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Politik


Holland und die EU

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Helmut Hetzel

Niederlande in Anti-EU-Wahlkampf
"Ruttes Worte spiegeln einen Trend, der sich in den Niederlanden im Wahlkampf Bahn bricht."

Von Helmut Hetzel, Finanz und Wirtschaft, 8.9.2012

Der niederländische Regierungschef, Mark Rutte, lässt keinen Zweifel daran, dass er die Griechen nicht mehr in der Eurozone will.

Genug ist genug. Die VVD will nicht um jeden Preis die Eurozone zusammen­halten - das sagt nicht irgendein Provinzpolitiker oder Antieuropäer à la ­Geert Wilders, sondern Mark Rutte, der niederländische Ministerpräsident und Spitzenkandidat der liberalen VVD, der am 12. September in den Parlamentswahlen wiedergewählt werden will. Rutte nennt das überschuldete Griechenland nicht beim Namen, lässt ­jedoch keinen Zweifel daran, dass die Geduld mit den Griechen zu Ende ist und er ihren Austritt aus der Eurozone nicht bedauern würde.

Ruttes Worte spiegeln einen Trend, der sich in den Niederlanden im Wahlkampf Bahn bricht: Geschürt von den Populisten Geert Wilders von der rechtsextremen Freiheitspartei und Emile Roemer von der linksextremen Sozialistischen Partei, hat die Anti-Europa-Polemik nun auch die VVD und deren Spitze erfasst. Rutte und seine Partei plädieren inzwischen dafür, dass Euroländer, die sich nicht an die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts halten, die Eurozone verlassen sollten. Das ist für die Liberalen ein Tabubruch.

,,Die Schweiz Nordwesteuropas''

Geert Wilders geht noch weiter. Er will raus aus EU und Euro und aus den Niederlanden «die Schweiz Nordwesteuropas» machen. Roemer wiederum hält den Stabilitätspakt für «idiotisch» und will ihn nicht einhalten, sollte die SP nach den Wahlen mitregieren.

Von den massgeblichen Parteien sind nur noch drei mehr oder weniger proeuropäisch. Die linksliberalen Demokraten 66, die ein «föderales Europa», einen von den europäischen Bürgern direkt gewählten EU-Präsidenten und mehr Macht für das Europäische Parlament wollen; sie präsentieren das Gegenprogramm zu Wilders und Roemer. Einen direkt von den Bürgern gewählten EU-Präsidenten wollen auch die Grünen, zudem mehr direkte Demokratie.

Die Christdemokraten, die bei den bevorstehenden Wahlen zu einer Splitterpartei dezimiert werden könnten, sind die Einzigen, die offen für die ­Unabhängigkeit der Europäischen Zen­tralbank eintreten. Sie sind gegen neue Programme für den Aufkauf von Staatsanleihen notleidender Euroländer.

Die Wirtschaft ist besorgt. Viele Unternehmen fürchten einen Linksrutsch, da gemäss jüngsten Umfragen Sozialisten und Sozialdemokraten knapp hinter den Liberalen zweit- und drittgrösste politische Kraft werden könnten. Daher mischt der Präsident des Arbeitgeberverbands, Bernard Wientjes, im Wahlkampf kräftig mit und warnt vor einer durch zwei oder gar drei Linksparteien dominierten neuen Regierung; in diesem Fall sehe er die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts gefährdet, weil vor allem die Sozialisten die Unternehmenssteuern kräftig erhöhen wollen.

Die Arbeitgeber plädieren für einen Fiskalpakt in der Eurozone und für die Rettung des Euros um jeden Preis. Schliesslich gehen rund zwei Drittel der niederländischen Exporte in EU-Länder.

