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Eine Heldin wird 100 Jahre: Anne Frank-Freundin und Helferin Miep Gies feiert 100. Geburtstag /Gebürtige Wienerin

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Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Ich bin jetzt 100 Jahre. Das ist ein beeindruckendes Alter, das ich auch noch in recht guter Gesundheit erleben darf. Rückblickend kann ich sagen, Glück, das war der rote Draht in meinem Leben.‘‘ Das sind Worte aus dem Mund von Miep Gies, der Freundin und Helferin von Anne Frank, die am kommenden Sonntag in den Niederlanden ihren 100. Geburtstag feiern kann. Den will sie im engsten Familienkreis begehen, sich dabei aber an ihre Freundin Anne Frank erinnern. Ihr fühlt sie sich bis heute verbunden. Ihr hat sie zusammen mit anderen niederländischen Freunden vier Jahre lang in ihrem Hinterhausversteck an der Prinsengracht 263 in Amsterdam geholfen, ihr und ihrer Familie und anderen Freunden Essen und Trinken gebracht. Das ging lange gut, bis Anne Frank und die anderen im Hinterhaus der Prinsengracht 263 untergetauchten Juden kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 denunziert, gefunden und in die Konzentrationslager der Nazis deportiert wurden. Im KZ Bergen Belsen starb Anne Frank im April 1945, kurz vor der Befreiung. Ihr Tagebuch aber, das sie in ihrem Hinterhausversteck in Amsterdam geschrieben hat, das lebt bis heute weiter. Es macht Anne Frank unsterblich. Miep Gies aber war es, die das Manuskript des Tagesbuchs von Anne Frank bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges aufbewahrte und das heute weltberühmte Tagebuch der Anne Frank nach Ende des Krieges Otto Frank, dem Vater von Anne, übergab. Otto Frank hat als einziger der jüdischen Familie Frank den Holocaust überlebt.

Trotzdem sagt die 100jährgie Miep Gies heute über sich: ,,Ich bin keine Heldin, ich habe das alles nur für meine Freundin Anne getan.‘‘

Miep Gies-Santruschitz, ihr offizieller Vorname ist Hermine, wurde am 15. Februar 1909 in Wien geboren. Sie kam als elfjähriges Kind 1920 in die Niederlande, wo sie in der Familie von Laurens Nieuwenburg aufgenommen wurde.

Ab 1933 arbeitete Miep Gies als Sekretärin für Anne Franks Vater Otto Frank in dessen Im- und Exportfirma ,,Opekta.‘‘ Da die Verfolgung der Juden im durch Nazi-Deutschland besetzten Holland (1940-1945) im Jahr 1942 immer schlimmer wurde, bat Otto Frank seine Sekretärin, ihm und seiner Familie zu helfen. Miep Gies fand eine geeignete Adresse, wo die Familie Frank mit anderen Freunden untertauchen konnte. Es war das Hinterhaus an der Amsterdamer Prinsengracht 263 - heute das Anne Frank-Museum. Hier hatte Otto Frank sein Büro. Hier war die berühmte Schrankwand, die sich öffnen ließ und wo dahinter eine weitere Wohnung war.

Dort, in diesem Hinterhaus versteckten sich Otto und seine Frau Edith Frank, deren Töchter Anne, Margot, sowie die Freunde Herman und Auguste van Pels und deren Sohn Peter sowie Fritz Pfeffer, ein ebenfalls aus Deutschland stammender Jude, der wie die Familie Frank vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet war. Mehr als zwei Jahre lang versorgte Miep Gies, zusammen mit anderen niederländischen Widerständlern die im Hinterhaus untergetauchten Juden.

Heute ist das Tagebuch der Anne Frank, das von Miep Gies gerettet und dadurch für die Nachwelt erhalten blieb, eines der erschütterndsten und emotionalsten Dokumente, die das Leiden vieler Juden im Zweiten Weltkrieg dokumentiert. Das Tagebuch der Anne Frank wurde inzwischen in 70 Sprachen übersetzt hat eine millionenfache Auflage erreicht. Dafür dass Miep Gies dieses einmalige Dokument gerettet hat und sie alles in ihrer Macht stehende Tat, die Familie Frank und die andere jüdische Freunde zu retten und in ihrem Versteck mit Nahrungsmitteln zu versorgen, erhielt sie viele Auszeichnungen. Darunter sind: Die Yad Vashem Medaille, das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Ritterorden von Oranje Nassau ihres Heimatlandes Niederlande.

Miep Gies ist zweifellos eine Heldin. Sie riskierte ihr Leben, in dem sie die Familie Frank im Hinterhaus mit Lebensmitteln versorgte. Sie war und ist aber auch jemand, dem man voll und ganz vertrauen konnte. ,,Ich habe das Tagebuch von Anne bewahrt. Ich habe aber all die Zeit, als ich es bis Ende des Krieges bei mir hatte, nie darin gelesen. Ich habe es ungelesen an Otto Frank gegeben,‘‘ behauptet die Jubilarin.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 


Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 00:38 Uhr  
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