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Hummer, Austern, Zeeland

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Hummer aus der Oosterschelde

   Hummer,  Austern, Muscheln,

  Aal,  Lamm, Spargel und Wein

Zeeland ist das kulinarische Eldorado der Niederlande

Von HELMUT HETZEL

Veere. Bekommt man den Hummer als Ganzes serviert, dann darf man ihn mit den Fingern essen. So wird es auch an diesem Abend sein. Denn der spezielle Hummer-Latz mit dem Abbild des edlen und köstlichen Schalentieres wird uns bereits um den Hals gebunden. Die Spannung steigt. Doch bevor der Hummer aufgetragen wird, genießen wir als Appetitanreger noch eine Kombination von zeeländischen Austern aus der Oosterschelde.

 Die ,,Wilde aus Zeeland,‘‘ die der pazifischen Felsenauster gleicht und einen wirklich herzhaften Geschmack hat ,wird gereicht. Wenn man sie schlürft spürt und schmeckt man die Nordsee für einen Moment im Mund. Dann kommt die flache ,,Gillardeau‘‘ aus der Osterschelde auf den Tisch. Es ist jene Auster, die der Gault Millau einst den ,,Rolls-Royce‘‘ unter den Austern nannte. Echte Austern-Liebhaber und -Kenner bestellen sich diese Austernsorte aus Zeeland, wenn sie wirklich schlemmen wollen.

Der Hummer lässt sich noch etwas Zeit. Denn unser Gaumen bekommt noch einen weiteren Kitzler ab. Es sind gegrillte St. Jakobsmuscheln, niederländische Garnelen, holländischer Spargel und dazu die echten ,,Lamsoren.‘‘ Lamsoren, auf Lateinisch ,,Limonium vulgare‘‘ oder Strandflieder oder Halligflieder auf Deutsch, ist ein Bleiwurzgewächs, das hier im Südwesten der der Niederlande überall an den Deichen gedeiht. Es schmeckt, wie die Schalentiere, salzig und frisch. Beim Kauen hat man wieder das Meer im Mund.
Denn das Diner, das wir genießen, heißt: ,,Zeeuwse Zilte Zaligheden.‘‘ -Zeeländische, salzige Seeligkeiten. Gastgeberin Hendrina Van Cranenburgh vom Romantik-Hotel Auberge de Campveerse Toren, lässt das Beste vom Besten auftischen, was die niederländische Provinz Zeeland zu bieten hat.
Nun endlich wird er aufgefahren, der Rolls Royce unter den Hummern - der zeeländische  Hummer aus der Oosterschelde. Mit Butter und Petersilie aus dem eigenen Garten und wer will mit einem Schuss Zitrone naturell dargeboten, wird er seinem Ruf mit jedem Happen gerecht.  Einfach spitze! - Hinuntergespült mit einem 2008er Pouilly Fuisse, damit der Hummer im Magen zum letzten Mal schwimmen kann, ist das ein Gaumenschmaus.

 

Hotel Campveerse Toren

                                                   Best place to be


Den kann man hier im Romantik-Hotel Auberge de Campveerse Toren auch so richtig genießen. Denn das Speisen in diesem Turm ist nicht nur ein kulinarisches, es ist auch ein optisches Erlebnis. ,,Jetzt im Mai, wo die Tage immer länger werden, haben wir bei schönem Wetter abends oft ein fantastisches Erlebnis,‘‘ sagt Gastgeberin und Hotelchefin Hendrina Van Cranenburgh. ,,Schaut man aus dem Fenster an der Westseite des Turmrestaurants, dann sieht man die Sonne untergehen, drüben am östlichen Fenster steigt dann der Mond auf. Das ist wie im Märchen.‘‘

