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ING - Neue Strategie

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ING beginnt

2009 ,,signifikant

besser‘‘ als 2008

endete

 

Neuausrichtung des Banken- und

Versicherungskonzerns

 

Deutsche ING-Diba-Tochter wird nicht verkauft

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Für den niederländischen Allfinanzkonzern ING hat das Jahr 2009 wesentlich besser begonnen als das Jahr 2008 endete. ING wird ferner umfangreiche Reorganisationen einleiten und plant zwischen zehn und 15 Firmentöchter zu verkaufen. ,,Ich kann feststellen, dass das Ergebnis im ersten Quartal 2009 signifikant besser war als im vierten Quartal 2008,‘‘ stellte der amtierende ING-Chef Jan Hommen während einer Telefon-Konferenz fest. Hommen wollte aber nicht sagen, ob im ersten Quartal rote oder schwarze Zahlen in die Bücher eingetragen wurden.

Im vierten Quartal 2008 hatte die ING einen Verlust von 3,3 Mrd. Euro buchen müssen und rutschte deswegen mit dem Gesamtergebnis 2008 erstmals seit ihrem Bestehen in die roten Zahlen. Das ausführliche Quartalsergebnis I/2009 will die ING am 13. Mai publizieren.
Jan Hommen, der im Januar nach dem Rücktritt von Michel Tilmant die Führung der ING übernommen hat, kündigte im Rahmen der strategischen Neuorientierung ferner weitere gravierende Veränderungen an. So sollen die beiden wichtigsten Firmenteile, der Bankensektor und der Versicherungssektor, zwar weiterhin unter dem ING-Dach agieren aber als selbständige Teile und mit einem eigenen Management. ,,Ziel dieser Verselbständigung ist es, effektiver und kundenorientierter arbeiten zu können,‘‘ hob Hommen hervor.
In der Finanzbranche wird gemutmaßt, dass dies der erste Schritt zur Aufgabe des Allfinanzkonzepts sein könnte und dass die ING sich mittelfristig in eine Bank und in eine Versicherung aufspalten könnte. Die 1990 aus der Fusion der NMB Postbank und des Versicherers Nationale Nederlanden entstandene ING war bisher einer der wenigen Finanzkonzerne, denen es in der Vergangenheit gelungen ist, das Allfinanz-Konzept erfolgreich umzusetzen. Genährt werden die Spekulationen darüber, dass die ING dieses Modell des kombinierten Bank- und Versicherungsgeschäfts aufgeben könnte, durch Äußerungen des niederländischen Zentralbankpräsidenten Nout Wellink. Wellink stellte gerade fest, ,,dass das Allfinanzkonzept seine beste Zeit hinter sich hat.‘‘ Es passe nicht mehr in die durch die Finanzkrise völlig veränderten Marktverhältnisse, meint der niederländische Zentralbankpräsident.

 

ING -Logo

 

Außerdem will die ING im Rahmen der strategischen Neuausrichtung künftig zwischen zehn und 15 Firmentöchter verkaufen. Die geplante Desinvestitionen soll dem Finanzkonzern mindestens vier Mrd. Euro in die Kasse bringen. Die geplanten Firmenverkäufe sind nun mehr als doppelt so hoch als die ING im Februar bereits angekündigt hatte. Die Versicherungsparte ING Canada wurde bereits verkauft. Sie brachte 1,4 Mrd. Euro ein. Parallel dazu hat ING-Chef Jan Hommen, ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm eingeleitet. Es sieht unter anderem den Abbau von 7000 der insgesamt rund 120.000 Stellen vor. Auch wird die ING die Formel- 1 nicht mehr sponsern, wofür jährlich bis zu 100 Mio. Euro aufgewendet worden waren. Die Aktivitäten in der Ukraine werden eingestellt, die in Polen, Rumänien und der Türkei sollen dagegen ausgebaut werden. Nach Angaben von Jan Hommen will die ING ,,zurück zum Basisgeschäft in dem der Kunde und der Kundenservice wieder zentral stehen muss.‘‘ Schwerpunkt der ING-Aktivitäten solle künftig Europa und insbesondere die Benelux-Region sein. Die ING werde künftig nur noch auf den Märkten weiter präsent sein, wo sie im Banken- und Versicherungssektor eine Spitzenposition einnehme. Die Versicherungssparte solle sich auf das weniger risikovolle Lebens- und Pensionsgeschäft konzentrieren, insbesondere in den USA, kündigte Hommen an. Ferner werde in der Bankensparte das ING-Retailgeschäft mit dem der ING-Direkt-Bank fusioniert. Ein Verkauf der deutschen ING-Direktbank Diba sei ,,nicht geplant,‘‘ sagte Hommen und widersprach damit entsprechenden Berichten in deutschen Medien. Die deutsche ING-Diba sei und bleibe eine Kernaktivität. Hommen schloss aber nicht aus, ,,dass die ein oder andere ING Direkt-Tochter‘‘ verkauft werden könnte. Die ING-Diba ist neben der ING-Direkt USA mit rund sieben Millionen Kunden in Deutschland und Österreich die größte ING-Direktbankaktivität.
An der Amsterdamer Börse reagierten die Anleger erfreut auf die neue ING-Strategie. Die ING-Aktien legten  am 9. 4. 2009  um 10,33 % auf 5,80 Euro zu und avancierten bis zum 16.4.2009 auf 6,68 Euro. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen sind die ING-Aktien für 2009 mit einem KGV von   7  bewertet.

Die von Jan Hommen eingeleitete strategische Neuausrichtung des Allfinanzkonzerns ist erfolgreich angelaufen und wird beschleunigt fortgesetzt. Die ING-Aktien haben daher weiteres Kurspotenzial nach oben.  Die amerikanischen Hypotheken-Risikopapiere(Alt-A) sind mehrheitlich an den niederländischen Staat abgegeben worden. ING steht vor einem Neubeginn und reagiert mit der neu definierten  Strategie  adäquat auf die Finanzkrise.
9.4.2009

www.hetzelmedida.com; www.helmuthetzel.com

www.ing.com

 

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 16. April 2009 um 14:51 Uhr  
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