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EU-Krise: Der Euro auf der Kippe

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Der Euro
Hat der Euro eine Zukunft?  

 

Wie aus der Stabilitäts- eine Transferunion wurde


Von HELMUT HETZEL 

 

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat der deutschen Kanzlerin Angela Merkel das Messer auf die Brust gesetzt. Wenn es wahr ist, was spanische Medien berichten, dann soll Sarkozy beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ,,mit der Faust auf dem Tisch geschlagen‘‘ haben. Er drohte Merkel mit dem Austritt Frankreichs aus der Eurozone, schreibt die spanische Zeitung ,,El Pais.‘‘

 

Aber wenn in dieser verfahrenen finanziellen Krisen-Situation in der Euro-Zone, die mit der Griechenland-Tragödie begann, jemand aus der Eurozone austreten sollte, dann sind es doch wohl die Deutschen. Alle Verträge wurden gebrochen. Der Maastrichter Vertrag, der Stabilitätspakt, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank EZB mit Füßen getreten. Von der Idee, den Euro so stabil zu machen wie das einst die D-Mark oder der Gulden waren, ist nichts mehr übrig.

 

Es ist nun deutlich: EZB-Chef Jean-Claude Trichet läuft an der Leine von Nicolas Sarkozy. Die Franzosen haben sich auf ganzer Linie durchgesetzt, die Unabhängigkeit der EZB ist futsch. Paris dominiert den Euro. Paris bestimmt die Regeln – mit Brachialgewalt.

 

Aus der Stabilitätsgemeinschaft, die er Euro einmal war und bleiben sollte, ist jetzt eine Transfergemeinschaft geworden. Sarkozy hat das durchgesetzt. Deutschland zahlt.

 

Es sind vor allem Deutsche, Niederländer, Österreicher, Finnen, Luxemburger, sie zahlen die Zeche für die Pleitestaaten des Mittelmeerraumes, dem so genannten Club Med! Aber mit dem 750 Mrd. Euro Paket wurde nur Zeit gekauft! Strukturell sind die Probleme nicht gelöst.

 

Aber klar ist nun: Frankreich triumphiert auf ganzer Linie - Die Franzosen haben den Euro endlich unter ihrer Kontrolle. Sie haben ihr Ziel erreicht. Die Europäische Zentralbank EZB kann fortan politisch instrumentalisiert werden. Das ist es, was Paris immer wollte. Die EZB als politisches und wirtschaftliches Instrument.

 

Deutsche und Niederländer müssen am meisten blechen, wenn die Bürgschaften für die Kredite eines Tages fällig werden.

 

Wer ist EZB-Präsident? - Wer ist IMF-Präsident? - Richtig, jeweils ein Franzose. Das französische Trio Jean-Claude Trichet (EZB), Dominique Strauß-Kahn (IMF) und Nicolas Sarkozy haben die Gunst der Stunde genutzt, um aus dem Euro einen französischen Euro zu machen, will heißen einen weichen Euro.

 

EZB-Chef Trichet hat – auf Druck von Paris - die Geldpresse angeworfen. Er kauft jetzt auch griechische ,,Schrottpapiere,‘‘ also griechische Staatsanleihen, die laut Rating einen ,,Junk-Status‘‘ haben. Folge: Bald kommt die Inflation.

 

Der Niederländer Wim Duisenberg, der erste EZB-Chef, sagte in einem Interview mit HM HetzelMedia einst:

 ,,Ich werde im EZB-Rat nie abstimmen lassen, denn das ist kontraproduktiv und reißt nur tiefe Gräben auf.''

 

Sein Nachfolger Jean-Claude Trichet hat in einer Kampfabstimmung die französische Linie per Mehrheitsvotum im EZB-Rat knallhart durchgesetzt. Er hat damit den Anfang vom Ende des Euro eingeleitet.

 

Wenn die deutsche Bevölkerung nicht mehr mitmacht und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung verliert, ist der Euro tot. Und die Wut wächst in Deutschland - aber auch in den Niederlanden. Alle Dämme sind gebrochen.

 

Die Büchse der Pandora ist nun endgültig auf!

 

 

 


Der Anfang vom Ende des EURO?