Dies märchenhafte Ambiance des Romantik-Hotels Campveerse Toren, die den Hummer noch besser schmecken lässt als er ohnehin schon ist, ließ und lässt auch viele gekrönte Häupter, Künstler und vor allem Maler in der Vergangenheit und noch heute hier nach Veere in Zeeland kommen. Der russische Zar Peter der Große war hier (1717). Er hat damals sicher auch zeeländischen Hummer gegessen. Und natürlich der Vater des Vaterlands der Niederlande, Willem van Oranje. Er feierte am 21. Juni 1575 seine Hochzeit mit der französischen Prinzessin Charlotte de Bourbon im ,,Campveerse Toren.‘‘ Es gab natürlich Austern und Hummer aus der Oosterschelde en masse für die vielen Gäste.
,,Die Rechnung damals für Willem van Oranje aber fiel sehr bescheiden aus. Er zahlte - umgerechnet auf Euro - nur 326,30 Euro für sein Festmahl,‘‘ weiß die Turmherrin Hendrina Van Cranenburgh zu berichten. ,,Wir haben die Originalrechnung des Hochzeitsessens von Willem van Oranje noch.‘‘
Dann enthüllt die charmante Gastgeberin noch, dass auch Prinz Reinier von Monaco und dessen Frau Gracia, besser bekannt als Grace Kelly, zu Lebzeiten gerne einen Abstecher zum Campveerse Toren nach Veere in Zeeland machten. Sie alle liebten nicht nur die kulinarischen Köstlichkeiten in diesem Hotel, sondern fühlten sich auch von dem einzigartigen Licht Zeelands angezogen, so wie die Maler Charley Toorop, Le Fauconnier, Anton Pieck, Henri Cassiers oder die Schriftsteller Bertus Aafjes, Viruly, Nescio. Im 19. Jahrhundert schrieb Charges de Coster in seinem Buch ,,Til Eulenspiegel‘‘ die letzte Episode hier im Campveerse Toren in Veere.

Wer die steinerne Treppe des Hotels vom Eingang bis zur ersten Etage des Restaurants nach oben steigt, tritt noch heute sozusagen symbolisch in die Fußstapfen all der berühmten Gäste, die hier in diesem einzigartigen Hotel einst weilten. Auf den Spuren von... sozusagen. Sitzt man aber dann im Hotel, dann wird man von der Geschichte dieses Hauses eingeholt und von der Aussicht über das den Trum umringende Meer überwältigt. Kommt dann nach Austern, Jakobsmuscheln, Hummer auch noch ein Bavarois mit Himbeeren, marinierten Erdbeeren an einem Sorbet von Joghurt und Zitrone zusammen mit einem Chateau D´Yquem daher, dann möchte man von diesem Ort in Zeeland, dem Campveerse Toren, eigentlich nie mehr weg gehen. Denn auch die Gastfreundschaft der Patronesse Hendrina Van Cranenburg ist einzigartig und macht das Hotel Campveerse Toren zu einem ,,best place to be.‘‘ Hier muss man sein. Hier muss man hin.

www.campveersetoren.nl


                       Zeeland - eine kulinarische Reise II

Besuch bei Winzer Johan und im Restaurant Schuddebeurs

Von HELMUT HETZEL

Dreischor/Schuddebeurs. Die Sonne strahlt. Johan lacht. Er sagt: ,,Fangen wir mit einem kühlen Auxerrois an. Der gedeiht hier hervorragend und ist bei diesen sommerlichen Temperaturen die richtige Erfrischung.‘‘ Johan van der Velde schenkt ein. Es ist ein 2009er Auxerrois aus seinem Weingut ,,Wijnhoeve De Kleine Schorre.‘‘ Weingut ,,De Kleine Schorre‘‘ liegt fünf Meter unter dem Meeresspiegel in der südwestlichen niederländischen Provinz Zeeland am Rande des typischen zeeländischen Ringdorfes Dreischor. Vor zehn Jahren baute Johan hier noch Kartoffeln an. Dann plötzlich kam er auf die Idee, Winzer zu werden. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Mit Freunden saß Johan damals - nicht beim Wein, sondern beim typisch niederländischen Nationalgetränk, dem Genever. Es wurde an diesem Abend viel gebechert und viel philosophiert. ,,Und irgendwie kamen wir dann darauf, dass wir hier in Zeeland ja eigentlich auch Wein anbauen könnten. Denn mit Kartoffeln ließ sich kein Geld mehr verdienen,‘‘ erinnert sich Johan heute. Er beschloss - wieder ganz nüchtern - tatsächlich Winzer zu werden. Gesagt, getan. ,,2001 pflanzte ich meine ersten Rebstöcke. In die Lehre ging ich beim Weingut Cep D´or in Hettermillen in Luxemburg an der Mosel. Dort habe ich alle Kniffe des Weinbaus von der Pike auf gelernt,‘‘ berichtet Johan. Noch heute verbindet ihm mit seinen Luxemburger Kollegen eine enge Winzerfreundschaft. So eng, dass er sogar Weine von Cep D´or in sein Sortiment aufgenommen hat. Auch auf der deutschen Seite der Mosel fand der Niederländer Johan inzwischen Winzerfreunde. Winzer Peter Mertes von gleichnamigen Weingut aus Rivenich bei Trittenheim besucht ihn regelmäßig auf seinem Weingut in Zeeland. ,,Ich finde toll, was Johan hier aufgebaut hat. Es ist einfach exotisch, hier in Zeeland Wein anzubauen,‘‘ sagt Peter Mertes im Gespräch mit unserer Zeitung.

