in den Irak.

 

de Telegraaf


Die Enthüllungen des ,,Telegraaf‘‘ verletzen nach Ansicht von Innenministerin Guusje ter Horst die Sicherheitsinteressen der Niederlande. Denn die Informationen seien geheim gewesen. Die Bespitzelung der Journalisten fand statt, weil man herausfinden wollte, wer deren Informanten waren.
,,Die Enthüllung war und ist im Interesse der Öffentlichkeit, denn sie zeigt uns, warum und wie die Niederlande in den Irak-Krieg verstrickt wurden,‘‘ meint dagegen Huub Elzerman, der Vorsitzende der Journalistenvereinigung NVJ. ,,Das Abhören von Journalisten durch den Geheimdienst ist eine grobe Schändung des Zeugnisverweigerungsrechts, einer der zentralen Voraussetzungen für die Pressefreiheit.‘‘

Es geht in dem anstehenden juristischen Streit zwischen der Presse und dem niederländischen Staat also zum einen um die Pressefreiheit und das Zeugnisverweigerungsrecht des Journalisten und zum anderen darum, ob durch die Publikation des ,,Telegraaf‘‘ tatsächlich die Sicherheitsinteressen der Niederlande verletzt wurden oder nicht.


Der ,,Fall-Telegraaf‘‘ in den Niederlanden hat übrigens auffallend viele Parallelen zur ,,Spiegel-Affäre‘‘ in der Bundesrepublik Deutschland als der damalige deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Strauß den damaligen Spiegel-Chefredakteur Rudolf Augstein 1962 beschuldigte, Augstein und der ,,Spiegel‘‘ hätten durch die Publikation des Artikels ,,Bedingt abwehrbereit‘‘ Geheimnisverrat begangen.

Nach Informationen des ,,Telegraaf‘‘ gab Innenministerin Guusje ter Horst persönlich Zustimmung zu der Bespitzelungsaktion gegen die Telegraaf-Journalisten. Justizminister Ernst Hirsch Ballin sei davon in Kenntnis gesetzt worden.
Zahlreiche Politiker und Abgeordnete unterstützen inzwischen die Klage des ,,Telegraaf‘‘ und der Journalistenverbände gegen die Haager Regierung. ,,Es nimmt langsam absurde Formen an, wie Journalisten in diesem Land überwacht werden,‘‘ kritisiert der liberale Abgeordnete Fred Teeven die Bespitzelungsaktion des Aivd. Teevens Stimme zählt. Er war, bevor er in die Politik wechselte, Generalstaatsanwalt der Niederlande.

Die für die Bespitzelungsaktion der Journalisten verantwortliche Haager Innenministerin ter Horst gibt sich jedoch ganz cool und wirkt ein wenig abgehoben. Sie ließ dem ,,Telegraaf‘‘ lediglich mitteilen: ,,Wir sehen uns vor Gericht.‘‘
Die mit Spannung erwartete Verhandlung in diesem das Grundrecht der Pressefreiheit tangierenden Fall soll am 16. Juli stattfinden.

 

NVJ en Genootschap van Hoofdredacteuren steunen De Telegraaf


woensdag 8 juli 2009 | De NVJ en het Genootschap van Hoofdredacteuren treden op als mede-eisers in het kort geding dat De Telegraaf heeft aangespannen tegen de Staat der Nederlanden. In het geding eist De Telegraaf dat de Algemene Inlichtingen en Informatiedienst onmiddellijk ophoudt met afluisteren van journalisten en doorzoeken van woningen, en dat alle bemachtigde materiaal wordt teruggegeven. Het geding dient op donderdag16 juli voor de voorzieningenrechter in Amsterdam.


NVJ en Genootschap treden op als mede-eisers omdat beide organisaties het afluisteren van journalisten als een grove schending beschouwen van het recht op bescherming van bronnen. De NVJ had gedacht dat de AIVD van zijn fouten in het verleden zou hebben geleerd. Eerder werd de AIVD al scherp terechtgewezen in de kwestie Mos/De Haas in 2006, twee De Telegraaf-journalisten die werden gegijzeld om hen te dwingen de identiteit van hun bronnen prijs te geven. Het afluisteren ondermijnt het voor journalisten cruciale belang van betrouwbaarheid en onafhankelijkheid, aldus de NVJ. Journalisten zijn voor hun werk afhankelijk van bronnen, die misstanden, zonodig anoniem, onder de aandacht van het publiek willen brengen. Die bronnen moeten er zeker van kunnen zijn, dat door de journalist toegezegde vertrouwelijkheid aangaande de identiteit van de bron ook kan worden waargemaakt.


Als in een land geaccepteerd wordt dat de AIVD en justitie doelbewust journalisten gaan volgen en afluisteren om hun eigen falen te maskeren is dat een directe bedreiging van de rechtsstaat.

Links:

 www.telegraaf.nl

www.nvj.nl

 

 


9.7.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 12. Juli 2009 um 09:09 Uhr  
feed image