Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Hitler-Bunker wird zur Villa

E-Mail Drucken PDF
Hitlers Atlantikwall wird in Den Haag zum Museum ausgebaut/Stadt investiert 250.000 Euro in die Betonruinen
 
Von HELMUT HETZEL
 
Den Haag. ,,Zimmer frei‘‘ steht auf einigen Beton-Bunkern, die mitten in den Dünen des Haager Kurbades Scheveningen liegen. Die sarkastische Botschaft als Einladung an deutsche Touristen, um in einem der Bunker, die Hitlers Wehrmacht hier einst während der Besatzung der Niederlande durch Nazi-Deutschland (1940-1945) in die idyllische Dünenlandschaft baute, wohnen zu können, sie ist unübersehbar. Es ist der zynische holländische Spott auf eine schreckliche Periode, die nun zwar schon mehr als 60 Jahre zurückliegt, die aber unvergessen ist. Doch nun werden die Bunker neu entdeckt.
 
In Scheveningen gibt es zahlreiche Überreste dieses gigantischen Atlantikwalls. Nicht nur in den Dünen am Strand, sondern sogar im Herzen des pittoresken Kurbades  Scheveningen. Dort verschandelt so mancher alter Bunker das historische Stadtbild. Nun sollen die hässlichen Betonburgen, die nun schon seit 1945 vor sich hin rotten, mit großem finanziellen Aufwand teilweise renoviert und für Besucher zugänglich gemacht werden. Die Stadt Den Haag will dafür 250.000 Euro aufwenden. Die Reste von Hitlers Atlantikwall sollen zur Touristenattraktion ausgebaut werden. ,,Scheveningen hat im Zweiten Weltkrieg schwer gelitten. Daher ist es wichtig, dass wir diese Erinnerung am Leben halten. Die Bunker sind stille Zeugnisse dieser Geschichte. Deshalb wollen wir sie dem Publikum zugängig machen,‘‘ begründet der Haager Stadtrat Marnix Norder die ungewöhnliche Initiative. Die ,,Stiftung Atlantikwall,‘‘ die schon vor einiger Zeit gegründet worden ist, soll die Federführung über das bemerkenswerte Museumsprojekt erhalten. Schon ab diesem Sommer, wenn die Badegäste aus dem In- und Ausland bei schönem Wetter wieder massenweise an die breiten Sandstrände von Scheveningen strömen, sollen die ersten Bunkerkomplexe des Atlantikwalls für interessierte Besucher zugänglich sein. Bis dahin sollen auch die vielen Fledermäuse, die derzeit in den Betonruinen überwintern, aus den Bunkern verjagt sein, die Bunker desinfiziert und zugänglich gemacht werden. Dann sollen sie als ,,Museum Atlantikwall‘‘ Dienst tun und sogar unter Denkmalschutz gestellt werden. Wer hätte das jemals gedacht.
 
Die Beton-Bunker in Scheveningen und anderswo in den Niederlanden sind Teil des riesigen Atlantikwalls, den der größenwahnsinnige Hitler und sein Terror-Regime während des Zweiten Weltkrieges bauen ließ und der von Norwegen im Norden bis an die spanische Grenze im Süden reichte. Er sollte ein Verteidigungswall gegen Angriffe der Alliierten von der Nordsee oder dem Atlantik sein
 
Dass Hitlers Beton-Bunker inzwischen sogar begehrte Wohnobjekte sein können, bewies ein Haager Millionär. Er kaufte sich vor einigen Jahren eine Bunkerruine, die an exponierter Stelle südlich des mondänen Scheveninger Kurhaus-Hotels an der Grenzen zu einem noblen Villenviertel in einem Waldstück lag. Dieser Bunker gehörte zur zweiten Verteidigungslinie, die die Nazi´s hinter ihrem Atlantikwall direkt am Strand weiter stadteinwärts errichtet hatten. Inzwischen hat ein kreativer Architekt den Hitler-Bunker mit viel Phantasie zu einem sehr attraktiven Wohnhaus um-  und ausgebaut. Der Keller und das verglaste Penthouse auf dem Dach des Bunkers sind die beiden Prunkstücke dieser architektonischen Neubestimmung eines Kriegsrelikts. Im Keller des Bunkers lagern jetzt edle Weine, wohl temperiert und warten darauf, entkorkt zu werden. Vom  Penthouse aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf einen nahegelegenen Park und kann die Sonne genießen, wenn sie an warmen Sommerabenden langsam hinter der Nordsee verschwindet. ,,De zon in de zee zien zaken,‘‘ nennen das die Niederländer mit diesem schönen Stabreim.
 
Auf diesem einstigen Bunker des Atlantikwalls ist keine Aufschrift ,,Zimmer frei‘‘ zu lesen. Es gibt dort auch keine Zimmer zu vermieten. Aber viele möchten heute gerne in dem kuriosen Bauwerk an dieser exponierten Stelle wohnen. Das Bunkerhaus ist gelebte Geschichte.
 
/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /
 
Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. Februar 2009 um 00:18 Uhr  
feed image


Banner
Banner