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Ein Eid für Banker wie für Barack Obama

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,,Ein Eid für Banker''

Moralischer Kompass 

HM-HetzelMedia-Gespräch mit Ex-Rabobanker Hans Ludo van Mierlo

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Wie kann man das lädierte Vertrauen
in die Ehrlichkeit der Banker und in die der Finanzinstitute wieder herstellen? Das ist die Gretchenfrage, die seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise überall auf der Welt immer wieder gestellt wird. Auf dem bevorstehenden G-20-Gipfel in London soll der Weg für neue Reglungsmechanismen der Finanzmärkte geebnet werden. Möglicherweise wird eine neue oberste internationale Kontrollinstanz - eine globale Finanzaufsichtsbehörde - für die Finanzmärkte aus der Taufe gehoben. Es gibt viele Lösungsansätze, das Vertrauen zurück zu gewinnen.

Doch wer die Debatte um die Neuregelung der Finanzmärkte und das Wiederherstellen des verloren gegangenen Vertrauens in die Märkte aufmerksam verfolgt, muss feststellen, dass sie noch sehr einseitig geführt wird. Die jetzige Krise wird vor allem als Systemkrise definiert. Von den kriminellen Machenschaften eines Bernard Madoff einmal abgesehen, ist fast kein Banker bereits, individuell die Verantwortung für die heutige Finanzmisere zu übernehmen, oder zumindest einzugestehen, dass er gewusst hat, da läuft etwas gewaltig schief. Die menschliche, die moralische Dimension kommt in der Debatte bisher viel zu kurz. Sie ist unterbelichtet.

Einer der wenigen Top-Banker, der bisher die menschliche Größe hatte, sich zu entschuldigen, das ist Floris Deckers, der Vorstandsvorsitzende der niederländischen Privatbank F. van Lanschot, der ältesten 1737 gegründeten Privatbank der Niederlande

 (siehe auch HM-HetzelMedia: ,,Banker tut Buße'').

Deckers sagte, was andere Banker nicht über ihre Lippen bringen, aber eigentlich sagen sollten: ,,In der heutigen Rezession passt es zu einem ehrlichen Banker, dass er sich entschuldigt. Und diese Entschuldigung biete ich hiermit an.‘‘ Deckers steht mit dieser Haltung inzwischen nicht mehr ganz alleine.
,,Banker müssen ihre menschliche Dimension wieder entdecken und sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Das haben sie in den zurückliegenden Jahren völlig aus dem Auge verloren,‘‘ sagt Hans Ludo van Mierlo, ehemaliger Top-Banker der Rabobank im Gespräch mit HM HetzelMedia. ,,Viele Banker wissen scheinbar gar nicht mehr, wo die Wurzeln unseres Finanzsystems liegen. Denn alle Finanzinstitute haben gesellschaftspolitische Wurzeln. Die Raiffeisenkassen wurden einst für die Bauern gegründet, damit diese sich finanzieren konnten. Die Sparkassen brachten den Arbeitern und Angestellten das Sparen bei. Die Mittelstandsbanken wie die frühere niederländische NMB-Bank, die mit an der Wiege des ING-Konzerns stand, finanzierten den Mittelstand. Die Handelsbanken wie etwa die ABN Amrobank den internationalen Handel. Alle hatten sie gesellschaftspolitische Wurzeln und ein spezielles Aufgabengebiet. Alle hatten sie eine spezifische gesellschaftspolitische Verantwortung,‘‘ stellt van Mierlo fest.
,, Doch vielen Bankern ging es in den vergangenen Jahren nur noch um´s schnelle Geld nicht mehr um die optimale Kundenbetreuung. Den Kunden wurden sogar Wucherpolicen verkauft. Die persönliche Karriere und das Abkassieren stand für viele Banker im Vordergrund,‘‘ meint der Ex-Banker van Mierlo. ,,Was uns diese Krise lehrt, ist, dass die Banken Teil einer großen globalen Infrastruktur sind und dass ihr Handeln einen größeren Einfluss hat als uns das bisher bewusst war. Deshalb braucht das Finanzsystem, wenn es wieder glaubwürdig werden will, künftig einen moralischen Kompass. Ein solcher moralischer Kompass sollte ein Eid für Banker sein. Ein Eid, den Banker ablegen, ähnlich wie Ärzte oder Notare das auch tun, oder Politiker, wenn sie als Minister oder Regierungschefs oder Präsidenten wie Barack Obama  eingeschworen und vereidigt werden,‘‘ fordert Hans Ludo van Mierlo. 

Banker und Geldgier

                                                      Banker und Geldgier

 

Der Eid für Banker

 

Frage: Wie sollte ein solcher Eid für Banker aussehen? Antwort van Mierlo:

 ,,Ich schwöre, dass ich meine Arbeit als finanzieller Dienstleister nach bestem Wissen und Gewissen und zum Wohle meiner Mitmenschen ausführen werde. Ich werde den Interessen meiner Kunden Vorrang geben und ihre Wünsche und Meinungen respektieren. Ich bin mir der Grenzen meiner Möglichkeiten bewusst. Ich werde offen und ehrlich sein und mich überprüfen lassen. Ich kenne meine Verantwortlichkeit für die Gesellschaft, heute und in der Zukunft und in meiner heutigen und künftigen Funktion im Finanzsektor. In meiner Arbeit im Finanzsektor will ich dieser Verantwortung für die Gesellschaft gerecht werden.‘‘

Das ist der Eid, den Banker und alle die in der Finanzbranche arbeiten, nach Meinung des Ex-Bankers Hans Ludo van Mierlo künftig ablegen sollten, bevor sie einen Job bei einer Bank oder Versicherung oder als Vermögensberater antreten dürfen. Der Vorschlag von van Mierlo, die Banker künftig zu vereidigen, findet in den Niederlanden inzwischen großen Beifall. Unter Wirtschaftsexperten, anderen Bankern und auch unter Politikern. Der Fraktionsvorsitzender der linksliberalen ,,Demokraten ´66‘‘ Alexander Pechtold unterstützt ihn, ebenso wie zahlreiche Abgeordnete des Haager Parlaments aus ganz verschiedenen Parteien - von den Grünen, über die Sozialdemokraten bis zu der rechtsliberalen VVD - sowie zahlreiche renommierte niederländische Wirtschaftswissenschaftler verschiedener Universitäten.
,,Wir sind uns alle einig darüber, dass das Vertrauen in die Banken so schnell wie möglich wieder hergestellt werden muss. Ein Eid für Banker kann einen Beitrag dazu leisten ebenso wie neue internationale Reglungsmechanismen. Aber Banker müssen außerdem noch etwas anderes wieder lernen, was ihnen abhanden gekommen ist, nämlich Selbstbeherrschung.‘‘ Kurz: Banker müssen wieder ein Gewissen haben und nach moralischen Standards handeln.

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Zuletzt aktualisiert am Samstag, 28. März 2009 um 18:12 Uhr  
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