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Gouda statt Camembert

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frauantje6Gouda statt Camembert

Frau Antje rupft den gallischen Hahn


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Die holländische Käsebotschafterin Frau Antje kann sich freuen. Ihr gelang es im vergangenen Jahr, den gallischen Hahn und damit Frankreich zu überflügeln. Denn die Deutschen kauften weit mehr Käse in Holland ein als Camembert in Frankeich. Mehr Tulpen aus Amsterdam als Baguette aus Paris. Hier die aktuellen Zahlen. Sie sind bemerkenswert. Denn die Niederlande exportierten in 2008 erstmals mehr Waren in die Bundesrepublik Deutschland als die Franzosen Produkte über den Rhein schaffen konnten. Das holländische Exportvolumen nach Berlin, Hamburg, München, Köln, Konstanz, Aachen, Osnabrück oder Essen betrug im vergangenen Jahr stolze 72 Mrd. Euro. Die Franzosen schafften es dagegen nur, den Deutschen Waren im Wert von 66 Mrd. Euro zu verkaufen. Nun steht fest: Holländischer Gouda-Käse scheint den deutschen Verbrauchern offenbar besser zu schmecken als französischer Camembert. Das hat Gründe. Nicht nur geschmackliche:

„Die Niederlande werden als Güterplattform Richtung
Bundesrepublik immer wichtiger", kommentiert Axel Gerberding, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) in Den Haag die Entwicklung des bilateralen Handels zwischen den beiden Nachbarländern Deutschland und Niederlande. Vor allem der Rotterdamer Hafen nehme dabei eine Schlüsselstellung ein.

Axel Gerberding

Axel Gerberding, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag

Die DNHK hatte nach Angaben von Gerberding bereits Mitte vergangenen Jahres den Wechsel an der Spitzenposition prognostiziert. „Schon angesichts des wachsenden Erdgasverbrauchs bei gleichzeitig steigenden Öl- und Gaspreisen war diese Entwicklung abzusehen", stellt Gerberding fest. Tatsächlich legte der Wert des eingeführten Erdöls und Erdgases aus den Niederlanden im vergangenen Jahr von 4,6 Mrd. auf mehr als 6,3 Mrd. Euro zu.‘‘

Es sind aber nicht nur die niederländischen Energieträger wie Gas und Öl, sondern auch und vor allem die Exporte landwirtschaftlicher Produkte vom Käse bis zur Tomate, der Paprika bis zur Gurke, den Tulpen aus Amsterdam sowie die vielen Halbfertigerzeugnissen aus der Industrie, die die holländischen Exportschlager ausmachen.
Niederländische Unternehmen wie der weltgrößte Hersteller von Farben und Lacken, Akzo Nobel, aber beispielsweise auch der Feinchemiekonzern DSM, sind wichtige Zulieferer für ihre deutschen Abnehmer in der Industrie. Akzo Nobel liefert Farben und Lacke für die Automobilindustrie. DSM stellt beispielsweise mit ihrer synthetischen Spezialfaser Dyneema das Basismaterial her, um Automobile zu ,,panzern‘‘ und sie schusssicher zu machen. DSM liefert ferner Penicillin und zahlreiche Grundstoffe für die chemische und die Nahrungsmittelindustrie. Für den Elektronik-Konzern Philips ist Deutschland einer der wichtigsten Absatzmärkte. Royal Dutch Shell ist einer der größten Öl-,Gas- und Benzinlieferanten für die deutschen Verbraucher. Die meisten Navigationsgeräte im Auto kommen vom holländischen Branchenprimus Tom Tom. Die KPN Telekom bietet über ihre deutsche Mobilfunktochter E-Plus rund 17 Millionen Handy-Kunden Mobilfunk in der Bundesrepublik und der niederländische Finanzkonzern ING bedient allein in Deutschland mehr als sieben Millionen Sparer mit seiner Tochter ING Diba.

Aber auch deutsche Produkte sind in den Niederlanden besonders gefragt. Automobile sowieso. Insbesondere die Nobelmarken, die in München, Wolfsburg, Ingolstadt und Stuttgart gebaut werden. Aber nicht nur die.

Axel Gerberding dazu: ,,Dass die Niederlande zugleich als Absatzmarkt für deutsche Firmen wichtiger werden, belegen die deutschen Exportzahlen. Dort kletterte das westliche Nachbarland der Deutschen 2008 um einen Platz auf den vierten Rang. Damit verdrängen die Niederländer Italien (64 Mrd. Euro).

Insgesamt wurden aus Deutschland Waren im Wert von rund 65,6 Mrd. Euro in die Niederlande ausgeführt. Zu den Gewinnern beim Holland-Export gehörten vor allem deutsche Chemieprodukte, die im vergangenen Jahr um 5,7 % auf 11,1 Mrd. Euro zulegen konnten, sowie Eisen- und Stahlerzeugnisse und Spezialfahrzeuge. Nur Frankreich, die Vereinigten Staaten und England können sich als deutsches Exportziel vor dem Nachbarland Niederlande behaupten.‘‘

Gallischer Hahn

 

                         Frau Antje rupft den gallischen Hahn

 

Fazit: Nirgendwo in Europa sind die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen zwei Ländern so eng wie die zwischen den Niederlanden und Deutschland. Frau Antje verkauft den Deutschen ihren köstlichen Käse. Die Niederländer dagegen fahren am liebsten in Automobilen made in Germany durch die Gegend.
23.3.2009

 

Frau Antje ist auf der Überholspur

 

Frau Anjte auf der Überholspur

 Gallischer Hahn

 Der Hahn hat das Nachsehen

 

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Link: www.dnkh.org

 

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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 25. März 2009 um 23:08 Uhr  
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