Link:

www.fuw.ch

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 08. September 2012 um 09:08 Uhr
 

Taiwan besorgt über Europa

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Ma Ying-jeou Präsident Taiwan


Taiwan: Sorge um  Europa

Taipeh sucht weiter die Annäherung zu China - Aber keine Vereinigung oder Unabhängigkeit angestrebt

Von HELMUT HETZEL, z.Zt. Taipeh

So hat sich der taiwanesische Präsident Ma Yin-jeou seine Amtseinführung wohl nicht vorgestellt. Zehntausende Taiwanesen protestierten, als der im Januar dieses Jahres wiedergewählte Präsident für seine zweite Amtszeit in seinem Palast in Taipeh vereidigt wurde. Sie gingen auf die Straße, weil ihnen Ma und dessen von Ministerpräsident Sean Cheng geleitete konservative Regierung höhere Steuern aufbürden will. Die 24 Millionen Taiwanesen sollen vor allem mehr für Energie bezahlen, weil Ma - ähnlich wie in Deutschland bereits beschlossen - die Energiewende einleiten und einen Ausstieg aus der Atomenergie realisieren will. Die spekulationsfreudigen taiwanischen Anleger und Investoren bringt er auf die Palme, weil er die an der Börse erzielen Gewinne künftig besteuern will. Seine gesundheitsbewussten Landsleute schockte Ma ferner mit der Ankündigung, dass er das bisher noch geltende Importverbot für US-Rindfleisch aufheben will. Dies gilt bisher, weil im US-Beef oft der Wachstumsbeschleuniger Ractopamine enthalten ist, den viele Taiwanesen für gesundheitsschädlich halten. Auch in der EU und in der Volksrepublik China ist die Einfuhr von US-Beef, das Ractopamine enthält, verboten. Nach Angaben der Polizei demonstrierten gegen die geplanten Maßnahmen von Präsident Ma und seiner Regierung rund 40.000 Taiwanesen auf die Straße. Die Popularität des im Januar noch mehrheitlich wiedergewählten Präsidenten ist im Keller. Den aktuellen Umfragen zu Folge unterstützen ihn nur noch 19,5 % der Bevölkerung. 57 % der Taiwanesen lehnen Ma Ying-jeou und dessen Reformpolitik nun ab.
,,Die Reformen sind der richtige Weg. Wir werden dabei bleiben. Gleichzeitig aber werden wir sie evaluieren und sie wenn nötig verbessern,‘‘ versprach Ma den Taiwanesen in seiner Inaugurationsrede nach der Vereidigung für eine zweite vierjährige Amtszeit.

Sorge um EuropaSorge bereitet dem taiwanesischen Präsidenten aber nicht nur die harte innenpolitische Kritik an seinem Reformkurs, Sorge bereitet ihm auch die anhaltende Schulden-, Griechenland- und Eurokrise in der EU und in der Eurozone. ,,Wir verfolgen sehr genau, was momentan in Europa geschieht und beobachten das mit großer Sorge. Unser Finanzmarkt und die Börsenentwicklung leiden darunter. Es kann uns also nicht gleichgültig sein, was in Europa geschieht,‘‘ sagt Ma auf eine Frage von HetzelMedia HM. ,,Wir leben in einer globalisierten Welt. Aber ich gehe davon aus, dass die führenden europäischen Politiker weise genug sind, die Krise zu lösen.‘‘ Sie dürfe keinesfalls weiter eskalieren. Taiwan habe seine Investitions- und Anlagestrategie bisher wegen der europäischen Schuldenkrise nicht verändert. Ein Großteil der taiwanesischen Devisenreserven werde noch immer in Euro gehalten. Aus taiwanesischen Finanzkreisen ist dazu zu erfahren, dass die Zentralbank des Inselstaates vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder mit der höchsten Triple-A-Bonität hält. Das sind: Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland.

 

,,Großer Bruder China''

Breiten Raum in der Inaugurationsrede von Präsident Ma nahm erwartungsgemäß auch das Verhältnis zum ,,großen Bruder‘‘ die Volksrepublik China ein. Ma bekräftigte erneut, dass man am ,,Status Quo festhalten will.‘‘ Das heiße, es werde keine formelle Unabhängigkeitserklärung Taiwans geben, aber auch keine Wiedervereinigung mit der VR China. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Peking solle weiter intensiviert werden. Bestehende Konflikte ,,müssen friedlich und am Verhandlungstisch gelöst werden,‘‘ betonte Ma. Die von ihm in seiner ersten Amtszeit seit 2008 eingeleitete Politik der Verbesserung der Beziehungen zu Peking habe ,,mehr Prosperität für beide Seiten gebracht.‘‘ Dieser Weg solle weiter beschritten werden. Taiwanesische Unternehmen haben in der VR China mehr als 200 Mrd. Dollar investiert.

