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Wirtschaft


World Congress on Information Technology 2010

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world congress on informnation technology

Weltkongress über ICT in Amsterdam 2010

Challenges of Change

 

 

WCIT2010 Amsterdam

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der 17. Weltkongress über Informations- und Kommunikationstechnologie (WCIT) wird im kommenden Jahr in Amsterdam stattfinden.

( Please see below  the English version).

,,Wir sind sehr stolz, dass wir diese Olympiade der Informationstechnologie in unserem Land ausrichten können,‘‘ sagte Frank Heemskerk, Außenhandelsminister der Niederlande während der Ankündigung des WCIT-Kongresses, der exakt in einem Jahr vom 25. Bis 27. Mai 2010 in Amsterdam stattfinden wird. An dem WCIT-Kongress, der alle zwei Jahre stattfindet, werden voraussichtlich 2500 Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker aus 80 Ländern teilnehmen. Als prominente Gastredner sind eingeladen: Microsoft-Gründer Bill Gates, Arnold Schwarzenegger, der Gouverneur von Kalifornien, und Kofi Annan, der ehemalige UN-Generalsekretär. Das Thema des Kongresses wird sein: ,,Challenges of Change‘‘ - die Herausforderungen des Wandels. ,,Das ist ein sehr aktuelles Thema angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise,‘‘ stellt der WICT-Vorsitzende Coks Stoffer fest. ,,Der Nachdruck des Kongresses wird allerdings auf der Anwendung der neuen ICT-Möglichkeiten in der Wirtschaft und der Gesellschaft liegen,‘‘ hält der WICT-Präsident im Gespräch mit HetzelMedia fest. ,,Es wird um Energie, um Sicherheit, um die kreativen Industrien, Wassermanagement, Mobilität und vieles mehr gehen. So gut wie alle namhaften Firmen aus dem IT-Sektor werden in Amsterdam im kommenden Jahr vertreten sein. Die meisten kommen aus Europa, den USA und Asien.‘‘

Der verstärkte Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) ,,kann eine Stimulans zur Überwindung der aktuellen globalen Wirtschaftskrise sein. Die Regierungen, die derzeit Milliarden in die Wirtschaft pumpen, sollten dies bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen,‘‘ fordert Dato Khan E. Koo, der Vorsitzende der ,,World Information Technology Alliance (Witsa), die in Kooperation mit dem niederländischen Wirtschaftsministerium und der Stadt Amsterdam den WCIT-Kongress 2010 organisiert und die gerade ihre Jahrestagung in Den Haag abhielt.
28.5.2009

 

About WCIT 2010


,,It is with great pride and excitement that The Netherlands hosts WITSA's 17th World Congress on Information Technology (WCIT). We have great ambitions and developed an inspiring theme: Challenges of Change that will strengthen the long-term impact and value of the World Congress on Information Technology.

Coming to WCIT 2010 in Amsterdam means among other things:

• Meeting the most influential and innovative minds in business, politics and academia from all global regions

• Reviewing issues of global importance and participate in defining how change can be realized and even accelerated through the application of IT leading to a better, safer and opportunity-rich world

• Identifying business opportunities and doing business

• Learning about the "Dutch approach" and find out why the Dutch cabinet has named ICT as the Axis of Innovation

• Getting insight in the success of the Dutch knowledge economy, with an estimated 25% of the Dutch labour force working as knowledge workers, and with a focus on the application of IT in all segments of Dutch economy

• Learning about the results of the European i2010 Program, a key element of the Lisbon Strategy for growth and development,, says the Dutch  Minister for Foreign Trade Frank Heemskerk on a presentation of the WCIT-event in The Hague on May 27, 2009, exact on year ahead bevor the event wil start in Amsterdam.

