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Jan Hommen baut eine neue ING/Rückbesinnung auf Sparen und Investieren/Rückzug aus zahlreichen Märkten/1,0 Mrd.

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Jan Hommen baut eine neue ING/Rückbesinnung auf Sparen und Investieren/Rückzug aus zahlreichen Märkten/1,0 Mrd. Euro sollen gespart werden/Neuer CFO ,,in wenigen Tagen‘‘

Von HELMUT HETZEL

Amsterdam. Völlig neue Töne hört man derzeit beim niederländischen Allfinanzkonzern ING. Der Banken- und Versicherungskonzern stellt künftig die Kundenbetreuung, das Sparen und die Investitionen an Firmen wieder in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Die ING will schrumpfen statt wachsen.

,,Wir müssen die Komplexität des Konzerns verringern. Die Organisation muss einfacher, überschaubarer und transparenter werden. Bisher waren wir, wie viele andere Finanzinstitute auch, zu sehr auf Transaktionen gerichtet.‘‘

Das ist die neue Strategie, die der Aufsichtsratsvorsitzende und designierte Chief Executive Officer (CEO) der ING, Jan Hommen, auf der Bilanzpressekonferenz des Finanzdienstleisters in Amsterdam ankündigte. Unter Hommens Leitung, der de facto seit Januar nach dem überraschenden Rücktritt von Michel Tilmant die ING bereits führt, soll die ING schlanker und wieder profitabel werden. Daher werde sich der Allfinanzkonzern aus einigen Märkten völlig zurückziehen. Die Basis der ING, nämlich das Allfinanzkonzept, will Hommen derzeit (noch) nicht aufgeben. ,,Beide Bereiche, das Bank- und das Versicherungsgeschäft haben eine Zukunft unter dem ING-Dach,‘‘ sagte er. ,,Aber wir werden das von Land zu Land prüfen.‘‘ Der Sanierer Hommen, der ,,die ING durch die Krise navigieren will,‘‘ wie er sagte, will auch zahlreiche Tochterunternehmungen verkaufen. Vom Versicherungsgeschäft in Taiwan und in Kanada hat sich die ING bereits verabschiedet. Der geplante Start der ING-Direktbank in Japan und in der Ukraine wurde abgeblasen. Nun durchleuchtet Hommen das gesamte ING-Portfolio auf der Suche nach weiteren Desinvestitionsmöglichkeiten. ,,Wir werden unser Geschäft fokussieren und uns auf die Märkte konzentrieren auf denen wir stark sind und wo wir Geld verdienen können.‘‘ Über Firmenverkäufe will der designierte neue ING-Vorstandschef, dessen Berufung auf der Generalversammlung im April von den Aktionären noch bestätigt werden muss, in diesem Jahr zwischen zwei und drei Milliarden Euro erlösen. Ferner legt die ING unter Hommen's Leitung ein Sparprogramm auf, das in 2009 Kostensenkungen von rund einer Milliarde Euro bringen soll. Im Zuge dieser Reorganisation werden weltweit insgesamt 7.000 der insgesamt 125.000 Stellen abgebaut. Die meisten im Versicherungssektor in den USA.

Wie die neue ING aussehen wird, nachdem sie durch die Krise navigiert wurde, das konnte Hommen zwar noch nicht definieren, ,,dafür ist es noch zu früh, aber wir evaluieren momentan alle Möglichkeiten und schließen nichts aus,‘‘ sagte er. Das impliziert auch, dass der mögliche Verkauf der Internetbank ING-Direkt - oder Teile davon -, die ein Vermögen von rund 200 Mrd. Euro verwaltet, eine Option sein könnte. Ein wichtiger Pfeiler der neuen Strategie sei die Risiko-Minimierung und die Verbesserung der eigenen Finanzposition. Die Kernkapitalquote für die ING-Gruppe (Tier 1 Ratio) betrage derzeit 7,6 %. Sie solle weiter verbessert werden. Aber neue staatliche Finanzspritzen brauche die ING nicht. Im Oktober 2008 hatte die ING von der Haager Regierung eine Finanzhilfe von 10 Mrd. Euro erhalten. Mittelfristig soll die Bilanzsumme, die derzeit mehr als eine Billion Euro beträgt, um rund 10 % reduziert werden.

Im vergangenen Jahr musste die ING zum ersten Mal in ihrer Geschichte rote Zahlen schreiben. Der Fehlbetrag für 2008 beträgt 729 Mio. Euro. zum Vergleich: In 2007 hatte die ING noch einen Nettoüberschuss von 9,2 Mrd. Euro erwirtschaftet. Besonders schlimm aber hat es die ING im letzten Quartal 2008 erwischt. In diesem Zeitraum fiel ein Verlust von 3,711 Mrd. Euro an (Vorjahr. + 2,5 Mrd. Euro), was die ING allerdings bereits bekannt gegeben hatte. Auf die Frage, ob das Jahr 2009 genau so schlecht begonnen habe wie das zurückliegende endete, antwortete der scheidende Finanzvorstand John Hele: ,,Es ist zu früh, um das jetzt schon beurteilen zu können.‘‘ Es gebe aber keinen Kapitalabfluss. ING-Chef Hommen kündigte an, dass die Nachfolge von Hele ,,in einigen Tagen‘‘ geregelt sei und der Name des Hele-Nachfolgers dann sofort bekannt gegeben werde.

Von dem neuen Betrugsskandal, der sich um die amerikanische Stanford International Bank rankt, sei die ING nur marginal betroffen. Über Dritte sei man in Standford mit maximal drei Mio. Euro engagiert, behauptet ING-Risiko-Manager Koos Timmermans. Er gab auch an, dass die ING, nachdem sie 80 % ihrer amerikanischen Alt-A-Hypotheken ausgegliedert und an den niederländischen Staat abgetreten hat, mit den restlichen 20 % noch eine Investition in Höhe von rund 3,8 Mrd. Euro in diese mehr oder weniger maroden US-Hypotheken habe, von denen man nicht weiß, ob man sie je wieder versilbern kann.

Die Anleger scheinen von der neuen Strategie noch nicht überzeugt zu sein. Denn die ING-Aktien verloren am Donnerstag 2,62 % und sanken auf 4,84 Euro, ein historischer Tiefststand. Von Finanztiteln sollten Anleger weiterhin die Finger lassen.

 

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 00:57 Uhr  
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