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Sklavenhandel

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Kopf des ghanaischen Königs Badu Bonso II. tritt nach 171 Jahren die Heimreise von Holland nach Ghana an

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Ein König kehrt heim. Genauer der Kopf eines Königs. Es ist der Kopf des ghanaischen Königs Badu Bonso II. Er wird seit 1838 in den Niederlanden konserviert und aufbewahrt. Jetzt soll das Haupt des Königs Badu Bonso II. zurück in seine westafrikanische Heimat überführt werden. Der Fall des königlichen Hauptes beschäftigte die Regierungen in Ghana und den Niederlanden Monate lang. Er wurde zuletzt sogar Chefsache, so dass sich in Den Haag zwei Minister damit persönlich befassen mussten: Außenminister Maxime Verhagen und Bildungsminister Ronald Plasterk. Der Bildungsminister deshalb, weil sich der Kopf des ghanaischen Königs in konservierter Form in der Klinik der Universität Leiden (LUMC) befand. Dort diente er Studenten zu Forschungszwecken. Generationen lang, ohne dass jemand in Ghana das offenbar wusste. Bis der Schriftsteller Arthur Japin seinen Roman ,,Der Schwarze mit dem weißen Herz‘‘ veröffentlichte. Ein Kapitel in dem Roman spielt in Ghana, wo die familiären Wurzeln des Prinzen Aquasi Boashi liegen, einer der Hauptfiguren des Romans. Während seiner Recherchen für sein Buch in Ghana und in den Niederlanden entdeckte der Autor Japin den Kopf des ghanaischen Königs Badu Bonsu II. in der Leidener Universitätsklinik. Er publizierte, was er entdeckt hatte. Die Regierung in Ghana wurde hellhörig. Sie forderte die Niederlande auf: Gebt uns den Kopf unseres Königs zurück. Ihr Botschafter in Den Haag wurde damit beauftragt, Druck auf die Haager Regierung zu machen, was dieser auch tat. Ghana argumentierte: Der Leichnam des Königs ist nicht vollständig. So lange der Kopf fehle, könne er nicht zur Ruhe kommen und spuke als Geist weiter. Erst wenn sein Kopf in ghanaischer Erde beigesetzt sein werde, werde König Badu Bonsu II. endlich seinen Frieden und seine Ruhe finden. Das soll nun geschehen.

 

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                                    Die Wege des Sklavenhandels

Warum landete der Kopf eines ghanaischen Königs in einer Uni-Klinik in den Niederlanden? Er ist ein Relikt aus der dunklen Periode des Sklavenhandels.
Die Niederlande spielten eine bedeutende Rolle im Sklavenhandel und hatten unter anderem in Ghana eine Niederlassung, von wo aus sie Sklaven verhandelten und verschifften. Die Amsterdamer ,,Westindische Compagnie‘‘ (WIC) verhandelte bis zum 1. Juli 1863 als die Niederlande als eines der letzten Länder den Sklavenhandel endlich verboten schätzungsweise eine halbe Million Schwarzafrikaner. Insgesamt wurden schätzungsweise elf Millionen Schwarzafrikaner als Sklaven verschleppt. Die meisten davon in die USA.
Im Jahr 1838 gab es einen Aufstand der Ghanaer gegen ihre Peiniger, die Sklavenhändler. Der wurde von den Niederländern niedergeschlagen. Einer der Anführer der Aufständischen, König Badu Bonsu II. wurde von den niederländischen Sklavenhändlern enthauptet. Seinen Kopf nahmen die Sklavenhändler dann mit in ihre holländische Heimat, wo man ihn konservierte und wo er bis heute aufbewahrt wurde. Nun kehrt das Haupt des Königs heim.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. März 2009 um 08:12 Uhr  
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