Kooperation


Sogar bei der Kriminalitätsbekämpfung arbeite die Republik China, wie Taiwan offiziell heißt, inzwischen eng mit der VR China zusammen. ,,Das ist ein großer Fortschritt.‘‘ Peking betrachtet Taiwan unter dem Motto: Es gibt nur ein China nach wie vor als ,,eine abfällige Provinz,‘‘ die eigentlich von Peking aus regiert werden müsse und zur VR gehört. Aber Taiwan gehörte nie zur Volksrepublik China. Die Insel ist seit 1945 Territorium der Republik China als der damalige chinesische Präsident Chiang Kai-shek mit seinen Truppen und seinen national-chinesischen Anhängern der Kuomintang nach dem verlorenen Bürgerkrieg gegen die von Mao Zedong geführten chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Japan besetzt war. Mao Zedong rief die Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 aus. Seit 1945 stellt die Taiwan das und einige kleine Inseln darum herum das Territorium der Republik China dar, die de facto unabhängig ist, deren Territorium aber von der Volksrepublik China beansprucht wird. Anders als die VR China ist Taiwan eine Demokratie und ein Rechtstaat.

Taiwan Queen Jenny

Die Taiwan Queen Jenny

Die finnische Kollegin Yrsa Grune schreibt über mich und meine Frage an den taiwanesichen Präsidenten Ma, ob Taiwan den von der Schuldenkrise geplagten Europäern nicht zu Hilfe kommen könnte: 

Yrsa Grüne

En hjälpande hand


Den tyska kollegan Helmut Hetzel reser sig och ställer frågan: Med tanke på eurokrisen, kunde president Ma tänka sig att räcka Europa en hjälpande hand?
Frågan ställs på engelska och presidenten, vice presidenten samt premiärminister Yan drar på munnen då den hjälpande handen kommer på tal. De talar alla engelska, men presskonferensen går på enbart kinesiska.
Översättningen lämnar tydligen bort den lilla pikanta detaljen.
Men svaret är allvarligt och det är premiärministern som får ordet.
- Vi är oroliga och följer med situationen. Än så länge är situationen under kontroll, säger han.
Men faktum är att Taiwan har investerat en del i Europa och eurokrisens återverkningar känner man av också i Taipei, säger den tyska kollegan senare
Taiwan är den 26 största ekonomin i världen och handeln med Tyskland uppgick i fjol till 14,8 miljarder USD.
Taiwan har också ingått ett handelsavtal med EU.

 Link:

http://www.denhaag.nl/de/to/Kolumne-Helmut-Hetzel.htm

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

 

Pim Fortuyn - 10 Jahre nach dem Mord

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Pim Fortuyn - at your service

Pim Fortuyn  - at your service

10 Jahre nach der Ermordung von Pim Fortuyn

Holland  ist ein anderes Land

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Für viele Niederländer hat der Mord an Pim Fortuyn eine ähnliche Bedeutung wie die Ermordung von John F. Kennedy. Jeder weiß noch, was er zu dem Zeitpunkt gemacht hat, als er erfuhr, dass Pim Fortuyn erschossen wurde.‘‘ Das sagt Frans Bauduin in einem Interview mit dem NRC-Handelsblad. Frans Bauduin ist Richter. Der Richter, der den Mörder von Pim Fortuyn, Volkert van der Graaf, zu einer 16jährigen Haftstrafe verurteilte. Der Richter spricht erstmals seit 10 Jahren öffentlich über den Mord an Pim Fortuyn und über sein Urteil, das viele in den Niederlanden nach wie vor für zu milde halten. Denn für den vorsätzlichen Mord an Pim Fortuyn hätte der Mörder Volkert van der Graaf nach Meinung vieler Niederländer eine lebenslange Haftstrafe verdient. Denn Volkert van der Graaf wartete mit geladener Pistole stundenlang in einem Gebüsch im Medienpark von Hilversum auf Pim Fortuyn. Dann als Fortuyn nach einem Interview das Studio verließ, knallte ihn van der Graaf aus nächster Nähe eiskalt ab. 

