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Vopak trotzt der Krise

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Vopak trotzt der Krise

Tanklagerunternehmen will auch in 2009 den Gewinn steigern

Von HELMUT HETZEL

Rotterdam. Das niederländische Öltanklagerunternehmen Vopak ist zuversichtlich, dass es auch in diesem Jahr den operativen Gewinn
steigern kann. Für 2008 meldet Vopak ein um 16 % auf 429,3 Mio. Euro gestiegenes operatives Bruttoresultat (Ebitda), das mit Umsätzen von 923,5 Mio. Euro erwirtschaftet werden konnte. Netto verdiente Vopak in 2008 mit 212 Mio. Euro oder 3,40 Euro je Aktie 17 % mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen will den Aktionären für 2008 eine um 16 % auf 1,10 Euro erhöhte Dividende ausschütten. Auch kündigte Vopak-Chef John Paul Broeders an, dass die Tanklagerkapazitäten bis 2011 um 2,5 Millionen Kubikmeter erweitert werden sollen. Die aktuelle Wirtschaftskrise habe sich bisher ,,materiell‘‘ für Vopak noch nicht negativ ausgewirkt. ,Wir sind aber nicht immun,‘‘ warnte Broeders.

An der Amsterdamer Börse legten die Vopak-Titel zum Wochenschluss am 13.3. 2009 um 10,68 % auf 28,25 Euro zu.

 

Das Interview

HM HetzelMedia-Interview mit Vopak-CEO John Paul Broeders

Mit Vopak-Chef John Paul Broeders sprach in Rotterdam Helmut Hetzel

Vopak ist auf Expansionskurs. Das Öl- und Chemie-Lagerunternehmen hat über ihre Tochter Nippon Vopak gerade zwei Terminals in Japan übernommen und baut im Rotterdamer Hafen jetzt eines der größten Terminals an dem künftig LNG-Flüssiggas aus Übersee gelöscht werden kann.

Nun hat sich auch der deutsche Energie-Konzern E.ON Ruhrgas AG noch in das Projekt eingekauft. Zwar nicht direkt, sondern indirekt. Denn EO.N Ruhrgas schloss mit dem niederländischen Öl- und Gaslagerkonzern Vopak einen langfristigen Liefervertrag über die Abnahme des künftig in Rotterdam ankommenden Flüssiggases LNG (Liquid Natural Gas) mit einem jährlichen Volumen von drei Milliarden Kubikmetern ab. Das Gas ist hauptsächlich für den deutschen Markt bestimmt.


F: Herr Broeders, im Rotterdamer Hafen wird ein neues Flüssiggas-Terminal (LNG-Gas) gebaut. Vopak investiert mit dem Partner Gasunie 800 Mio. Euro in das Projekt. Welche Bedeutung hat das neue LNG-Terminal für Vopak, die Energie-Versorgung in den Niederlanden und in Europa?

A: Eine sehr große. Wir bauen damit eine unabhängige neue Gas-Infrastruktur auf. Die Abhängigkeit von einem einzigen großen Gasproduzenten, beispielsweise Russland, verringert sich dadurch, weil das Flüssiggas auf dem Seeweg mit Tankschiffen auch von anderen Ländern bezogen werden kann. Die Energieversorgung für die Niederlande und für ganz Europa wird damit differenzierter und sicherer. Der Gasmarkt wird liquider. Das Transport wird wichtiger und davon wird Vopak besonders profitieren. Vopak wird mit Flüssiggas das gleiche tun, was wir heute schon mit Öl und Chemieprodukten tun, nämlich die Lagerkapazitäten und die Transportlogistik, die Ein- und Auslagerung, dafür bieten.

F: Welches Volumen hat das LNG-Terminal-Projekt und wann ist es operativ?

A. Anfangs wird es ein Volumen von neun Milliarden Kubikmetern haben. Es soll sukzessive auf 16 Milliarden Kubikmeter ausgebaut werden. Im zweiten Semester 2011 ist unser Terminal im Rotterdamer Hafen voll operativ.

F: Wer werden Ihre wichtigsten Kunden sein und in welche Länder soll das Flüssiggas dann exportiert werden?

A: In dem Joint Venture haben Vopak und die niederländische Gasunie je 42,5 % der Anteile. Unsere Kunden sind: Dong Energy (Dänemark), die österreichische EconGas und niederländische Essent. Sie halten die restlichen 15 % an dem Joint Venture. Mit der deutschen EO.N Ruhrgas AG haben wir gerade einen langfristigen und umfangreichen Liefervertrag abgeschlossen.
Wir werden von unserem neuen
Terminal in Rotterdam das Flüssiggas unserer Kunden nach Nordwest-Europa liefern. Die Infrastruktur besteht über das Gasnetz der Gasunie. Hauptabnehmerländer werden zum Beispiel sein: Deutschland, Österreich, Skandinavien, aber auch die Schweiz und die Benelux-Länder. Als Lieferländer kommen vor allen Quatar, Ägypten und Algerien in Frage.
Auch der Rotterdamer Hafen investiert 60 Mio. Euro in das Projekt. Denn er will zu einem vollwertigen Energiehafen werden, dazu trägt das LNG-Terminal bei.

