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Tulpen aus Amsterdam

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tulpen-aus-amsterdam1Tulpen aus Amsterdam

Neue EU-Richtlinien bedrohen die Tulpen aus Amsterdam

Holländische Tulpenzüchter und Wissenschaftler schlagen Alarm

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Tulpen aus Amsterdam - sie werden besungen und bestaunt. Sie gehören zu Holland ebenso wie der Käse aus Gouda oder der Genever aus Schiedam und die Windmühlen von Kinderdijk. Alljährlich locken die blühenden Tulpenfelder in der ,,Bollenstreek,‘‘ der Region zwischen Haarlem im Norden und Den Haag im Süden, Hundertausende von Touristen aus aller Welt in die Niederlande. Dann ist ein Besuch im ,,Keukenhof‘‘ dem größten und schönsten von Menschen angelegten blühenden Garten der Erde angesagt.
Doch schon bald könnten die bisher noch alljährlich erblühenden und das Auge verzückenden niederländischen Tulpenfelder verwelken. Sie drohen auszusterben. Der Grund: Die EU will zum 1. Januar 2009 eine neue Umweltrichtlinie erlassen. Sie verbietet den Einsatz zahlreicher Pestizide, die für die Tulpenzucht unerlässlich sind. Insgesamt stehen 120 chemische Stoffe auf der schwarzen Liste der EU, die ab nächstes Jahr nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Für viele gibt es aber bisher keine Substitute, sie können nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. ,,Wenn diese neue EU-Richtlinie so wie geplant in Kraft treten sollte, dann ist das der Genickschlag für unsere Tulpen- und Blumenindustrie. Es ist zu fürchten, dass mehr als die Hälfte aller Tulpen- und Blumenzüchter in den Niederlanden dann Konkurs anmelden muss,‘‘ meint der Biologe Piet Spoorenberg von der renommierten Agrar-Universität Wageningen. Die größte niederländische Tageszeitung ,,De Telegraaf‘‘ titelt: ,,Todesstoß für unsere Blumenindustrie - Tulpenzucht in Gefahr.‘‘ Sie spricht von einer ,,drohenden Katastrophe‘‘ und rechnet vor, dass die Tulpenzwiebelzucht ,,völlig unrentabel werden wird,‘‘ wenn die Schädlinge nicht mehr mit der chemischen Keule bekämpft werden dürfen. ,,Derzeit liefert die Tulpenzucht je Hektar Fläche dem Züchter rund 12.622 Euro. Ab 2009 wird der Tulpenanbau auf einem Hektar Fläche dem Züchter voraussichtlich einen Verlust von 2764 Euro einbringen,‘‘ so der ,,Telegraaf.‘‘ Das werde das Ende der blühenden Pracht und das Ende der bunten holländischen Blumenfelder bedeuten, die in der ganzen Welt berühmt sind. ,,Wenn etwa 80 % der Pestizide für die Blumenzucht verboten werden, dann werde ich mich wohl nach einem neuen Job umschauen müssen,‘‘ klagt Tulpenzüchter John Boon aus Andijk. ,,Denn dann werden viele Tulpenzwiebeln verrotten. Der Ertrag wird drastisch sinken.‘‘

Inzwischen schlägt aber auch die niederländische Landwirtschaftsorganisation LTO Alarm: ,,Wenn die neuen EU-Regeln eingeführt werden, dann wird das für die gesamte Landwirtschaft der Niederlande desaströse Folgen haben,‘‘ behauptet Sjaak Langeslag von der LTO-Niederlande. Nach Ansicht von Langeslag wird von der neuen EU-Richtlinie nicht nur die Tulpen- und Blumenzucht in den Niederlanden hart getroffen, sondern die gesamte Agrarwirtschaft. ,,Das gilt für den Zuckerrübenanbau ebenso wie für den Tomaten-, Gurken- oder Kartoffelanbau. Der wird dann aller Voraussicht nach unrentabel.‘‘ Die LTO fordert die EU daher dazu auf, ihre Richtlinie zu überarbeiten und sie anzupassen, so dass ,,eine rentable Produktion‘‘ im Agrarsektor weiterhin möglich ist. Das Mindeste, was geschehen müsse, ist, die Einführung einer langen Übergangsperiode so dass Ersatzstoffe zur Schädlingsbekämpfung entwickelt werden können.
Für die Niederlande steht viel auf dem Spiel. Denn allein der Blumensektor ist ein blühender Wirtschaftszweig mit einem Umsatzvolumen von jährlich mehr als vier Milliarden Euro. Tulpen aus Amsterdam und Rosen aus Aalsmeer werden in alle Welt importiert. Täglich heben die so genannten ,,Blumenbomber‘‘ auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol ab und befördern die holländischen Tulpen nach New York und Toronto, Tokio und Moskau, Berlin, Paris und Stockholm.
,,Aber nicht nur unsere Tulpen werden unter dem Pestizid-Verbot leiden. Betroffen sind mindestens elf Blumensorten, darunter auch die Rosen und die Chrysanthemen. Die werden wir nach Einführung des Pestizid-Verbots nicht mehr gewinnbringend züchten können,‘‘ stellt der Agrarwissenschaftler Piet Spoorenberg besorgt fest.

16.10.2008

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 01. März 2009 um 17:14 Uhr  
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