 

Information and Technology

 

More Information:

www.wcit2010.org 

and

Bianca Schmalgemeijer: +31-636 00 83 10

e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 29. Mai 2009 um 18:06 Uhr
 

Philips expandiert in Italien

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philips-chef Kleisterlee

Espresso pur - von Philips

Philips will italienischen Espressomaschinen-Hersteller Saeco kaufen

Konkurrenz mit Nestlé

 

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Philips ist auf Akquisitionskurs. Der niederländische Elektronikkonzern will den italienischen Espressomaschinen-Hersteller Saeco übernehmen. Eine Absichtserklärung (Letter of Intend) wurde bereits geschlossen. Aber der Deal ist noch nicht ganz rund, da die zuständige Kartellbehörde in Italien und die Banken der geplanten Übernahme noch zustimmen müssen. Denn nach vorsichtigen Schätzungen von Finanzanalysten hat Saeco bei verschiedenen Kreditinstituten einen Schuldenberg von 560 Mio. Euro angehäuft. Nach einem Bericht der italienischen Zeitung ,,Il Sole 24 Ore‘‘ müssen Banken wie die französische BNP Paribas, die Intesa Scanpaola und die UniCredit sowie die niederländische Rabobank zusammen rund 300 Mio. Euro an ausstehenden Krediten von Saeco abschreiben, wenn die Übernahme wie geplant zustande kommen soll. Demnach soll Philips bereit sein, 200 Mio. Euro in Cash für Saeco zu zahlen, 60 Mio. in die Reorganisation des Espressomaschinen-Herstellers zu investieren und nur einen Teil der Saeco-Schulden zu übernehmen. Der maximale Kaufpreis, den der niederländische Elektronikkonzern für Saeco überweisen will, beträgt angeblich 460 Mio. Euro. Das wird seitens Philips allerdings nicht bestätigt. Saeco schloss das gebrochene Buchjahr 2008/2009 per Ende März mit einem Umsatz von 318 Mio. Euro ab und beschäftigt 1400 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Bologna. Hauptaktionär an dem italienischen Espressomaschinenhersteller ist die Private Equity-Gesellschaft Pai Partners. Saeco ist auch bekannt für exklusive und futuristische Espresso-Maschinen. Der schweizerische Künstler und Designer Carlo Borer hat eine davon entworfen. Sie sieht aus wie eine Raumfähre.

Saeco vergibt außerdem Lizenzen zur Herstellung von Espresso-Maschinen an Branchenkonkurrenten wie Lavazza. Sowohl in Italien als auch in den übrigen europäischen Ländern ist Saeco mit seinem Espresso-Maschinen Marktführer.

Für Philips macht die Akquisition von Saeco Sinn. Denn die Niederländer sind mit ihrer Kaffeemaschine ,,Senseo‘‘ in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. Von ,,Senseo‘‘ wurden bisher weltweit mehr als 25 Millionen Exemplare verkauft. Doch der Verkaufserfolg von ,,Senseo‘‘ erhielt Anfang des Jahres einen Dämpfer als Philips einen kleinen Teil der Senseo-Kaffeemaschinen zurückrufen musste, weil sie möglicherweise brandgefährlich sein könnten.
Die Rückrufaktion kostet Philips etwa 30 Mio. Euro, schätzen Analysten.
Außerdem gelang es dem schweizerischen Konkurrenten Nestlé mit seinem ,,Nespresso-Konzept‘‘ mehr und mehr traditionelle Kaffeetrinker dazu zu bewegen, vom Filterkaffee auf Espressokaffee umzusteigen. In den traditionellen Espressoländern wie eben Italien konnte Philips mit seiner Senseo-Kaffeemaschine ohnehin nicht reüssieren. Gleiches gilt für die Schweiz. Denn der mit Senseo hergestellte Kaffee schmeckt wie Filterkaffee und nicht wie Espresso-Kaffee. Nun will Philips dieses Defizit durch die Übernahme von Saeco beheben und auch die Liebhaber der Espresso-Kaffeekultur bedienen.