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F: Wo liegen für Vopak die Wachstumsmärkte der Zukunft? In Asien, China, Singapur, USA, Europa, Südamerika?

A: Aus Asien kommt derzeit die größte Nachfrage nach Öl-Lagerkapazitäten und unserem Distributions-Know How. Insbesondere aus China, aber auch aus Indien und nun auch verstärkt aus Brasilien. Aber auch in Europa und in den USA sehen wir weiterhin große Wachstumschancen. Hier ist vor allem die Diversifikation verschiedener Ölprodukte gefragt und werden daher neue Lagerkapazitäten gebraucht, beispielsweise auch für neue Energieträger wie etwa Bio-Diesel. Der Nahe Osten ist für Vopak auch wichtiger Wachstumsmarkt, aufgrund der Entwicklung und des Wachstums der Raffinagekapazitäten dort.

A: Apropos Bio-Diesel. Wie wird Ihrer Meinung nach der Energiemix in 20 Jahren aussehen?

A: Es ist klar, wir brauchen neue Ressourcen. Aber die erneuerbaren Energien reichen weder heute noch in 20 Jahren aus, um den Energiehunger der Welt zu stillen. Die Nachfrage nach Öl, dem wichtigsten Energieträger überhaupt, wird weiter wachsen. Die nach Chemie- und Chemieprodukten ist sehr konjunkturabhängig. Gas wird immer wichtiger. Derzeit wächst die Nachfrage nach Gas schneller als die Produktion.

F: Ist noch genügend Öl da, um die Nachfrage auch in 20 Jahren noch stillen zu können?

A: Es ist genug Öl da. Es gibt noch viele unerschlossene und sogar noch unbekannte Ölfelder. Ich denke dabei an Alaska oder auch an den Nordpol. Aber es wird schwieriger, das Öl in diesen Regionen zu fördern und die Förderung wird teurer.

F: Wird deswegen der Ölpreis hoch bleiben?

A: Einen Ölpreis von 18 Dollar je Barrel wird es wohl nicht mehr geben. Es ist eher wahrscheinlich, dass er um die 100 Dollar-Marke je Barrel pendeln wird. Das können zeitweise 120 Dollar je Fass, und dann wieder 90 Dollar je Barrel sein.

F: In den letzten Wochen ist der Ölpreis jedoch wieder gesunken. Er pendelt jetzt um 125 Dollar je Barrel nach einem Höchststand von über 140 Dollar je Fass. Ist das nicht eine Trendwende? Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der Spekulationsanteil an dem hohen Ölpreis?

A: Wir als Öl-Lagerunternehmen stellen fest, dass die Umschlaggeschwindigkeit sehr hoch ist. Das heißt, das Öl bleibt nicht lange in unseren Tanks. Spekulanten, die beispielsweise darauf setzen, dass der Ölpreis in drei Monaten wieder auf 140 Dollar je Barrel steigen könnte, würden es wohl bei uns so lange liegen lassen, um es in drei Monaten für 140 Dollar verkaufen zu können. Aber das ist nicht der Fall. Die Nachfrage ist so groß, so dass der ,,Durchfluss‘‘ sehr hoch ist. Das spricht gegen eine große Spekulationsblase.

F: Welchen Einfluss hat ein hoher oder ein niedriger Ölpreis eigentlich auf das Geschäft von Vopak?

A: Wir profitieren am meisten von volatilen Ölpreisen. Der absolute Ölpreis ist für uns weniger wichtig, wir lagern das Öl und werden dafür bezahlt. Eine hohe Nachfrage nach Öl ist für uns wichtiger als der Ölpreis selbst.

F: Was sind die wichtigsten Kunden und die wichtigsten Konkurrenten von Vopak?

A: Unsere wichtigsten Kunden sind alle großen Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell, ExxonMobil, BP, Chevron, Total und die großen Chemiekonzerne wie BASF oder Dow Chemical und viele andere.

Unsere wichtigsten Konkurrenten sind: Oiltanking (Deutschland), NuStar (USA), Kinder-Morgan (USA).

F: Die Weltwirtschaft beginnt zu kriseln. Trotzdem geben Sie eine sehr zuversichtliche Gewinn- und Umsatzprognose ab. Wird Vopak von der Finanzkrise und der rückläufigen Konjunktur überhaupt nicht tangiert?

