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,,Churchill hat sich in seinem Grab umgedreht‘‘

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Britisches Einreiseverbot macht Geert Wilders in Holland zum Helden/Italienischer Preis für Wilders

Von HELMUT HETZEL

Den Haag/London. ,,Einer unserer Parlamentarier wird in einem befreundeten EU-Land einfach verhaftet und in eine Gefängniszelle abgeführt.'' Dieser Satz, mit dem die Amsterdamer Zeitung ,,De Telegraaf‘‘ das beschreibt, was dem niederländischen Abgeordneten Geert Wilders am Donnerstag nach seiner Ankunft auf dem Londoner Flughafen Heathrow widerfahren ist, beschreibt die Stimmung in den Niederlanden treffend. Landauf, landab ist man empört darüber, dass die britische Regierung dem Islamkritiker Wilders die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert hat, obwohl dieser eine Einladung von Mitgliedern des britischen Oberhauses in der Tasche hatte. ,,Winston Churchill hat sich bestimmt in seinem Grab umgedreht,‘‘ mit diesen Worten kritisiert der liberale Abgeordnete Hans van Baalen das britische Einreiseverbot für Wilders. Das Haager Parlament forderte am Freitag Regierungschef Jan Peter Balkenende und den Haager Außenminister Maxime Verhagen dazu auf, einen scharfen Protest in London gegen das Einreiseverbot hören zu lassen. Balkenende müsse den ,,Fall Wilders‘‘ zur Chefsache machen und deswegen persönlich bei seinem Amtskollegen Gordon Brown vorstellig werden. Verhagen solle den britischen Botschafter in Den Haag ins Außenministerium einbestellen und ihm eine offizielle Protestnote übergeben, verlangen die Haager Volksvertreter.

Wilders selbst fordert: ,,Premier Balkenende muss jetzt alles tun, dass das gegen mich verhängte Einreiseverbot für Großbritannien aufgehoben wird.‘‘ Den britischen Premier Gordon Brown bezeichnet Wilders als ,,Feigling, der vor dem Islam in die Knie gegangen ist.‘‘

Geert Wilders war direkt nach seiner Ankunft in London am Donnerstag Nachmittag zwei Stunden lang auf dem Flughafen Heathrow in einen kahlen Raum, der nur einen Stuhl und einen Tisch hatte und mit grellem Neonlicht ausgestrahlt war, festgehalten wurde, bevor die britischen Sicherheitsbeamten ihn wieder in ein Flugzeug zurück nach Amsterdam setzten. ,,Sie sind verhaftet, geben Sie uns ihren Pass, Sie erhalten keine Einreisegenehmigung.‘‘ Das waren die Worte mit denen der niederländische Abgeordnete von britischen Sicherheitsbeamten in London auf dem Flughafen empfangen worden war. Dann wurde er abgeführt.

Sein islamkritischer Film ,,Fitna‘‘ über den Wilders eigentlich in London mit britischen Parlamentariern debattieren wollte, wurde im britischen Oberhaus aber trotzdem gezeigt - aber ohne Anwesenheit des Autors und Produzenten und vor kleinem Publikum. Nur 25 britische Abgeordnete waren erschienen.

Doch das britische Einreiseverbot, das vom Londoner Innenministerium gegen Geert Wilders verhängt worden war, verschaffte dem niederländischen Rechtspopulisten eine einmalige Chance und bot ihm ein Bühne, die dieser bereitwillig nutzte, um für sich und seine islamkritischen Ideen zu werben. Die Briten haben ihm damit einen Bärendienst erwiesen und wurden somit zu unfreiwilligen Wahlhelfern des Geert Wilders und seiner Partei für die Freiheit PVV, die derzeit neun der insgesamt 150 Abgeordnetenmandate im Haager Parlament stellt.

Mehr noch. Bei Wilders häufen sich jetzt die Einladungen, um andere EU-Länder zu besuchen. Die rechte italienische Regierungspartei Lega Nord kündigte schon an, sie wolle den niederländischen Islamkritiker nach Rom einladen, damit er dort seinen Film ,,Fitna‘‘ zeigen könne. Auch im italienischen Parlament.

Ohnehin wird Geert Wilders am 19. Februar in Rom geehrt. Er erhält dort den ,,Premio Oriana Fallaci‘‘ den Freiheitspreis, der den Namen der bekannten und großen italienischen Journalistin und Autorin Oriana Fallaci trägt. Sie hatte kurz vor ihrem Tod ein aufrüttelndes Pamphlet gegen die drohende Islamisierung Europas geschrieben, das für viel Aufsehen sorgte. Wilders könnte seinen Auftritt in Rom nutzen, um die britische Regierung wegen deren Einreiseverbots erneut scharf anzugreifen. Es mag zynisch klingen. Aber eigentlich sollte Wilders den politisch überkorrekten und ängstlichen Beamten im britischen Innenministerium dankbar sein. Ihre Kurzsichtigkeit hat dem Niederländer mit seiner Mozartfrisur noch weiter aufgewertet und nun voll ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gestellt.

Geert Wilders ist auf dem internationalen Parkett nun wohl bekannter als Hollands Premier Jan Peter Balkenende.

Dank der kuriosen britischen ,,Lex Wilders‘‘ könnte er sein erklärtes Ziel, der neue Pim Fortuyn der Niederlande werden zu wollen, schon bald erreicht haben.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 


Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 00:35 Uhr  
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