Um die Lücke im Angebot der Consumer Lifestyle-Sparte zu schließen, ist Philips-Chef Gerard Kleisterlee offenbar bereit, einen hohen Preis zu bezahlen. Mehr noch: Kleisterlee bricht mit einem strategischen Prinzip. ,,Wir kaufen keine Firmen, die wir sanieren müssen,‘‘ sagte er in einem Interview mit unserer Zeitung. Nun aber tut er genau das. Denn Saeco ist ein Sanierungsfall. ,,Saeco passt zweifellos perfekt in die Consumer Lifestyle-Sparte von Philips. Aber die 460 Mio. Euro, die die Akquisition schätzungsweise kostet, das ist ein hoher Preis,‘‘ meint René Verhoef von den Fortis Securities. Unklar sei ferner ,,wie groß die Probleme von Saeco wirklich sind.‘‘ Ein ,,Stand-alone-Szenario war offenbar nicht mehr möglich.‘‘
Dass Philips-Chef Kleisterlee mit dem geplanten Kauf von Saeco nun den Unternehmensbereich Comsumer Lifestyle verstärkt, ist ebenfalls bemerkenswert. Denn bisher kaufte Kleisterlee hauptsächlich in den anderen beiden Philips-Geschäftsbereichen zu - der Lichtsparte und dem Sektor Medizinische Geräte und Systeme (Healthcare).


Die Philips-Aktien verloren an der negativ gestimmten Amsterdamer Börse am gestrigen Dienstag (25.5.2009)  bis zum Mittag 2,56 % und sanken auf 13,53 Euro. Viele Anleger scheinen den Preis, den Philips für Saeco bereit ist zu zahlen, wohl als zu hoch einzustufen. Außerdem stellt sich die Frage, ob die 60 Mio. Euro, die die Niederländer in die Reorganisation des Espressomaschinen-Herstellers investieren wollen, ausreichen werden, um Saeco wieder profitabel zu machen.

Die Philips-Titel sind auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen für das kommende Jahr 2010 mit einem KGV von 13 bewertet. Während der Vorlage des Geschäftsberichts für 2008 am 26. Januar hatte der Elektronikkonzern noch 3,6 Mrd. Euro an Cash in der Kasse und verfügte über eine Kreditlinie bei den Banken mit einem Volumen von 2,5 Mrd. Euro. Insofern kann sich Philips die Akquisition von Saeco leisten, ohne dass diese ein all zu großes Loch in der Kasse hinterlässt. Es bleibt aber abzuwarten, ob es gelingen wird, mit Saeco den Erfolg der Senseo-Kaffeemaschine zu wiederholen.

26.5.2009


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Zuletzt aktualisiert am Freitag, 29. Mai 2009 um 14:29 Uhr
 

Standort Holland macht deutschen Unternehmern Sorge

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file2Der ewige Stau

 


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Obwohl deutsche Unternehmen das Investitionsklima in den Niederlanden insgesamt positiv beurteilen, sind sie mit dem Standort Niederlande und der Infrastruktur im Nachbarland alles andere als zufrieden.

Daher stellen deutsche Unternehmer nun konkrete Forderungen an die Haager Regierung, um die Standortbedingungen zu verbessern, so geht aus einer Studie der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag hervor, die gestern präsentiert wurde.

Die deutschen Investoren fordern demnach von der niederländischen Regierung eine Verbesserung der bestehenden Infrastruktur, damit der Standort Holland wettbewerbsfähig bleiben und man dort auch in Zukunft investieren könne.

„Vor allem die Beschleunigung von Verwaltungsverfahren, eine bessere Verkehrsinfrastruktur und die Ausbildung von Schülern und Lehrlingen sind den deutschen Investoren wichtig", sagte Kurt Döhmel, Präsident der DNHK, während der Präsentation der Studie.

Die Bundesrepublik Deutschland sei mit knapp 120 Mrd. Euro Direktinvestitionen in den Niederlanden von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für die Wirtschaftskraft des Oranjestaates. Mehr als 80.000 Niederländer sind laut der DNHK bei deutschen Tochterunternehmen beschäftigt. Der bilaterale Handel zwischen den beiden Nachbarländern hat ein jährliches Volumen von rund 145 Mrd. Euro. Die Niederlande exportieren mehr Waren nach Deutschland als Frankreich. Umgekehrt ist Holland für Deutschland auch einer der wichtigsten Exportmärkte.


Die DNHK formulierte sieben Hauptforderungen an die niederländische Regierung . Diese waren zuvor mit Unterstützung von mehr als 40 Mitgliedsunternehmen der Handelskammer erarbeitet worden.