Niederländer wählen einen Toten

 Am 15. Mai waren Wahlen in den Niederlanden. 1,6 Millionen Niederländer gaben dem toten Pim Fortuyn und der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Partei LPF (Liste Pim Fortuyn) ihre Stimme. ,,Wäre Pim nicht ermordet worden, wäre er nach den Wahlen vom 15. Mai 2002 wahrscheinlich Ministerpräsident der Niederlande geworden,‘‘ stellt Mat Herben, enger Weggefährte von Fortuyn und dessen Nachfolger an der Spitze der LPF, im Rückblick fest. ,,Pim Fortuyn hat in den Niederlanden eine Revolte ausgelöst.‘‘

Pim Fortuyn

Die Revolte des Pim Fortuyn

Diese Revolte des Populisten Pim Fortuyn wirkt bis heute nach. Ohne den Mord an Fortuyn gebe es heute in den Niederlanden wahrscheinlich keine rechtspopulistische Partei, wie sie der Islamkritiker Geert Wilders gegründet hat. Ohne Fortuyn hätte es wohl auch nicht den islamkritischen Film ,,Submission‘‘ (Unterwerfung) gegeben, den die Islamkritiker Ayaan Hirsi Ali und Theo van Gogh gemeinsam drehten. Er kostete Theo van Gogh das Leben. Van Gogh wurde am 2. November 2004 von dem Islamisten Mohammed Bouyeri ermordet.

Ende der politischen Korrektheit

Denn Pim Fortuyn war es, der erstmals mit einer Reihe von Tabus brach und die ,,Diktatur der politischen Korrektheit,‘‘ die in den 90iger Jahren auch Holland im Griff hatte, negierte. Fortuyn war der erste Politiker in den Niederlanden, der den Islam als ,,eine zurückgebliebene Kultur‘‘ kritisierte. Fortuyn war es, der das multikulturelle Experiment in Holland als ein gescheitertes entlarvte. Fortuyn war es, der die ,,Hinterzimmer-Politik der Haager Regenten‘‘ an den Pranger stellte und mehr Transparenz in der Politik forderte. Fortuyn war es, der einen ganz neuen Typ des Politikers verkörperte, den es bis er in die Politik ging so in den Niederlanden überhaupt nicht gegeben hatte. Er zelebrierte sich als bekennender Schwuler, trat auf als modebewusster und intellektueller Dandy. Er ließ sich per Chauffeur in einer Nobel-Limousine mit zwei Schoßhunden durch das Land zu Wahlveranstaltungen fahren und sagte immer wieder vor laufenden Kameras: ,,Täuscht euch nicht, ich werde der nächste Ministerpräsident dieses Landes.‘‘ Er war ganz nah dran, bis die sechs Kugeln des Volkert van der Graaf seinen großen Traum jäh ein brutales Ende bereiteten.

Trauer und Wut

,,Wim Kok Mörder,‘‘ skandierten Tausende von Demonstranten am Abend des 6. Mai 2002 in Den Haag vor dem Parlament. Kok war damals Ministerpräsident der Niederlande. Viele Fortuyn-Anhänger machten ihn stellvertretend für die damalige politische Elite des Landes mit für den Mord an Pim Fortuyn verantwortlich. Denn die Haager Regierung hatte Pim Fortuyn einen Personenschutz durch Sicherheitsbeamte verweigert - und das obwohl Fortuyn damals im Wahlkampf 2002 täglich Morddrohungen erhielt.

Zahlreiche Medien - im In- und im Ausland - haben Pim Fortuyn ,,dämonisiert‘‘ wie er selbst sagte. Sie haben ihn als den ,,Jörg Haider‘‘ oder den ,,Le Pen der Niederlande‘‘ bezeichnet, was Pim Fortuyn überhaupt nicht war. Er war ein Demokrat mit Herz und Seele. Ein politischer Denker und Visionär mit Charisma. Sein großes Vorbild war: John F. Kennedy.
Nur, er sprach die Themen an, die den Leuten auf den Nägeln brannten, die sich aber kein anderer Politiker damals anzusprechen traute. Fortuyn gab dem ,,niederländischen Unbehagen‘‘ eine Stimme.
Die Stimme ist bis heute nicht verstummt, obwohl Fortuyn tot ist. Heute zum 10. Todestag von Pim Fortuyn wird er sogar von seinen schärfsten Gegnern von einst umarmt - und vereinnahmt und als Demokrat gelobt. Thom de Graaf, der 2002 Chef der linksliberalen Demokraten ´66 war und der in einem Interview im Wahlkampf des Frühjahrs 2002 Pim Fortuyn in die faschistische Ecke stellte, gibt nun selbstkritisch zu: ,,Das war ein Fehler. Das hätte ich nicht sagen dürfen.‘‘ Nur, er hat es gesagt. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger. Und Pim Fortuyn ist tot.
Aber durch Pim Fortuyn ist Holland ein anderes Land geworden. Er war es auch, der die vielgerühmte sprichwörtliche holländische Toleranz als das entlarvte, was sie eigentlich ist - Gleichgültigkeit.

