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Flämische Regierung rettet KBC-Bank

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Von HELMUT HETZEL
 
Antwerpen. Die Krisensitzung dauerte die ganze Nacht. Dann endlich erklärte sich die flämische Regierung bereit, der belgischen Großbank KBC erneut unter die Arme zu greifen. Die KBC Gruppe erhält von der flämischen Regionalregierung zur Verstärkung ihres Eigenkapitals weitere zwei Milliarden Euro. Ferner hat die KBC eine Option, um in den kommenden fünf Jahren weitere 1,5 Mrd. Euro in Form von Kreditfazilitäten von der flämischen Regierung anzufordern. Im Gegenzug erhält Flandern nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien der KBC und zwei Sitze von Regierungsvertretern im Aufsichtsrat. Aber die KBC bleibt selbständig. Die Rettungsaktion für die KBC, die der flämische Ministerpräsident Kris Peeters am Donnerstag persönlich bekannt gab, stoppte den Kursverfall der KBC-Aktien, die in den vergangenen Tagen rund 60 % ihres Wertes verloren hatten. Im Laufe des Handels zogen sie am gestrigen Donnerstag an der Brüsseler Börse zeitweise um 24 % auf 10,74 Euro an, nachdem sie am Vortag den historischen Tiefpunkt von 7,50 Euro je Anteilschein erreicht hatten.


 
Die KBC teilte mit, dass sie die staatliche Kapitalspritze zur Stärkung der Eigenkapitaldecke verwenden wolle. Gleichzeitig solle Tabula rasa gemacht werden und werden alle faulen Anlageprodukte abgeschrieben. Das habe Wertberichtigungen in Höhe von 2,5 Mrd. Euro zur Folge. Dieser hohe Wertberichtigungsbedarf frisst den gesamten operativen Gewinn der KBC des Jahres 2008 auf, der sich nach Angaben der KBC auf 2,2 Mrd. Euro beläuft, so dass 2008 voraussichtlich mit roten Zahlen abgeschlossen werden muss.
KBC-Vorstandschef André Bergen kommentierte die genommenen Maßnahmen mit den Worten: ,,Wir sind jetzt sehr weit gegangen. Diese Maßnahmen werden Effekt haben. Mehr können wir nicht mehr tun.‘‘
Der flämische Ministerpräsident Kris Peeters betonte: ,,Es ist für unsere Wirtschaft wichtig,  dass wir diese Krise nicht nur überstehen, sondern dass wir sie überstehen mit einer funktionierenden Großbank, die unsere Ökonomie weiterhin mit Krediten bedienen kann.‘‘
Die KBC hatte die aktuelle internationale Finanzmarktkrise bisher relativ gut überstanden, besser jedenfalls als die anderen belgischen Branchenkonkurrenten wie etwa Fortis oder Dexia. Erst als die Ratingagentur Moody’s in der vergangenen Woche einen negativen Rapport über die KBC publizierte, begann der drastische Kursverfall der KBC-Aktien, der durch die nun erfolgte Rettungsaktion jedoch gestoppt werden konnte. Positiv an der Intervention der flämischen Regierung ist auch, dass die KBC – anders als Fortis – nicht verstaatlicht wird, sondern als Privatbank selbständig bleiben kann. Es ist die zweite staatliche Kapitalspritze, die die KBC erhalten hat. Es flossen ihr bereits  einmal 3,5 Mrd. Euro aus Steuergeldern zu.
 
 
/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 10. Februar 2009 um 01:01 Uhr  
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