So fordert die DNHK eine Beschleunigung des Güterumschlags durch die bessere Vernetzung einzelner Zollverwaltungen. „Bis 2010 muss eine elektronische Verbindung aller wichtigen Kontrollinstanzen gewährleistet sein, um den bürokratischen und zeitlichen Aufwand der Unternehmen zu reduzieren", meint Ummo Bruns von DB Mobility Logistics, der an den DNHK-Standpunkten mitgewirkt hat. Um die Effizienz des so genannten  ,, Hinterlandverkehrs‘‘ der Seehäfen zu steigern, sei neben einer Erweiterung der Hafenflächen auch eine engere Zusammenarbeit mit deutschen Verwaltungen erforderlich.
Der Begriff ,,Hinterland‘‘ ist in den Niederlanden und insbesondere in Rotterdam eine beliebte Umschreibung für das östliche Nachbarland Deutschland.

Auch die niederländischen Autobahnen, die während der Hauptverkehrszeiten vielerorts kaum mehr befahrbar und vom Dauerstau gelähmt sind, müssten durch eine rasche Umsetzung geplanter Bauvorhaben, etwa auf der Verbindungsstrecke zwischen Eindhoven und Duisburg, vom Dauerstau endlich befreit werden.

 

Stau auf niederländischen Autobahnen

 

          Dauerstau auf niederländischen Autobahnen

 

Wichtige Schienenprojekte wie das dritte Gleis der Eisenbahn-Linie ,,Betuwe-Liijn‘‘ und der ,,Eiserne Rhein,‘‘ eine Eisenbahnverbindung aus dem belgischen Antwerpen nach Deutschland, die aber teilweise über niederländisches Territorium führt und deren Wiederinbetriebnahme von Den Haag seit langem blockiert wird, sollten gegen alle Widerstände nun rasch vorangetrieben werden, fordert die DNHK.

Um die von der aktuellen Wirtschaftskrise schwer getroffenen Transportunternehmen zu entlasten, sei bei der geplanten Einführung einer Maut in den Niederlanden darauf zu achten, dass die Systeme kompatibel mit denen der Nachbarländer seien. Die elektronisch zu erhebende Autobahngebühr, in Holland ,,Rekening Rijden‘‘ genannt, liegt derzeit allerdings auf Eis. Der Haager Verkehrsminister Camiel Eurlings rechnet nicht damit, dass sie noch vor 2015 eingeführt werden kann.

Ferner geht aus der von der DNHK vorgelegten Studie hervor: 52 Prozent der bereits in den Niederlanden niedergelassenen deutschen Unternehmen bewerten den Standort Holland als gut oder als sehr gut. 58 Prozent würden sich sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder im westlichen Nachbarland niederlassen, so ergab die Umfrage der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK), an der sich 2.600 Unternehmen beteiligten.
11.5.2009


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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 12. Mai 2009 um 14:24 Uhr
 

Elektro-Auto in Holland

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Elektro-Auto

 

 

Elektro-Auto ist eine lahme Ente

 

Erstes Elektro-Auto fährt in den Niederlanden/Zulassung für gesamte EU gültig


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der niederländische Verkehrsminister Camiel Eurlings ließ es sich nicht nehmen und machte die erste Fahrt mit dem neuen Elektro-Auto ,,Think‘‘ höchstpersönlich in Den Haag vor dem Parlament. Dann verlieh er dem norwegischen Hersteller des Elektro-Autos ,,Think City‘‘ die Zulassung. Sie gilt für die gesamte Europäische Union (EU). Denn sie wurde vom niederländischen TÜV, dem ,,Rijksdienst voor het Wegverkeer‘‘ (RDW) ausgestellt. Mit dieser RDW-Zulassung können die norwegischen Elektro-Autos nun in allen 27 EU-Mitgliedsländern fahren und auch dort verkauft werden, da das niederländische RDW-Zertifikat dort überall anerkannt ist. ,,Wir haben bewusst für die technische Überprüfung den niederländischen RDW ausgewählt. Denn hier geht das vergleichsweise unbürokratisch und schnell,‘‘ sagt ein ,,Think-Sprecher.‘‘ ,,Auch die EU-Zulassung für alle 27 Mitgliedsstaaten regelt der RDW. Der RDW arbeitet unabhängig und professionell.‘‘