Links:

http://www.geschiedenis24.nl/andere-tijden/afleveringen/2011-2012/Fortuyn--the-Dutch-Dandy.html

http://www.geschiedenis24.nl/andere-tijden/afleveringen/2011-2012/Fortuyn--the-Dutch-Dandy.html

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 07. Mai 2012 um 08:54 Uhr
 

Charles Taylor, Naomi Campbell, Mia Farrow

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Naomi Campbell

Blutdiamantenprozess:

Charles Taylor schuldig gesprochen

Von HELMUT HETZEL

Das Urteil im Haager ,,Blutdiamanten-Prozess‘‘ ist gefallen. Der frühere Staatspräsident von Liberia, Charles Taylor, ist vom Haager UN-Sondertribunal für Sierra Leone wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone für schuldig befunden worden. Die Höhe der Haftstrafe, die Taylor absitzen muss, ist noch nicht bekannt. Es ist das erste Mal seit den Nürnberger Prozessen nach Ende des Zeiten Weltkrieges gegen die einstige Nazi-Führung, dass ein ehemaliger Staatspräsident von einem UN-Sondergericht verurteilt wurde.

Der 64jährige Charles Taylor war vor dem Sierra Leone-Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Taylor soll den RUF-Rebellen ,,Revolutionary United Front‘‘ (RUF) im Nachbarland Sierra Leone Waffen geliefert und sie in ihrem Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung aktiv unterstützt haben. Die von Taylor unterstützten RUF-Rebellen hackten tausenden von Menschen Arme und Beine ab und vergewaltigten Frauen wahllos.

Im mehr als 10 Jahre dauernden Bürgerkrieg in Sierra Leone starben in den 90iger Jahren mindestens 120.000 Menschen. Viele wurden grausam verstümmelt, indem die RUF-Rebellen ihren Opfern mit Macheten Gliedmaßen abhackten. Unzählige Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und als Sex-Sklavinnen gehalten, geht aus der 30.000 Seiten und elf Anklagepunkte umfassenden Anklageschrift gegen Charles Taylor hervor. Auch wurden von den RUF-Rebellen Kindersoldaten eingesetzt, die oft unter Drogen oder Alkoholeinfluss standen und die wahllos mordeten.

Charles Taylor

Im Gegenzug für seine Waffenlieferungen sollen die RUF-Rebellen Charles Taylor mit Rohdiamanten bezahlt haben. Wegen dieses Waffen-Diamanten-Deals werden diese Diamanten aus Sierra Leone Blutdiamanten genannt.

Die Zeugin Naomi Campbell

Auch das Top-Modell Naomi Campbell und die US-Schauspielerin Mia Farrow sagten in dem spektakulären Blut-Diamanten-Prozess aus.
Supermodell Naomi Campbell gab als Zeugin zu, dass sie im Jahr 2007 in Südafrika Diamanten als Geschenk erhalten hat. Es sei schon spät nachts nach einem Dinner mit Nelson Mandela gewesen, als Männer an die Tür ihrer Suite geklopft hätten. Sie habe die Tür geöffnet. Die Männer hätten sich nicht vorgestellt und überreichten ihr ein Geschenk. Da sie sehr müde gewesen sei, habe sie das Geschenk erst am nächsten Morgen geöffnet. ,,Es waren ein paar Steine, die sehr schmutzig aussahen,‘‘ sagte die Campbell im August 2010 vor dem Haager Sierra Leone-Tribunal. Taylor soll der Absender der Diamanten an Naomi Campbell gewesen sein. Das aber ließ Campbell offen.  Hat sie die Diamanten noch?

