Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Aal vom Aussterben bedroht

E-Mail Drucken PDF

paling-wildAal vom Aussterben bedroht

Gourmets fürchten um ihre Delikatesse - Umweltschützer sorgen sich um den Fisch

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der ehemalige französische Staatspräsident Francois Mitterrand machte auf einem seiner Staatsbesuche in den Niederlanden einmal extra einen Umweg. Er hatte einen persönlichen Wunsch. Mitterrand wollte unbedingt nach Volendam, dem romantischen Fischerdorf am Ijsselmeer. Der Gourmet Mitterrand wusste warum. Denn Volendam genießt den Ruf, dass es dort die besten geräucherten Aale in den Niederlanden gibt. Zu recht. Frisch aus dem Ijsselmeer ist der Räucheraal hier wahrlich eine Delikatesse. Mitterrand wollte sich diese Delikatesse nicht entgehen lassen. Das ist schon ein paar Jahre her. Heute hätte der amtierende französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wohl Probleme, wenn er demnächst nach Volendam kommen sollte, um sich dort den berühmten geräucherten Aal vorsetzen zu lassen.

palingmierikswortelmousse

                                   Geräucheter Aal auf Mousse von Meerrettich

Denn die köstliche Volendamer Fischspezialität droht eine Rarität zu werden. Der Aal ist vom Aussterben bedroht. Die Niederlande wollen ihre Bestände nun retten und viel Geld dafür ausgeben. Rund eine Million Euro stellt die Haager Regierung zur Rettung des Aals zur Verfügung.
Denn es liegt zum Teil an dem nahezu perfekten Küstenschutz, den die Niederländer mit ihren Deichen und Schleusen gebaut haben, dass die Aalpopulation etwa im Ijsselmeer seit Jahren abnimmt. Der Grund: Die schlangenförmigen Aale kommen nicht mehr zu ihren angestammten Laichplätzen im Atlantik. Jährlich verenden mindestens 50 Tonnen Aal in den zahlreichen riesigen niederländischen Pumpstationen, die das größtenteils unter dem Meeresspiegel liegende Land trocken halten, in dem sie überschüssiges Wasser zurück in die Nordsee pumpen. Die Turbinen dieser Pumpstationen sind für den Aal tödlich.

 

gerookte_palingPaling - Aal auf Niederländisch

 

paling_2007-geruchert

 

 

 

 

 

paling20gerookt

Geräucheter Aal aus Volendam - dafür machte sogar Francois Mitterrand einen Umweg

 

,,Die Lage ist ernst. Wenn wir jetzt nichts unternehmen, haben wir in 20 Jahren überhaupt keinen Aal mehr in unseren Gewässern,‘‘ warnt die niederländische Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg. Die Durchlässigkeit zwischen Ijsselmeer und dem Wattenmeer müsse wieder besser werden. Das sei wichtig, um den Aal zu retten. Ferner will die Ministerin für den Herbst dieses Jahres ein Fangverbot für Aal in den Niederlanden erlassen. Es soll den ganzen Monat Oktober über gelten. Für Angler gilt bereits ein Aal-Fangverbot seit dem 1. Januar dieses Jahres in ganz Holland. Außerdem haben sich die rund 350 niederländischen Aalfischer freiwillig dazu bereit erklärt, im Herbst diesen Jahres rund 50 Tonnen Aal, den sie in den Binnengewässern fangen wollen, jenseits der Deiche und Dämme und der Pumpstationen, die das Land trocken halten, in die Nordsee zu entlassen, damit die Fische ihre Laichplätze einfacher erreichen und sich dort wieder fortpflanzen können. Denn es dauert in der Regel zwei bis drei Jahre bis die jungen Aale vom Atlantik wieder zurück in die Binnengewässer Europas kommen.
Die Laichplätze der Aale liegen nämlich etwa 6000 Kilometer von Europa entfernt in der Nähe der Bahamas in der Sargasso  See. Die lange Reise dorthin kann bis zu eineinhalb Jahre dauern. Dort angekommen legen die Aal-Weibchen ihre Larven, die denn über die Meeresströmung zurück an die europäischen Küsten kommen und von dort aus als so genannte ,,Steigaale‘‘ zurück in die Binnengewässer schwimmen. Die Weibchen sterben nach dem laichen.

Die lange Reise der Aale

Die lange Reise der Aale zu ihren Laichgründen in der Sargasso See

Der World Natur Fonds (WNF) hält die nun in den Niederlanden ergriffenen Maßnahmen zum Schutz des Aals aber nicht für ausreichend. Der WNF plädiert für ein Fangverbot zwischen August und Dezember in diesem Jahr. Das ist die Saison in der die Aale Reiselust verspüren und zurück zu den so weit entfernten Laichplätzen kehren wollen.

Ein solches Fangverbot ist eine Horrorvision für Gourmets wie es der französische Staatspräsident Mitterrand zu Lebzeiten war. Denn ein monatelanges Fangverbot würde den Aal von den Speisekarten verbannen und ihn ähnlich wie Kaviar zu einer kulinarischen Rarität mit entsprechend hohen Preisen werden lassen. Schließlich ist der geräucherte Aal nach dem Hering und dem Kabeljau der bei vielen Konsumenten am meisten nachgefragte Fisch in den Niederlanden. Ein Häppchen ,,Paling‘‘ (Aal) ist bei vielen so beliebt und begehrt wie der Matjes-Hering. Jährlich werden in den Niederlanden mehr als 5000 Tonnen des glatten Fisches gefangen und meist in geräucherter Form verzehrt. Die Preise für Räucheraal steigen bereits kräftig.

 

Der Aal

 

 www.hetzelmedia.com

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 28. März 2009 um 00:45 Uhr  
feed image