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Ein Lichtblick in der Krise: Reed Elsevier überrascht positiv

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Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Crispin Davis hat sein Haus bestellt. Der scheidende Vorstandsvorsitzende des niederländisch-britischen Wissenschaftsverlags Reed Elsevier, der im kommenden Monat von Ian Smith abgelöst werden wird, präsentierte für 2008 ein überraschend gutes Ergebnis. Sogar für 2009 ist er verhalten optimistisch. Reed Elsevier trotzt der Krise, obwohl der Multimediaverlag sich dem wirtschaftlichen Abschwung auch nicht völlig entziehen können wird. Dennoch ist Reed Elsevier in dem schwierigen Marktumfeld eine Art Fels in der Brandung.

Die Umsätze des binationalen Fachverlages stiegen in 2008 um 16 % auf 5,3 Mrd. Pfund und das angepasste operative Betriebsergebnis vor Steuern erhöhte sich um 24 % auf 1,38 Mrd. Pfund oder 0,45 Pfund je Aktie.

Das Ergebnis fällt allerdings währungsbedingt in britischen Pfund wesentlich besser aus als umgerechnet in Euro, da die britische Währung gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten enorm an Wert verloren hat. In Euro ausgedrückt blieben die Umsätze des Verlagshauses im vergangenen Jahr mit 6,7 Mrd. Euro konstant. Aber auch in Euro gerechnet stieg das operative Bruttoresultat der Verlagsgruppe in 2008 um 5 % auf 1,7 Mrd. Euro und übertraf damit bei weitem die Markterwartungen. Am Markt besonders positiv bewertet wurde das organische Wachstum des Medienkonzerns, das im vergangenen Jahr um 4 % zulegte und insbesondere von den guten Geschäften der Internet-Datenbank Nexis Lexis getragen wurde, die den Betriebsgewinn um 9 % auf 646 Mio. Euro steigern konnte.

,,Trotz der Krise befindet sich Reed Elsevier in einer hervorragenden Ausgangsposition,‘‘ sagte der designierte neue Chief Executive Officer (CEO) von Reed Elsevier Ian Smith an der Seite seines Vorgängers Crispin Davis. Er und Davis kündigten jedoch gemeinsam an, dass das laufende Kostensenkungsprogramm beschleunigt durchgeführt werden müsse, um die Profitabilität auch in diesem Jahr halten zu können. Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr gaben die beiden Manager jedoch nicht ab. Davis betonte aber, dass auch Reed Elsevier ,,nicht immun‘‘ gegen die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage sei. Mit der Datenbank Lexis Nexis, die inzwischen rund 80 % des angepassten operativen Betriebsergebnisses generiere, sei Reed Elsevier jedoch gut positioniert und relativ krisenbeständig. ,,Wir registrieren noch immer eine steigende Nachfrage nach unseren Online-Produkten und -Lösungen,‘‘ sagte Davis.

Der scheidende Reed-Elsevier-CEO Davis ging auch ausführlich auf die noch nicht realisierten Verkaufspläne der Sparte Business Information (Fachzeitschriften) ein. ,,Wir hatten sie eigentlich in 2008 abstoßen wollen. Aber die sich rapide verschlechternden Marktverhältnisse machten das unmöglich. Wir müssen nun auf bessere Zeiten warten.‘‘

Zu Reed Business International gehören weltweit 700 Zeitschriftentitel.

In den Niederlanden gibt Reed Business beispielsweise das tonangebende wöchentlich erscheinende Meinungsmagazin ,,Elsevier‘‘ heraus. Außerdem verlegt es Fachzeitschriften wie FEM Business, Boerderij (Bauernhof), Zibb oder Total-Jobs. In den USA gehören Zeitschriften wie Variety zu Reed Elsevier Business, in Asien das Food Journal, in Großbritannien und Kanada zahlreiche Fachzeitschriften für die Baubranche und den Computersektor wie etwa die Electronic News Asia.

Der Investitionsschwerpunkt des Medienkonzerns werde auch in Zukunft hauptsächlich im digitalen Bereich und damit im Internet Business liegen, betonte Davis. Die Sparte Reed Business werde nun reorganisiert, um sie für den bevorstehenden Verkauf attraktiver zu machen. Das laufende Reorganisationsprogramm habe ein Kostensenkungspotenzial von rund 220 Mio. Euro.

Da der Verkauf der Fachzeitschriftensparte noch nicht realisiert werden konnte, musste Reed Elsevier neue Kredite mit einem Volumen von 2,0 Mrd. Dollar aufnehmen. Sie haben eine Laufzeit von 2010 bis Mai 2012 und sind in verschiedenen Währungen von verschiedenen Banken gewährt worden. Damit ist das Medienhaus für die nächsten zweieinhalb Jahr neu refinanziert. Die Refinanzierung wurde nötig, weil der

Medienkonzern im vergangenen Jahr zum Preis von 4,1 Milliarden Dollar die amerikanische Datenhandelsfirma Choice Point Inc. akquirierte. Diese Akquisition sollte eigentlich teilweise mit dem Verkauf der Fachzeitschriftensparte (Business) finanziert werden.

An der Amsterdamer Börse reagierten die Anleger sehr erfreut auf das von Reed Elsevier präsentierte Ergebnis. Die Titel legten am Donnerstag um rund 5 % auf 9,41 Euro zu, mussten aber am Freitag in einem sehr schwachen Marktumfeld um 2,5 % auf 9,18 Euro zurückgenommen werden.

Positiv stimmte die Anleger, dass die Dividendenzahlungen für 2008 beibehalten werden. Für die Aktionäre der britischen Reed plc erhöht sich die Dividendenausschüttung für 2008 um 12 % auf 0,223 Pfund. Die Anteilseigner der niederländischen Elsevier NV erhalten für 2008 eine um 5 % auf 0,404 Euro je Aktie gesunkene Dividende.

Auf Basis der aktuellen Gewinnprognosen sind die Titel mit einem KGV von 12 für 2009 und 11 für 2010 bewertet. Das Verlagshaus Reed Elsevier präsentiert sich derzeit als relativ krisenbeständig. Die Medienaktien sind daher für langfristig orientierte Anleger attraktiv. Derzeit als sicherer Hafen und bei einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung haben sie weiteres Kurspotenzial. Ein Einstieg ist daher derzeit zu empfehlen.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 01:01 Uhr  
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