Die Zeugin Mia Farrow

Mia Farrow widersprach Naomi Campbell in ihrer Zeugenaussage:

,,Naomi wusste, wer ihr die Diamanten geschickt hat. Es war Charles Taylor,‘‘ behauptete Mia Farrow vor dem UN-Tribunal für Sierra Leone in Den Haag. Nach Angaben von Mia Farrow hat Naomi Campbell ihr ,,am Frühstückstisch erzählt, dass ihr Charles Taylor einen riesigen Diamanten geschenkt hat. Sie war ganz aufgeregt, als sie zum Frühstück kam, wo ich mit meinen Kindern schon war. Sie erzählten mir vom Diamantengeschenk in der Nacht,‘‘ behauptete Mia Farrow als Zeugin vor dem UN-Sondergericht in Den Haag. Die Aussage der Ex-Frau von Woddy Allen stand im schrillen Kontrast zu der, die Naomi Campbell kurz davor in Den Haag gemacht hatte.

Im Prozess gegen Charles Taylor ging es hauptsächlich darum, den Zusammenhang: Waffenlieferungen für Diamanten, zu beweisen. Das Gericht sah dies als erwiesen an und sprach Taylor daher schuldig, aber nicht in allen elf Anklagepunkten. Aber Richter Richard Lussinck stellte fest: ,,Herr Taylor ist mit verantwortlich für die im Bürgerkrieg in Sierra Leone begangenen Kriegsverbrechen.‘‘ Nicht bewiesen sei jedoch, dass Taylor den Rebellen in Sierra Leone direkt Befehle erteilt habe.

Die Menschenrechtsorganisation ,,Human Rights Watch‘‘ begrüßte den Schuldspruch für Taylor: ,,Mächtige Führer wie Charles Taylor dachten viel zu lange, dass sie über dem Gesetz stünden und so selbst komfortabel leben könnten,‘‘ sagte Elise Keppler von Human Rights Watch in einer ersten Reaktion auf die Verurteilung von Taylor. ,,Taylors Verurteilung sendet ein starkes Signal aus an all jene, die Macht haben und glauben, diese Macht missbrauchen zu können, um Verbrechen zu begehen.‘‘

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Geert Wilders stürzt Holland in die Krise

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Geert Wilders

                            Holland in Not

Vom Musterknaben zum Sorgenkind

 Von HELMUT HETZEL

 So schnell kann es gehen. Gestern mahnte der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager auf den Treffen der Finanzminister der Eurozone seine Kollegen aus den Euro-Mittelmeerländern mit erhobenem Zeigefinger noch zum Sparen. Heute muss de Jager und muss mit ihm die christlich-liberale Haager Regierung eingestehen: Wir können es auch nicht, das Sparen. Auch wir, die Niederlande, können die Euro-Norm eines maximalen Defizits im Haushalt von 3 % der Wirtschaftsleistung nicht einhalten.

Holland stürzt tief

Holland ist von seinem hohen Sockel gestürzt. Der Rechtspopulist Geert Wilders hat den Sturz verursacht, weil er das von der christlich-liberalen Haager Minderheitsregierung geschnürte Sparpaket von 14 Mrd. Euro nicht unterstützen will. Der Sturz des Haager Kabinetts aber trifft die EU und die gesamte Eurozone zur falschen Zeit. Er fächert die Krise wieder an.  Er trifft insbesondere auch Deutschland. Denn die Niederländer waren es bisher immer, die Seit an Seit mit den Deutschen mehr Stabilität in der Eurozone forderten. Das können sie nun nicht mehr, weil sie selbst die von ihnen verlangten Stabilitäts-Standards in diesem und voraussichtlich auch im nächsten Jahr nicht mehr erfüllen können. Den Haags Glaubwürdigkeit in Sachen Stabilität ist dahin. Holland ist in Not, in finanziellen Nöten. Durch den Sturz der Haager Regierung bricht ein weiterer Stabilitätsanker in der Eurozone weg. Aus dem einstigen Musterknaben Niederlande wird ein neues Sorgenkind in der EU und in der Eurozone.  

 

www.denhaag.nl/helmuthetzel

 

Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 24. April 2012 um 06:46 Uhr
 


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