 

Von Bert Flossbach

Die EZB bzw. die EU haben heute mit ihrer wohlmeinenden Rettungsaktion den Anfang vom Ende des Euros (in seiner jetzigen Form) eingeleitet. Nachdem der Stabilitätspakt von Maastricht bereits ad acta gelegt wurde, die EZB inzwischen Euro-Staatsanleihen mit Schrottstatus als Pfand akzeptiert, sind nun alle Dämme gebrochen. Die Liquiditätsflut löscht nicht nur das Feuer, sie setzt das ganze Land unter Wasser. Ein Zurück gibt es nun nicht mehr. Entgegen aller Aussagen der Politik und der Notenbanker und wider aller rechtlichen Grundlagen stellen EU und IWF 750 Mrd. € für Länder bereit, denen Investoren kein Geld mehr leihen wollen. Wieder einmal ein Plan, der absolut „alternativlos" ist.


Jetzt ist es wenigstens amtlich. Am Ende soll Deutschland ggf. mit einigen anderen
Kernländern für die Schulden aller Länder gerade stehen. Die Anleihen der Wackelkandidaten sind jetzt EU-gesichert. Warum sollte man eigentlich noch niedrig verzinsliche Deutsche Bundesanleihen kaufen, wenn es 8 Prozent für Griechenanleihen gibt, ab heute mit deutscher Patronatserklärung. Eigentlich müsste jeder Bundesbürger eine Bank gründen. Aber die Lizenz für ein solch lukratives Kasino ist leider nicht so einfach zu erhalten.


Das Rettungspaket verhöhnt die Stabilitätskriterien des Euros und die Sanktionsmechanismen für Stabilitätsabweichler. Es belohnt Fehlverhalten statt es zu bestrafen und es dürfte ohnehin nicht reichen.

 

Bis Ende 2012 werden allein in den fünf „PIIGS" Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) Anleihen und Zinsen von
1.166 Mrd. € fällig. Zusätzlich müssen diese Länder nach unseren Schätzungen noch 300 bis 400 Mrd. € neue Defizite finanzieren. Die Summe aller ausstehenden Anleihen dieser fünf Länder beläuft sich auf rund 3.000 Mrd. €.


Welche Implikationen ergeben sich aus dem neuen Rettungspaket?


Die Geldwertstabilität ist bestenfalls noch ein Lippenbekenntnis der EZB. Die EU bzw.
EZB haben einen Blankoscheck ausgestellt. Egal was kommt, wir stehen für alles ein!
Zunächst einmal hilft man nur den Gläubigern der Wackelkandidaten. Der "Moral
Hazard Trade" hat sich für Investoren, allen voran die (griechischen) Banken wieder
einmal als lukrativ erwiesen.
Damit macht es für die Banken weiterhin Sinn, sich bei der EZB Geld für 1 Prozent zu
leihen und in höherverzinsliche Anleihen der Geretteten zu investieren. Kredite an die
Wirtschaft bleiben unattraktiv. Der Mittelständler reibt sich die Augen.
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Die eingeforderten Sparmaßnahmen der Defizitsünder (also fast aller EU-Staaten) wirkt
konjunkturdämpfend und macht ein unmittelbares Anziehen der Inflation
unwahrscheinlich. Damit kann die EZB auch weiterhin ihre lockere Geldpolitik
begründen und die Zinsen niedrig halten. Das ist auch deshalb wichtig, weil steigende Zinsen den hochverschuldeten Staaten eine untragbare Zinslast aufbürden würden und  die Refinanzierungskosten der Retter erhöhen.
Sobald die Bürger erkennen, dass sich die EU bzw. die EZB in einem Teufelskreis  befinden, aus dem sie sich nur noch mit Inflation und fiskalischen Tricks befreien können, wird eine Flucht in Sachwerte einsetzen. Diese kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Die Inflation steigt, was wiederum höhere Inflationserwartungen  schürt. Dann kauft man Gold, Häuser, Autos oder andere langlebige Wirtschaftsgüter. Das treibt nicht nur die Preise von Sachanlagen, sondern auch die  Güterpreise.

Kurzfristig scheinen die heute verkündeten Maßnahmen zu wirken. Der Euro steigt, Gold fällt und die Anleiherenditen der Wackelkandidaten sinken. Dies könnte sich schon bald ändern, wenn die Investoren die Konsequenzen dieser erneut „alternativlosen" Hilfe zu erkennen beginnen.

Die USA haben es mit dem Ankauf von US-Staatsanleihen und vor allem dem Kauf von  immobilienbesicherten Anleihen der quasi staatlichen Institute Fannie Mae und Freddie Mac vorgemacht.

Die Bilanzsumme der Fed ist innerhalb von wenigen Monaten von 900  Mrd. Dollar auf 2.300 Mrd. explodiert und der Dollar hat von November 2008 bis November  2009 mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

10. Mai 2010

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 23. Mai 2010 um 10:44 Uhr  
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