Billig sind die im norwegischen Aurskog bei Oslo mit Hilfe der Porsche Assembly Consulting gefertigten Elektro-Autos aber nicht. In den Niederlanden werden sie seit gestern von einem Importeur für 40.000 Euro angeboten. Ein saftiger Preis für ein Stadtauto, das, wenn man mit ihm auf der Stadtautobahn fährt, sich schnell als lahme Ente entpuppt. Denn es dauert fast 20 Sekunden bis man mit dem ,,Think‘‘ die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreicht. Schneller als auf 100 km/h kann der Elektromotor das Fahrzeug ohnehin nicht beschleunigen. Relativ begrenzt ist auch die Reichweite des norwegischen Elektro-Autos. Sie beträgt nur rund 180 Kilometer. Dann muss der ,,Think‘‘ schleunigst Energie zutanken und seine Batterie wieder aufladen. Das dauert dann auch wieder eine kleine Ewigkeit. Satte 13 Stunden braucht die Batterie bis sie wieder volle Power hat und den Motor antreiben kann.


Die Grünen in den Niederlanden (GL) sind trotzdem begeistert von dem Elektro-Auto. Sie arbeiten bereits an einem Gesetz, das die staatliche Subventionierung des Elektro-Autos möglich machen soll. Ähnlich wie die Abwrack-Prämie, die die Holländer inzwischen auch von den Deutschen kopiert haben, wollen die Grünen hierzulande jedem, der einen ,,Think‘‘ kauft, eine staatliche Prämie zahlen. Ob der Vorschlag mehrheitsfähig ist, bleibt abzuwarten. Denn die großen Regierungsparteien, die Christ- und Sozialdemokraten, CDA und PvdA, haben sich noch nicht dazu geäußert. Aber falls die erste Probefahrt mit dem ,,Think‘‘ dem CDA-Verkehrsminister Camiel Eurlings gefallen haben sollte, könnte er als prominenter Christdemokrat möglicherweise der erste CDA-Politiker sein, der den Vorschlag zur Einführung einer ,,Elektro-Auto-Prämie‘‘ unterstützt.
11.5.2009

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 12. Mai 2009 um 13:27 Uhr
 

Das Fortis-Drama

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fortis-hv-gent-28-04-09

Chaos und Wut

 

Manager mit Schuhen und Münzen beworfen

 

Fortis-Aktionäre stimmen für Verkauf der belgischen Fortis Bank an BNP Paribas

 

Von HELMUT HETZEL

Gent. Eine überwältigende Mehrheit von knapp 73 % der Fortis-Aktionäre hat sich am gestrigen Dienstag auf einer Hauptversammlung im flämischen Gent für den Verkauf der belgischen Fortis Bank an die französische BNP Paribas ausgesprochen. Das Votum kam nach einer chaotisch verlaufenen Aktionärsversammlung zu Stande. Nun müssen am heutigen Mittwoch im niederländischen Utrecht die holländischen Fortis-Aktionäre den Verkauf ebenfalls noch billigen, dann ist der Deal rund.

 

Die Hauptversammlung in Gent begann mit Tumulten und lauten Protesten:


,,Démission, Démission'' - Rücktritt, Rücktritt, schallt es in Französisch aus hunderten von Kehlen auf der Hauptversammlung der Finanzgruppe Fortis im flämischen Gent. Wütende Fortis-Aktionäre haben sich im Genter Flanders Expo-Center, wo die Fortis-Hauptversammlung gestern stattfand, von ihren Plätzen erhoben. Sie toben. Die Wut bricht sich Bahn. Es werden sogar Schuhe, Münzen und andere Gegenstände auf die anwesenden Fortis-Manager geschleudert. Die müssen in Deckung gehen.

Fortis-Verwaltungsratspräsident Jozef de Mey greift das Mikrophon. Er unterbricht die Versammlung. ,,Für fünf Minuten,‘‘ sagt er auf Niederländisch und Französisch. Doch aus den fünf Minuten wird eine halbe Stunde. Das Chaos ist perfekt. Bis zum frühen Nachmittag weiß man nicht, ob über den wichtigsten Tagesordnungspunkt der Agenda, nämlich den Verkauf des Großteils der belgischen Fortis Bank an die französische BNP Paribas (BNPP) überhaupt abgestimmt werden kann oder nicht.
Denn darum geht es auf dieser Fortis-Generalversammlung der Aktionäre.