                                                Wein aus Zeeland


Johan kredenzt den zweiten Wein. Es ist ein Weißburgunder, schlank, durchgegoren mit nur 3,0 Gramm Restzucker, schönes Pfirsich-Aroma, der ideale Begleiter zum Spargel. Für 11 Euro die 0,75-Literflasche aber ganz schön hoch im Preis.
Top sind auch die anderen Weine, die Johan hier auf dem lehmigen Boden in Zeeland anbaut. Sein Grauburgunder, sein Rivaner und einen sechs Monate im Barrique gereiften Grauburgunder, der vor allem gut zu geräuchertem Aal oder zeeländischem Lamm passt. Preis: 14,50 Euro die Flasche. Sogar die niederländische Fluglinie KLM fand bereits Geschmack an den Weinen von Winzer Johan aus Zeeland und schenkt einige davon inzwischen in ihrer Business Class aus. ,,Die Weine von De Kleine Schorre sind sauber und frisch und technisch perfekt gemacht,‘‘ urteilt der international bekannte niederländische Wein-Autor Hubrecht Duijker über das exotische Weingut in Zeeland.


Richtige Weinberge gibt es hier in Zeeland nicht, allenfalls Weingärten. Die des Weingutes ,,De Kleine Schorre‘‘ umfassen inzwischen 10 Hektar. ,,Wenn möglich werde ich noch auf 50 oder gar 60 Hektar aufstocken. Denn die Nachfrage nach meinen Weinen wächst ständig,‘‘ sagt Johan, der Winzer aus Zeeland. 45.000 Flaschen hat er vom Jahrgang 2009 abgefüllt. So gut wie alle sind inzwischen ausverkauft. Als wir da sind, das fließt gerade der Jahrgang 2010 in die Flaschen. Johan braucht Nachschub. Denn auch die KLM hat schon wieder bestellt
Weinfeste veranstaltet der zeeländische Winzer inzwischen auch schon zwischen Juli und August. Dann tritt auch Simone auf - die Weinkönigin von Zeeland. Dann ist es auf dem Weingut ,,De Kleine Schorre‘‘ genauso urig und gemütlich wie in einer Hecken- oder Straußwirtschaft in Franken, an der Mosel, der Pfalz, in Luxemburg oder im Burgenland. Nur, hier sitzt man unter dem Meeresspiegel. Aber der Wein ist super - aber auch super-teuer.

Er passt aber hervorragende zu den zeeländischen Köstlichkeiten wie Hummer, Muscheln, Austern oder Aal. Bart de Bree beispielsweise serviert die zeeländischen Schalentiere in seinem exquisiten Restaurant ,,Hostellerie Schuddebeurs‘‘ im gleichnamigen Ort. Er serviert ein dreigängiges Hummer-Menü aus Hummersalat mit Artischocken und Mango zum Auftakt, dann folgt eine köstliche Hummer-Bisque mit Koriander und Kokus. Hauptgericht ist ein halber Hummer mit Risotto von Roten Beeten in Basilikum-Öl. Wem das nicht reichen sollte, der kann auf ein Viergänge-Menü hochschalten und sich als zweites Hauptgericht eine Lammkeule in Rotwein servieren lassen. Bei schönem Wetter kann draußen im Garten gegessen werden. Denn die ,,Hostellerie Schuddebeurs‘‘ ist eine Oase im Grünen und der Ruhe, die auch geräumige Appartements zum Übernachten bietet.

Infos:
www.schuddebeurs.nl
www.dekleineschorre.nl

www. oosterscheldekreeft.nl

www.niederlande.de

www.zeeyou.nl

www.campveersetoren.nl

 

 

 

 

 

 8.5.2011


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 08. Mai 2011 um 14:51 Uhr  
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