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Banker sollen Boni zurückzahlen

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surfing-bankerBanker sollen bluten: ING will Boni zurück

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Es geht zwar noch nicht ans Eingemachte, aber die üppigen und oft exorbitant hohen Boni-Zahlungen für Banker, die sollen in den Niederlanden jetzt ebenso hart angepackt werden wie in den USA. Zumindest dann, wenn sich Finanzinstitute, die mit Steuergeldern am Leben erhalten worden sind, erdreisten, hohe ,,Erfolgs-‘‘ Boni zu bezahlen. Und zwar an Banker, die mit ihrem Wirtschaften Verluste anstatt Gewinne erwirtschaftet haben und die immer noch nicht einsehen wollen, dass sich die Zeiten entscheidend verändert haben. Denn anstatt Boni hätten viele Banker eher einen Malus verdient in Form einer Gehaltskürzung für ihre Missmanagement und ihre Ignoranz gegenüber Kunden.

Jan Hommen, amtierender Chef des Amsterdamer Finanzinstituts ING, versucht es noch auf die relativ sanfte Art. Er richtete jetzt einen ,,moralischen Appell‘‘ an alle 1200 Führungskräfte der ING, die für das Jahr 2008 satte Boni von insgesamt 300 Mio. Euro bezogen haben, obwohl die ING erstmals überhaupt in ihrer Geschichte im vergangenen Jahr rote Zahlen schreiben musste. ,,Ich möchte, dass diese Mitarbeiter ihre Boni zurückgeben. Erst wenn ein neues Entlohnungssystem konzipiert und eingeführt wird, können wir wieder über flexible finanzielle Zusatzleistungen reden,‘‘ sagte Hommen in einem Interview mit der Amsterdamer Zeitung ,,de Volkskrant.‘‘ Er selbst geht übrigens mit gutem Beispiel voran. Jan Hommen, der Mitte Januar die Führung der ING übernahm, nachdem der frühere ING-CEO Michel Tilmant überraschend zurückgetreten war, arbeitet in diesem Jahr völlig ohne Bezahlung. Auch er will für seine Tätigkeit erst honoriert werden, wenn das neue Besoldungssystem für die ING-Mitarbeiter ausgearbeitet ist. Ehrlicherweise muss man aber hinzufügen, dass sich Hommen den Luxus, zeitweilig unentgeltlich zu arbeiten, durchaus leisten kann, weil er als früherer Finanzchef von Philips nicht schlecht verdiente und bei seinem Ausscheiden bei Philips seine Aktien und Aktien-Optionen gewinnbringend und mit Millionengewinn versilbern konnte, bevor er Aufsichtsratsvorsitzender der ING wurde. Nach Meinung von Hommen sollten Boni oder andere flexible Belohnungszulagen ohnehin nur noch dann gezahlt werden, ,,wenn ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet.‘‘
Besonders heikel bei der ING ist in diesem Zusammenhang die Berufung des neuen Finanzvorstands Patrick Flynn. Flynn soll nämlich zu seinem Einstand bei der ING außer seinem Gehalt von knapp 700.000 Euro jährlich noch eine so genannte ,,Willkommensprämie‘‘ in Form von Aktien erhalten, die ein Volumen von rund 1,3 Mio. Euro hat. Hommen stellt sich vor Flynn und sagt: ,,Er bekommt eine Kompensation für Ausfälle, die ihm in Folge des Wechsels zu uns entstehen.‘‘ Flynn soll zu seinem Amtsantritt im April 100.000 ING Aktien erhalten. Hommen meint: ,,Das ist kein Bonus.‘‘

