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Banker tut Buße

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 Ein Banker tut Buße

Floris Deckers - Ein ehrlicher Banker: Niederländischer Banker entschuldigt sich öffentlich für die Finanzmarktkrise und deren Folgen

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Auf die Frage, was mein Beruf sei, antwortete ich bis vor kurzem kurz und bündig und voller Stolz: Ich bin Banker. Aber jetzt, nach den jüngsten Entwicklungen im Finanzsektor, antworte ich auf die Frage nach meinem Beruf: ,,Ich bin ein ehrlicher Banker.‘‘ Das schreibt Floris Deckers der Vorstandsvorsitzende der renommierten 1737 gegründeten niederländischen Privatbank F. Van Lanschot Bankiers in einem sehr selbstkritischen Artikel in der holländischen Zeitung ,,NRC Handelsblad.‘‘ Ein Banker tut Buße. Aber ein Banker, der es eigentlich gar nicht nötig hätte, öffentlich das Büßergewand anzuziehen und sich geradezu stellvertretend für die Fehler und die Betrügereien, die in seiner Branche insbesondere in den USA begangen worden sind, zu entschuldigen. Dennoch tut es Floris Deckers. Der 58jährige Banker, der seit 28 Jahren Bankier ist und bevor er 2004 zu den Van Lanschot Bankiers wechselte für die ABN Amrobank in führenden Funktionen in Singapur, Sao Paulo, Frankreich, Italien und in Irland arbeitete, gibt sich sehr selbstkritisch. Er will ein Beispiel gegen für andere Banker, die immer noch auf ihren hohen Boni-Zahlungen beharren, obwohl sie sie eigentlich gar nicht mehr verdient haben. Deckers sagt, was andere Banker nicht sagen, aber eigentlich sagen sollten: ,,In der heutigen Rezession passt es zu einem ehrlichen Banker, dass er sich entschuldigt. Und diese Entschuldigung biete ich hiermit an,‘‘ weil er sich selbst für den Rest seines Lebens noch mit gutem Gewissen im Spiegel betrachten wolle, wie Deckers schreibt. Er habe zwar keine persönliche Schuld auf sich geladen in der ganzen Krise. Die von ihm geleitete Van Lanschot Bank habe sich auch nie an den amerikanischen Pyramiden-Spielen eines Herrn Madoff beteiligt oder in den dortigen Hypothekenmarkt investiert, ,,aber ich habe zu lange meinen Mund gehalten,‘‘ beichtet der ehrliche Banker. Er habe gesehen, dass die ,,Boni-Kultur aus dem Ruder läuft.‘‘ Er habe gesehen, dass Banken ,,Kredite zu Konditionen vergeben, zu denen sie sie eigentlich nicht hätten vergeben sollen.‘‘ Und er habe geschwiegen. Diesen Vorwurf müsse er sich nun machen, so der Van Lanschot-Chef. ,,Denn ich hatte genug Informationen und Hinweise darauf, dass etwas schief ging, die ich ignoriert habe.‘‘

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Natürlich wurden die selbstkritischen Worte des ,,ehrlichen Bankers‘‘ vor der Publikation von Juristen mehrfach gecheckt, so dass sie nicht zu Schadensersatzansprüchen gegen Van Lanschot führen können. Aber bemerkenswert sind sie allemal. Endlich ein Banker, der eingesteht, was schief gelaufen ist.
Floris Deckers (Foto rechts)  präsentiert auch sechs Vorschläge, was sich seiner Meinung nach nun im Finanzsektor verändern müsse. Banken müssten in erster Linie wieder für ihre Kunden da sein, lautet einer. Ein anderer: ,,Banken brauchen bessere Risiko-Manager und ,,die finanzielle Basis
der Banken muss sich fundamental ändern und verbessern. Wir brauchen mehr Kapital. Wir werden mehr Kosten haben. Die Aktien des Finanzsektors werden in Zukunft für Anleger weniger attraktiv sein,‘‘ meint Deckers. Außerdem: ,,Die Entlohnungssysteme müssen völlig neu geregelt werden.‘‘ Damit hat Deckers in dem von ihm geleiteten Bankhaus bereits begonnen. Boni wurden gestrichen oder gekürzt und sogar die Gehälter von den Top-Managern reduziert, obwohl Van Lanschot als eine der wenigen Banken überhaupt im vergangenen Jahr 2008 noch einen Gewinn erwirtschaftet hat.van lanschot bankiers

 

Wichtig ist nach Meinung des ,,ehrlichen Bankers‘‘ Floris Deckers aber auch, dass die Rechnungslegungs- und Bilanzierungsprinzipien ,,kritisch unter die Lupe genommen werden. Die hohe Volatilität, die die aktuellen Bewertungsregeln zur Folge haben, vertragen sich nicht mit der Sicherheit, die Sparer suchen. Es ist mehr Transparenz nötig. Diese Krise,‘‘ so schließt Deckers sein Schuldeingeständnis ab, ,,bürdet den Bankern neue Verantwortlichkeiten auf. Ohne das Eingreifen des Staates wäre die jetzt wieder erreichte - wenn auch noch fragile - Stabilität im Finanzsektor nicht möglich gewesen. Die Verantwortung eines jeden Bankers lautet nun: Wir müssen das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen.‘‘
17.3.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 20. März 2009 um 18:47 Uhr  
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