 

Etwa 3500 Fortis-Anteilseigner sind erschienen. Sie repräsentieren etwa 25 % des Kapitals. Am 11. Februar, auf einer ebenfalls tumultuös verlaufenden außerordentlichen Hauptversammlung, hatte eine knappe Mehrheit der Fortis-Aktionäre schon einmal gegen den Verkauf der Fortis Bank an die französische BNPP votiert. Dann wurde nachverhandelt. Gestern lag also ein neues Kaufangebot der BNPP vor. Das sollten die Aktionäre nun billigen.

Auf das neue Angebot hatten sich die belgische Regierung, BNP Paribas (BNPP) sowie die Fortis Holding im März verständigt. Der neue Deal sieht vor, dass die Franzosen 75 % der Fortis Bank übernehmen. Die übrigen 25 % der Fortis Bank Belgien bleiben im Besitz des belgischen Staates. Außerdem verkauft die Fortis Holding 25 % der belgischen Fortis-Versicherungen an die BNPP zum Preis von 1,375 Mrd. Euro. Der neue Deal hat den Vorteil, dass sowohl die Fortis Holding als auch BNPP davon profitieren. Denn die Cash-Position der Fortis Holding verbessert sich dadurch per Saldo um eine Mrd. Euro auf 3,4 Mrd. Euro. Andererseits wird die Kernkapitalquote der BNPP (Tier 1 Ratio) nicht negativ beeinflusst, weil der Versicherungs-Deal in den Büchern der Fortis Bank verantwortet wird. Ferner wurde zwischen der Fortis Holding und der BNPP ein Kooperationsabkommen über die Zusammenarbeit im Versicherungsgeschäft vereinbart, das eine Laufzeit bis 2020 hat.

Doch auch dieses wesentlich bessere zweite Kaufangebot wird von vielen Fortis-Aktionären nach wie vor abgelehnt. Allen voran von dem Brüsseler Anwalt Mischael Modrikamen. Er peitscht in seiner Rede in Gent die Aktionäre regelrecht auf, um erneut mit ,,Nein‘‘ zu stimmen. Er favorisiert ein Stand-alone-Szenario für die Fortis Bank. Sie soll Teil der Fortis Holding bleiben. Modrikamen, der nach eigenen Angaben ,,einige tausend‘‘ Fortis-Aktionäre vertritt, hofft, dass der belgische Staat und die BNPP noch mehr Zugeständnisse an die Fortis-Aktionäre machen. Aber ist das realistisch? Er pokert hoch. Modrikamen versuchte auch über eine einstweilige Verfügung die Stimmrechte von rund 5 % des Fortis-Kapitals neuer Fortis-Aktionäre, das zur Fortis Holding delegiert wurden, für nichtig erklären zu lassen. Doch ein Brüsseler Gericht lehnte den Antrag ab.


Nun versucht der Anwalt, sein Anliegen zur Stimmrechtsbegrenzung auf die Tagesordnung setzen zu lassen. Aber er scheitert damit. ,,Der Richter hat gesprochen,‘‘ begründet Verwaltungsratschef De Mey seine Weigerung, die Forderung von Modrikamen zu erfüllen und die Tagesordnung zu ändern.


Kurz vor 14.00 Uhr muss die turbulente Aktionärsversammlung erneut unterbrochen werden. Eine für belgische Verhältnisse sehr kurze Lunch-Pause von nicht einmal einer halben Stunde beginnt. Danach geht es weiter und der Fortis-Aufsichtsrat verkündet, dass alle anwesenden Aktionäre abstimmungsberechtigt sind. Sicherheitsbeamte und Polizeikräfte beziehen vor und hinter dem Podium auf dem das Fortis-Management sitzt, Stellung. Die Stimmung ist weiter gereizt und aggressiv. Kein Wunder, viele der hier anwesenden Fortis-Aktionäre haben ein Vermögen verloren. Viele von ihnen haben die Fortis-Aktien zu Preisen von 20 Euro oder gar 30 Euro je Stück vor Jahren gekauft und sitzen nun auf Papieren, die gerade noch 1,78 Euro wert sind. Viele von ihnen haben ihre Pension verloren, die mit Fortis-Aktien aufgebaut worden war. Denn Fortis war in Belgien über Jahrzehnte hin die Volksaktie schlechthin.