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Jan Hommen

Der 49jährige Ire Patrick Flynn löst John Heele als Chief Financial Officer (CFO) der ING ab, da Heele aus persönlichen Gründen in die USA zurückkehren will. Die Berufung von Flynn, der momentan CFO der britischen Bank HSBC in London ist, muss noch am 27. April auf der Hauptversammlung der ING von den Aktionären abgesegnet werden ebenso wie die Berufung von Jan Hommen zum neuen Chief Executive Officer (CEO) der ING. Mit der Anstellung von Flynn als neuem CFO der ING ist der personelle Wechsel an der Spitze des niederländischen Banken- und Versicherungskonzerns dann abgeschlossen. Denn im Januar hatte der bisherige Vorstandsvorsitzende Michel Tilmant sein Amt niedergelegt. Der bisherige CFO John Heele hatte schon im Oktober 2008 seinen Abschied von der ING angekündigt.
Der Druck auf die ING-Manager ihre Boni, die sie für 2008 erhalten haben zurückzubezahlen und auf jegliche Boni für 2009 zu verzichten, kommt aber auch von politischer Seite - und sogar von ehemaligen prominenten Bankern.
Der Haager Finanzminister Wouter Bos will die vertraglichen Absprachen, die zwischen Bankern und ihren Arbeitgebern über Boni gemacht worden sind, aufbrechen und zwar mit rückwirkender Kraft zum 1.1.2009 hin. Bos sagte im Haager Parlament, dass er keine Boni-Zahlungen an Banker mehr zulassen werde, deren Institute mit Steuergeldern subventioniert worden sind. Die ING ist ein solches staatlich subventioniertes Finanzinstitut. Die ING erhielt im Oktober 2008 eine staatliche Finanzspritze von 10 Mrd. Euro. Außerdem übernahm die Haager Regierung noch 80 % des Anteils der wackligen und derzeit unverkäuflichen ING-Anlageprodukte in den USA (Alt-A-Hypothekenpapiere), die ein Volumen von rund 23 Mrd. Euro haben.

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Hier begann die Wirtschaftskrise 2007/2008


Ausgerechnet ein ehemaliger Top-Banker der Niederlande brachte den Haager Finanzminister Wouter Bos auf die Idee, die Boni-Verträge der Banker aufzubrechen und anzufechten. Sein Name: Jan Kalff. Kalff ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ABN Amrobank. Der gelernte Jurist meint, dass es mehr als billig sei, wenn die Banker von Finanzinstituten, die im vergangenen Jahr hohe Verluste gemacht haben und die nun teilweise am staatlichen Tropf hängen, auf ihre Boni verzichten. Täten sie das nicht, müssten sie auf juristischem Weg dazu gezwungen werden. ,,Bedenkt man, dass das eine oder andere Finanzinstitut Insolvenz hätte anmelden müssen, wenn es keine staatliche Hilfe erhalten hätte, dann kann man daraus schlussfolgern, es hätte überhaupt keine Boni für 2008 gegeben,‘‘ meint Kalff. Daher sei es ,,recht und billig‘‘ den Bankern die Boni nun zu entziehen. Über seinen Berufsstand äußert sich der einstige ABN Amrobank-Chef sehr kritisch: ,,Mir scheint, es gibt in der Branche heute keine wirklichen Herren mehr, wie es sie zu meiner Zeit noch gab.‘‘ Kalff trat im Mai 2000 als Vorstandschef der ABN Amrobank ab. Er übergab die Führung an Rijkman Groenink, der die größte niederländische Bank im vergangenen Jahr zum Preis von 71 Mrd. Euro an drei verschiedene Käufer veräußerte: Die spanische Bank Santander, die Fortis-Gruppe und die Royal Bank of Scotland (RBS). Die RBS und Fortis sind durch den viel zu hohen Kaufpreis beinahe in die Insolvenz geschlittert und konnten nur mit staatlicher Hilfe gerettet werden. Nur die Spanier profitierten vom Kauf der italienischen und brasilianischen Aktivitäten der ABN Amro. Sie waren so clever, sie sofort wieder abzustoßen noch bevor die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise mit voller Wucht im vergangenen Herbst nach dem Konkurs der US-Bank Lehman Brothers losbrach. Die Spanier waren die lachenden Dritten des ABN Amro-Deals.
23.3.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. März 2009 um 14:02 Uhr  
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