A: Unsere Prognose steht noch...

F: ... also zweitstelliges operatives Gewinnwachstum in diesem Jahr?

A: Ja, wir erwarten einen operativen Gewinn vor Sonderposten, der um mindestens 10 % steigen wird. 2007 betrug er 272 Mio. Euro. Ferner gehen wir nach wie vor davon aus, dass das Ebitda-Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Amortisation in 2011 zwischen 475 Mio. und 550 Mio. Euro liegen wird. Dabei bleiben wir.

F: Vopak will in den kommenden Jahr die stolze Summe von 1,6 Mrd. Euro in neue Projekte investieren. Wohin fließt das viele Geld?

A: Wir haben Dutzende von Projekten in der ganzen Welt. Beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben wir im Februar unsere Lagerkapazitäten um 380.000 Kubikmeter ausbreitet, in Singapur, wo wir unsere Kapazitäten um mehr als 900.000 Kubikmeter ausbreiten und in Rotterdam, wo die Lagerkapazitäten schon um 440.000 Kubikmeter erweitert wurden und neue Erweiterungen auf Terminals in Rotterdam stattfinden werden. Außerdem haben wir gerade ein neues Terminal in Antwerpen eröffnet. Es hat eine Kapazität von 100.000 Kubikmetern und kann künftig auf 400.000 Kubikmeter ausgebaut werden.

Vopak-Lager im Rotterdamer Hafen

                                Vopak-Öltanklager im Rotterdamer Hafen

F: Wie viel Öl und Gas schlummert derzeit in den Vopak-Tanks?

A: Derzeit haben sie ein Volumen von 26 Miillionen Kubikmetern, vor zwei Jahren waren es noch 21 Mio. Kubikmeter, in einem Jahr werden es 28 Millionen Kubikmeter sein. Wir betreiben 76 Terminals in 31 Ländern. Wir bauen unsere Lagerkapazitäten zügig aus.

F: Das ist eine ehrgeizige Expansionspolitik. Wie wollen sie diese finanzieren?

A. Wir haben uns noch vor Ausbrechen der Finanzmarktkrise refinanziert, also rechtzeitig. Außerdem haben wir mit den Banken vereinbart, dass unsere Schuldenquote (Nettoschuld:Ebitda-Ergebnis) nicht über 3,75 % liegen darf. Momentan liegt sie bei 1,71 %. Wir haben also noch immer Spielraum und außerdem einen gesunden Cash Flow. Das einzige, was uns Sorgen bereitet, das sind die steigenden Grundstoffpreise, etwa für Stahl, den wir zum Bau unserer neuen Terminals benötigen. Das drückt auf die Margen. Deswegen haben wir ein Kostensenkungsprogramm eingeleitet, das dies kompensieren soll.

F: Vopak ist ein weltweit agierender Konzern, der bedingt durch das Ölgeschäft, viel in Dollar abwickeln muss. Welchen Einfluss hat der schwache Dollarkurs gegenüber dem Euro auf die Vopak-Erträge?

A: Generell lässt sich sagen: Eine Schwankung von 0,10 Dollar beeinträchtigt unser Betriebsergebnis Ebit um rund vier Mio. Euro, weil wir ja in Euro rapportieren. Für den Singapur-Dollar ist es weniger als die Hälfte. Aber wir arbeiten vor Ort auch viel mit den lokalen Währungen, um Währungsverluste auszuschließen. Wir haben jährlich etwa währungsbedingte Einbußen aus Transaktionsgeschäften in Höhe zwischen 10 Mio. und 15 Mio. Euro haben.

F: Trotz momentaner Börsen-Baisse werden die Vopak-Aktien fast überall zum Kauf empfohlen und hat deren Kurs bisher relativ gut standgehalten. Warum sollte ein Anleger die Vopak-Titel im Portefeuille haben?

A: Wir haben ein großes Wachstumspotenzial. Das Wachstum in unserer Branche wird sich aufgrund der anhaltend hohen Energienachfrage fortsetzen. Wir verfolgen eine solide Dividendenpolitik. Wir haben einen starken Cash Flow. Vopak-Aktien sind eine langfristige Anlage. Denn die Projekte, die wir heute bauen, sind in der Regel erst in zwei, drei Jahren operativ und tragen dann erst zum Umsatz- und Gewinnwachstum bei. Wir haben hervorragende Mitarbeiter und sind in der Lage, die Kosteninflation unter Kontrolle zu halten. Vopak-Aktien sind daher eine gute Anlage.

F: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview  fand am 4.8.2008 in Rotterdam statt.

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 13. März 2009 um 16:58 Uhr  
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