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Analytik Jena will Verder Gruppe nicht

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Blühende Landschaften - in den Niederlanden

Blühende Landschaft

 

Investitionssperre: Niederländisches Unternehmen will in Thüringen investieren und wird ausgebremst

Von HELMUT HETZEL

Helmut Kohl hat den einstigen DDR-Bürgern vor der Wiedervereinigung ,,blühende Landschaften‘‘ versprochen. Mancherorts im Osten Deutschlands sind diese inzwischen entstanden. Andernorts aber scheint auch mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands die alte planwirtschaftliche Mentalität zu herrschen. So verhindern persönlicher und politischer Machterhalt in Thüringen neue Investitionen, die neue blühende Landschaften schaffen könnten. Dort blockieren Manager und Politiker nach dem alten DDR-Seilschaftsprinzip neue Investitionen aus dem Ausland. So wird ein niederländisches Unternehmen, das in Thüringen kräftig investieren will, von den dortigen Verantwortlichen und der Politik ausgebremst.
Es geht um die Verder Gruppe. Die Verder Gruppe ist eine finanzstarke private Unternehmensgruppe in Familienbesitz mit Hauptsitz im niederländischen Vleuten bei Utrecht. Verder stellt hauptsächlich Industriepumpen und Laborgeräte her. Zu Verder gehört auch die in Nordrhein-Westfalen ansässige Retsch GmbH, die auf dem Gebiet der Laborprobenvorbereitung Weltmarktführer ist. Geleitet wird die vor 50 Jahren gegründete Verder Gruppe von Andries Verder, dem Sohn des Firmengründers und heutigem Alleingesellschafter.

Andries Verder hat Interesse an Analytik Jena

Vor etwa drei Jahren hielt Verder eine Minderheitsbeteiligung von knapp 10 % an der börsennotierten Analytik Jena AG, die von CEO Klaus Berka geführt wird. Die Niederländer hatten großes Interesse daran, diese Minderheitsbeteiligung an der Analytik Jena AG (AJ) weiter auszubauen. Verder wollte in diesem Zuge ein 10,4prozentiges Aktienpaket an der Analytik Jena AG von der staatlichen BMT Beteiligungsgesellschaft Thüringen GmbH übernehmen.

Im Zuge der Transaktion sollte auch die Zusammenarbeit mit der Thüringer High Tech-Firma AJ und der Verder Gruppe intensiviert werden. ,,Da Produktüberschneidungen zwischen den beiden Unternehmen - der Verder und der Analytik Jena - nicht vorhanden sind, gehen wir davon aus, dass in Deutschland keine Synergieeffekte zu realisieren sind. Um das Unternehmensergebnis der Analytik Jena (AJ) weiter zu verbessern, ist vielmehr eine intensive Kooperation zwischen dem Management beider Unternehmen nötig. Es ist unsere eindeutige Absicht und unser Wunsch, die Unternehmenszentrale am Standort Jena zu belassen, da das Unternehmen dort auf eine exzellente Infrastruktur zurückgreifen kann.‘‘ Diese Sätze schrieb Verder-CEO Andries Verder an die Thüringer BMT Beteiligungsgesellschaft und an den Wirtschaftsminister.

Verder legte dem AJ-Chef Klaus Berka am 23. Sept. 2008 sogar eine Offerte für den Kauf größerer Aktienpakete vor. Kaufpreis: 7,50 Euro je Analytik Jena AG-Aktie, die damals zum Preis von 6,71 Euro gehandelt wurde. Die Niederländer waren also bereit, eine Prämie von 18 % zu zahlen, die den Aktionären und dem Unternehmen zugute gekommen wäre. Doch der Deal kam nicht zustande. Mehr noch: Anstatt die Offerte der Niederländer von 7,50 Euro je Analytik-Jena AG-Aktie zu akzeptieren, führte AJ am 28. Januar 2009 eine Kapitalerhöhung durch und begab neue Aktien zu einem Emissionspreis von nur 6,32 Euro, als die AJ-Titel an der Börse 6,39 Euro kosteten und nachdem Verder 7,50 Euro je Aktie dafür geboten hatte. Käufer dieser Aktien war die Thüringer Aufbaubank über ihren Fonds BMT.

Mit der Kapitalerhöhung bremste Klaus Berka die Niederländer aus. Berka schrieb an Andries Verder: ,,Ihr Bestreben ist es, sukzessive die Mehrheit des Unternehmens zu erwerben, um die AJ gegebenenfalls auch wieder privatisieren zu können. Diese Konstellation steht im Widerspruch zu meinen Vorstellungen,‘‘ unterstellte Berka den Niederländern. Der Briefwechsel liegt der Redaktion vor.
Andries Verder hält dem entgegen: ,,Unser Bestreben ist es, gerade die AJ vom Ausbau unserer internationalen Labor-Aktivitäten profitieren zu lassen.‘‘ Die AJ könne allem von der internationalen Struktur der Verder Gruppe profitieren und schneller international expandieren.

Rückendeckung

Rückendeckung gegen ein stärkeres Engagement der Niederländer an der Analytik Jena (AJ) erhält AJ-Chef Berka offenbar noch immer direkt von der Thüringer Aufbaubank BMT und damit von Thüringer Wirtschaftsministerium, unter das die BMT fällt. Es drängt sich die Schlussfolgerung regelrecht auf, dass auch das Thüringer Wirtschaftsministerium die sinnvolle, attraktive und aus wirtschaftlicher Hinsicht vielversprechende Kooperation zwischen der niederländischen Verder Gruppe und der Analytik Jena verhindert, obwohl beide Unternehmen, wenn sie enger kooperieren würden nach Meinung von Branchenkennern ein ,,perfect match‘‘ wären. Verder und AJ könnten gemeinsam international kraftvoll expandieren. Das würde wohl auch in Jena neue Arbeitsplätze schaffen. Apropos: Blühende Landschaften - so werden sie in Thüringen verhindert.

Links:

www.verder.com

www.analytik-jena.de

 

9.8.2011

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 18. August 2011 um 15:57 Uhr  
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