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Frei zum Abschuss: Bizarre Hirsch-Jagd auf der niederländischen Wattenmeer-Insel Terschelling

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                        Hirsche im Wattenmeer:

Bizarre Hirschjagd auf niederländischer Wattenmeerinsel Terschelling

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Annemarie van Gelder ist eigens aus dem fernen Den Haag auf die Wattenmeer-Insel Teschelling gereist. Dort legt sie genau an der Stelle einen Kranz nieder, an der vor wenigen Tagen ein Hirsch erlegt wurde. Annemarie van Gelder ist nämlich Mitglied der ,,Partei für die Tiere‘‘ (PVDD), der einzigen Tierschutzpartei in Europa, die es bisher geschafft hat, in eine Parlament einzuziehen. Sie und andere Tierschützer protestieren mit der Kranzniederlegung gegen die Hirschjagd auf der Wattenmeer-Insel. Es ist eine bizarre Jagd, die sich derzeit auf der 87 Quadratkilometer kleinen Insel im Wattenmeer abspielt. Die Insel zählt nur 4735 Einwohner und noch sechs lebende Hirsche. Vor wenigen Wochen waren es noch zehn Geweihträger, die durch die Dünen der pittoresken Insel streunten. Fünf Jäger sind nun im staatlichen Auftrag hinter den Hirschen von Terschelling her. Sie haben von der Haager Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg eine ,,Licence to kill.‘‘ Sie sollen alle Hirsche abschießen. Begründung. Die Tiere stellen auf dem kleinen Raum, den die Insel bietet, eine Bedrohung für die Bevölkerung, die Verkehrssicherheit, die Fauna der Insel und für die Touristen da, die nun zu Beginn der Krokus-Ferien in den Niederlanden in den kommenden Tagen wieder massenhaft nach Terschelling kommen wollen. Daher müssen die Hirsche weg.

Dabei begann die ,,Hirschzucht‘‘ auf Terschelling als ein Scherz nach einem Trinkgelage in einer örtlichen Kneipe und mit kulinarischem Hintergedanken. Einige Terschellinger Bürger beschlossen an ihrem Stammtisch, ihre Insel mit Edelhirschen zu bereichern. Sie kauften die Hirsche bei einem Zuchtbetrieb auf dem Festland und schmuggelten die Tiere auf ihre Insel, wo es bis dahin keine Hirsche gab. Die Geweihträger sollten künftig alljährlich zu Weihnachten einen guten Hirschbraten liefern, so der Hintergedanke, den die Stammtischbrüder während einer fröhlichen Zechtour hatten. Bisher aber ist es ihnen noch nicht gelungen, auch nur ein Tier zu erlegen und dessen Keulen in den Kochtopf zu bringen.

 

Wattenmeer-Insel

Sonnenuntergang auf der niederländischen Wattenmeerinsel Terschelling - Die Hirsche dort genießen ihn nun auch

Daher schreitet nun das Haager Landwirtschaftsministerium ein. Denn die Hirsche von Terschelling sind inzwischen zu einem Politikum geworden. Die Partei für die Tiere PVDD hat eine Sonderdebatte im Haager Parlament dazu beantragt. PVDD-Chefin Marianne Thieme spricht von einer ,,brutalen staatlichen Hirsch-Exekution.‘‘ Sie will erreichen, dass die Hirschjagd auf Terschelling sofort eingestellt wird. Die Tierschutzpartei bekam jetzt prompt Unterstützung von den Grünen. Sie werfen der Haager Landwirtschaftsministerin Verburg vor, ,,die Jagd auf wilde Tiere zu ihrem persönlichen Hobby‘‘ gemacht zu haben.

Die Zeit drängt. Denn bald beginnt die Brunftsaison. Dann werden röhrende Hirsche für neue Geräusche auf der Wattenmeer-Insel sorgen, wenn sie den Kugeln der Jäger bis dahin entkommen sind. Denn unter den sechs noch lebenden Terschellinger Hirschen befinden sich auch zwei Hirschkühe. Schon Ende Februar tritt das gesetzliche Jagdverbot für Wild in Kraft, das bis Ende September andauert. Bis dahin könnte sich die Hirschpopulation auf Terschelling ein wenig vermehrt haben, so hoffen die Tierschützer - und mit ihnen einige der Terschellinger Bürger, die sich regelmäßig am Stammtisch treffen.

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/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 12. April 2009 um 15:27 Uhr  
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