Erst gegen 15.30 Uhr kommen die ersten Fortis-Aktionäre, die mit Ja stimmen und den Verkauf der Fortis Bank an die Franzosen möglich machen wollen, ans Wort. Es sie die Vertreter flämischer und niederländischer Fortis-Aktionäre. Sie sagen: ,,Wir haben die Wahl zwischen der BNP Paribas oder der Unsicherheit.‘‘
Das Hick-Hack zwischen dem Ja- und den Nein-Lager beginnt.


Dann endlich kurz vor 17.00 Uhr die Abstimmung: 72,99 % der anwesenden Fortis-Aktionäre stimmen für den Verkauf an die französische BNPP. Sie verlief allerdings ebenso kurios und bizarr wie die ganze Versammlung. Mehr als 1000 Aktionäre verließen vor der Abstimmung den Saal. Sie boykottierten das Votum. Es war das Nein-Lager, das resignierte. Darunter auch Anwalt Modrikamen.
28.4.2009

 

Einen Tag später in Utrecht, Niederlande:

 

fortis2-verkauf an bnppVerkauf der Fortis-Bank Belgien an die französische BNP Paribas ist  rund

 

Von HELMUT HETZEL

 

Auch die niederländischen Aktionäre der Fortis Holding haben gestern in Utrecht auf einer Generalversammlung dem Verkauf der Fortis Bank Belgien an die französische BNP Paribas (BNPP) zugestimmt. Exakt 77,65 % des angemeldeten Kapitals stimmten gestern in Utrecht für den Verkauf an die Franzosen. Einen Tag vorher, im flämischen Gent, votierten bereits rund 73 % der Fortis-Aktionäre dafür, dass die Fortis Bank Belgien künftig zu 75 % Eigentum der französischen BNPP werden kann. Die Aktionärs-Versammlung in Utrecht verlief weniger tumultuös als die in Gent am Vortag, wo Schuhe und andere Gegenstände auf den Fortis-Vorstand geschleudert worden waren.

Im belgischen Gent waren die Weichen für den Verkauf an die BNPP bereits gestellt worden, so dass die holländischen Fortis-Aktionäre den Verkauf der Fortis Bank Belgien an die Franzosen quasi nur noch abnickten.

Die belgische Regierung, die französische BNP Paribas (BNPP) sowie die Fortis Holding einigten sich im März darauf, dass die Franzosen 75 % der Fortis Bank übernehmen können. Die übrigen 25 % der Fortis Bank Belgien bleiben im Besitz des belgischen Staates. Außerdem verkauft die Fortis Holding 25 % der belgischen Fortis-Versicherungen an die BNPP zum Preis von 1,375 Mrd. Euro. Der Verkauf verbessert die Cash-Position der Fortis Holding per Saldo um eine Mrd. Euro auf 3,4 Mrd. Euro.

Die übrig gebliebene börsennotierte Fortis Holding ist nun ein Versicherungskonzern in dem die belgischen und internationalen Versicherungsaktivitäten der einstigen Fortis-Gruppe untergebracht sind - allerdings ohne die niederländischen.


Die ehemalige Fortis Bank Luxemburg geht nun zu 66 % an die BNPP. Das übrige Drittel bleibt beim luxemburgischen Staat.


Denn der niederländische Staat hatte die Fortis Bank Niederlande, die Fortis Versicherungen Niederlande und den ABN Amrobank-Benelux im vergangenen Oktober für 16,8 Mrd. Euro erworben und verstaatlicht, um einem drohenden Konkurs von Fortis mitten in der Finanzkrise zuvor zu kommen. Doch die Fortis-Aktionäre wurden dadurch quasi durch die Hintertür enteignet.
29.4.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. April 2009 um 19:57 Uhr
 


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