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Laura Dekker - Solo-Seglerin

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Lauras Drama

Laura Dekker

Verfolgt, verhaftet, verhört, verstört - Solo-Seglerin Laura Dekker im Netz des Jugendschutzes


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Sie ist schon seit neun Stunden wieder in den Niederlanden. So lange dauert es, bis die 14jährige niederländische Solo-Seglerin Laura Dekker endlich ihre Eltern sehen darf. Vorher wird sie stundenlang von der Polizei auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol verhört.

Die Ausreißerin Laura Dekker, die auf die holländische Karibik-Insel St. Maarten geflüchtet war, weil sie den Druck, den die Jugendschutzbehörden seit Monaten auf sie ausüben, nicht mehr standhielt, wurde auf der Karibik-Insel von einer Touristin erkannt, verhaftet und an die Niederlande überstellt. Zurück in Holland wird sie von der Polizei zunächst verhört und dann einem Jugendgericht vorgeführt. Das alles nur, weil Laura Dekker im Sommer verkündet hatte, sie wolle alleine mit ihrem Segelboot ,,Guppy‘‘ die Welt umsegeln und als jüngste Weltumseglerin aller Zeiten ins Guinness-Buch der Rekorde eingehen. Das hatten die niederländischen Jugendschützer verboten. Denn ihr Vater Dirk Dekker war für die Weltumsegelung seiner damals noch 13jährigen Tochter. Ihre deutsche Mutter Babs Müller war dagegen. Sie hielt den geplanten Segeltörn allein um die Welt für zu gefährlich. Lauras Eltern sind geschieden.


Laura wurde unter Vormundschaft des ,,Rates für Jugendschutz‘‘ gestellt, so entschied ein Gericht. Das Drama um Laura nahm seinen Lauf. Die inzwischen 14jährige geriet ins ,,fürsorgende‘‘ Netzwerk der Jugendschützer. ,,Jeden Montag musste sie irgendwo anders erscheinen. Beim Psychologen, beim Jugendschutzamt, bei Erziehern. Von jedem wurde sie durch die Mangel gedreht. Laura litt darunter. Ihre Schulleistungen ließen nach. Sie machte keine Hausaufgaben mehr. Sie schwänzte die Schule immer öfter. Sie igelte sich ein,‘‘ sagt ihre Sprecherin.
Ausschlaggebend für ihre Flucht auf die Insel St. Maarten in der Karibik sei gewesen, dass die Jugendschützer ihr mitgeteilt hatten, dass sie nicht mehr bei ihrem Vater Dirk Dekker wohnen dürfe. ,,Sie sollte in ein Heim. Deshalb ist sie abgehauen.‘‘
Es gehe den Jugendschützern jetzt gar nicht mehr um das Wohl von Laura. ,,Das ist ein prinzipieller Fall geworden in dem das Jugendschutzamt sich durchsetzen will und muss.‘‘


Laura, ihre Familie und ihr Anwalt Peter de Lange versuchen sich der administrativen und juristischen ,,Fürsorge‘‘ der Jugendschützer entgegenzusetzen. Anwalt de Lange stellt einen Befangenheitsantrag gegen die drei Jugendrichter, die auf Antrag des Jugendschutzamtes darüber entscheiden sollen, ob Laura in ein Heim muss. Das war am Dienstag abend. Nach fast dreistündiger Sitzung lehnen die Richter den Befangenheitsantrag ab. Laura verlässt verstört, verzweifelt und weinend den Gerichtssaal. Sie darf aber nicht nach Hause zu ihrem Vater, bei dem sie nach der Scheidung ihrer Eltern aufwuchs. Sie hat die Wahl: In ein Heim oder zu einem befreundeten Ehepaar der Familie. Sie entscheidet sich für die Freunde der Familie. Dort verbringt sie die Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Lauras Mutter Babs Müller kann die Gerichtsverhandlung nicht mehr ertragen. Sie verlässt zwischendurch weinend den Gerichtssaal. Im Flur sagt sie: ,,Mein Kopf dröhnt. Es ist mir egal, wer was findet. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wem ich glauben kann. Es geht um meine Tochter.‘‘ Ihr Ex-Mann Dirk Dekker, mit dem sie sich offensichtlich nicht mehr gut versteht, wirkt ebenfalls schwer angeschlagen. Auch er ist auf die Mitarbeiter des Jugendschutzamtes nicht gut zu sprechen. ,,Sie liegen uns nur noch auf der Pelle,‘‘ klagt er.


Inzwischen ist auch klar, wie die minderjährige Laura auf die Karibikinsel St. Maarten gelangte. Sie flog von Paris aus ab. Sie benutzte ihren neuseeländischen Pass und scheint durch die Kontrolle der französischen Grenzer auf dem Flughafen geglitten zu sein. Laura Dekker hat nämlich drei Nationalitäten. Die niederländische, die deutsche und die neuseeländische. Letztere, weil sie vor 14 Jahren auf dem Segelboot ihrer Eltern in einem Hafen von Neuseeland geboren wurde. Damals war die Welt noch in Ordnung. Damals segelten ihre Eltern Dirk Dekker und Babs Müller mit ihrem Boot um die Welt. Die Tochter wollte es ihren Eltern gleich tun. Nur, sie war noch zu jung, als sie sich diesen Wunschtraum erfüllen wollte und allein auf ihre Weltreise gehen wollte. Wahrscheinlich kann sie ihren Solo-Segeltörn um die Welt in absehbarer Zeit überhaupt nicht mehr antreten und muss sie warten, bis sie volljährig ist, nachdem, was inzwischen alles passiert ist. Für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde wäre es dann zu spät. Jüngste Weltumseglerin wäre Laura dann nicht mehr.

23.12.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 26. Dezember 2009 um 17:44 Uhr  
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