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Bier-Betrug in Amsterdam

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Bier & Mädels

 

 

 Der Zapfhahn an der Theke in Amsterdam ist oft getürkt


Von HELMUT HETZEL

Amsterdam. Man stelle sich vor, man bestellt an
der Theke in seiner Stammkneipe ein Kölsch und man bekommt stattdessen ein Alt-Bier ausgeschenkt. Das wäre nicht nur eine Beleidigung für den Biertrinker - und für alle Kölsch-Trinker - der Gast würde das schon vor dem Trinken alleine an der Farbe des Bieres erkennen. Beim Pils wird das schon etwas schwieriger. Natürlich werden Biertrinker und - Kenner, den Unterschied zwischen einem Bitburger und einem Warsteiner herausschmecken. Gleiches gilt für ein Gösser Bier in Österreich oder ein Calanda in der Schweiz oder ein Driekirch in Luxemburg.

Ein Weizenbier ist auch sofort geschmacklich und schon vom Glas her in dem es präsentiert wird, erkennbar. Aber ist das Weizen jetzt ein,, Erdinger‘‘ oder wurde es in Weihenstephan gebraut? Das wird es schon schwieriger.


Kann der Biertrinker ein Heineken-Bier von einem Brand- oder Amstel-Bier unterscheiden, wenn er in Amsterdam in einer Kneipe ein kühles Blondes bestellt? Antwort: Die meisten Gäste können es nicht. Das wissen auch die Wirte. Darum werde manchen von ihnen zu Bier-Betrügern. In Amsterdam zumindest. Denn anstatt die klassischen niederländischen Biermarken wie Heineken, Grolsch, Amstel, Brand oder Gulpen auszuschenken, zapfen sie immer häufiger Billigbiere und B-Marken, die sie vor allem in Deutschland und Belgien preisgünstig einkaufen. Es sind Biere, die als ,,zweite Wahl‘‘ gelten, weil sie nicht aus einer bekannten Markenbrauerei kommen und die unter den Phantasie-Namen wie ,,Horeca-Bier‘‘ (Gastronomie-Bier), ,,Moos,‘‘ oder ,,JWC‘‘ in Holland angeboten und verkauft werden.


Diese B-Biere sind in der Regel viel billiger als ein Heineken oder ein Grolsch. Sie werden aber in Amsterdamer Kneipen und Cafés als solche gezapft und zu überhöhten Preisen als die echte A-Marke an die Gäste ausgeschenkt. Kurz: Man bestellt in Amsterdam ein Heineken-Bier und hat dann ein ,,Moos-Bier‘‘ im Glas.
,,Wir decken jährlich diesen Bierbetrug in mindestens 50 Kneipen in Amsterdam auf. Dort steht auf dem Zapfhahn zwar Heineken, aber das Bier, das dann aus dem Fass kommt, ist alles andere - nur kein Heineken-Bier,‘‘ sagt eine Sprecherin der größten holländischen und drittgrößten Brauerei der Welt, der Amsterdamer Heineken-Brauerei.

Becks - das Orginal

                                        Beck´s Bier - das Orginal


Allein im vergangenen Jahr seien 31.000 Fässer von ,,B-Markenbieren‘‘ wie ,,Moos‘‘ oder ,,Horeca-Bier‘‘ bei Kontrollen sichergestellt worden. ,,Damit hätte man rund eine halbe Million Gläser Bier zu überhöhten Preisen ausschenken können,‘‘ hat Heineken errechnet. Denn ein Wirt, der Billig-Bier anstatt Markenbier ausschenkt, der verdiene bis zu 50 Euro je Fass zusätzlich. Insgesamt, so schätzt Heineken, betrage der ,,Schwarzmarkt‘‘ für Bier in den Niederlanden etwa 2,3 Millionen Hektoliter jährlich. ,,Viele Menschen denken, sie haben ein Heineken-Bier im Glas, aber sie trinken dann oft etwas ganz anderes.‘‘


Die Amsterdamer Heineken-Brauerei hat angekündigt, dass sie gegen den sich immer weiter ausbreitenden Bierbetrug nun hart vorgehen will. Sie will auch Bier-Kontrolleure in die Kneipen schicken, die inkognito Bierproben mitnehmen, die dann in Labors analysiert werden, um festzustellen, ob aus dem Zapfhahn auf dem Heineken steht, auch Heineken-Bier fließt.


Der Bierbetrug in Amsterdam vor allem mit Heineken-Bier beweist aber auch, dass dieser bekannte Amsterdamer Gerstensaft keinen eigenen unverwechselbaren Geschmack zu haben scheint - sonst würden die meisten Biertrinker wohl sofort merken, dass sie anstatt einem Heineken ein ,,Moos-Bier‘‘ getrunken haben.

14.2.2010

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 21. Februar 2010 um 15:13 Uhr  
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