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Philips expandiert in Italien

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philips-chef Kleisterlee

Espresso pur - von Philips

Philips will italienischen Espressomaschinen-Hersteller Saeco kaufen

Konkurrenz mit Nestlé

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Philips ist auf Akquisitionskurs. Der niederländische Elektronikkonzern will den italienischen Espressomaschinen-Hersteller Saeco übernehmen. Eine Absichtserklärung (Letter of Intend) wurde bereits geschlossen. Aber der Deal ist noch nicht ganz rund, da die zuständige Kartellbehörde in Italien und die Banken der geplanten Übernahme noch zustimmen müssen. Denn nach vorsichtigen Schätzungen von Finanzanalysten hat Saeco bei verschiedenen Kreditinstituten einen Schuldenberg von 560 Mio. Euro angehäuft. Nach einem Bericht der italienischen Zeitung ,,Il Sole 24 Ore‘‘ müssen Banken wie die französische BNP Paribas, die Intesa Scanpaola und die UniCredit sowie die niederländische Rabobank zusammen rund 300 Mio. Euro an ausstehenden Krediten von Saeco abschreiben, wenn die Übernahme wie geplant zustande kommen soll. Demnach soll Philips bereit sein, 200 Mio. Euro in Cash für Saeco zu zahlen, 60 Mio. in die Reorganisation des Espressomaschinen-Herstellers zu investieren und nur einen Teil der Saeco-Schulden zu übernehmen. Der maximale Kaufpreis, den der niederländische Elektronikkonzern für Saeco überweisen will, beträgt angeblich 460 Mio. Euro. Das wird seitens Philips allerdings nicht bestätigt. Saeco schloss das gebrochene Buchjahr 2008/2009 per Ende März mit einem Umsatz von 318 Mio. Euro ab und beschäftigt 1400 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Bologna. Hauptaktionär an dem italienischen Espressomaschinenhersteller ist die Private Equity-Gesellschaft Pai Partners. Saeco ist auch bekannt für exklusive und futuristische Espresso-Maschinen. Der schweizerische Künstler und Designer Carlo Borer hat eine davon entworfen. Sie sieht aus wie eine Raumfähre.

Saeco vergibt außerdem Lizenzen zur Herstellung von Espresso-Maschinen an Branchenkonkurrenten wie Lavazza. Sowohl in Italien als auch in den übrigen europäischen Ländern ist Saeco mit seinem Espresso-Maschinen Marktführer.

Für Philips macht die Akquisition von Saeco Sinn. Denn die Niederländer sind mit ihrer Kaffeemaschine ,,Senseo‘‘ in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. Von ,,Senseo‘‘ wurden bisher weltweit mehr als 25 Millionen Exemplare verkauft. Doch der Verkaufserfolg von ,,Senseo‘‘ erhielt Anfang des Jahres einen Dämpfer als Philips einen kleinen Teil der Senseo-Kaffeemaschinen zurückrufen musste, weil sie möglicherweise brandgefährlich sein könnten.
Die Rückrufaktion kostet Philips etwa 30 Mio. Euro, schätzen Analysten.
Außerdem gelang es dem schweizerischen Konkurrenten Nestlé mit seinem ,,Nespresso-Konzept‘‘ mehr und mehr traditionelle Kaffeetrinker dazu zu bewegen, vom Filterkaffee auf Espressokaffee umzusteigen. In den traditionellen Espressoländern wie eben Italien konnte Philips mit seiner Senseo-Kaffeemaschine ohnehin nicht reüssieren. Gleiches gilt für die Schweiz. Denn der mit Senseo hergestellte Kaffee schmeckt wie Filterkaffee und nicht wie Espresso-Kaffee. Nun will Philips dieses Defizit durch die Übernahme von Saeco beheben und auch die Liebhaber der Espresso-Kaffeekultur bedienen.


Um die Lücke im Angebot der Consumer Lifestyle-Sparte zu schließen, ist Philips-Chef Gerard Kleisterlee offenbar bereit, einen hohen Preis zu bezahlen. Mehr noch: Kleisterlee bricht mit einem strategischen Prinzip. ,,Wir kaufen keine Firmen, die wir sanieren müssen,‘‘ sagte er in einem Interview mit unserer Zeitung. Nun aber tut er genau das. Denn Saeco ist ein Sanierungsfall. ,,Saeco passt zweifellos perfekt in die Consumer Lifestyle-Sparte von Philips. Aber die 460 Mio. Euro, die die Akquisition schätzungsweise kostet, das ist ein hoher Preis,‘‘ meint René Verhoef von den Fortis Securities. Unklar sei ferner ,,wie groß die Probleme von Saeco wirklich sind.‘‘ Ein ,,Stand-alone-Szenario war offenbar nicht mehr möglich.‘‘
Dass Philips-Chef Kleisterlee mit dem geplanten Kauf von Saeco nun den Unternehmensbereich Comsumer Lifestyle verstärkt, ist ebenfalls bemerkenswert. Denn bisher kaufte Kleisterlee hauptsächlich in den anderen beiden Philips-Geschäftsbereichen zu - der Lichtsparte und dem Sektor Medizinische Geräte und Systeme (Healthcare).


Die Philips-Aktien verloren an der negativ gestimmten Amsterdamer Börse am gestrigen Dienstag (25.5.2009)  bis zum Mittag 2,56 % und sanken auf 13,53 Euro. Viele Anleger scheinen den Preis, den Philips für Saeco bereit ist zu zahlen, wohl als zu hoch einzustufen. Außerdem stellt sich die Frage, ob die 60 Mio. Euro, die die Niederländer in die Reorganisation des Espressomaschinen-Herstellers investieren wollen, ausreichen werden, um Saeco wieder profitabel zu machen.

Die Philips-Titel sind auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen für das kommende Jahr 2010 mit einem KGV von 13 bewertet. Während der Vorlage des Geschäftsberichts für 2008 am 26. Januar hatte der Elektronikkonzern noch 3,6 Mrd. Euro an Cash in der Kasse und verfügte über eine Kreditlinie bei den Banken mit einem Volumen von 2,5 Mrd. Euro. Insofern kann sich Philips die Akquisition von Saeco leisten, ohne dass diese ein all zu großes Loch in der Kasse hinterlässt. Es bleibt aber abzuwarten, ob es gelingen wird, mit Saeco den Erfolg der Senseo-Kaffeemaschine zu wiederholen.

26.5.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 29. Mai 2009 um 14:29 Uhr  
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