Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Wirtschaft


Ein Lichtblick in der Krise: Reed Elsevier überrascht positiv

E-Mail Drucken PDF
Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Crispin Davis hat sein Haus bestellt. Der scheidende Vorstandsvorsitzende des niederländisch-britischen Wissenschaftsverlags Reed Elsevier, der im kommenden Monat von Ian Smith abgelöst werden wird, präsentierte für 2008 ein überraschend gutes Ergebnis. Sogar für 2009 ist er verhalten optimistisch. Reed Elsevier trotzt der Krise, obwohl der Multimediaverlag sich dem wirtschaftlichen Abschwung auch nicht völlig entziehen können wird. Dennoch ist Reed Elsevier in dem schwierigen Marktumfeld eine Art Fels in der Brandung.

Die Umsätze des binationalen Fachverlages stiegen in 2008 um 16 % auf 5,3 Mrd. Pfund und das angepasste operative Betriebsergebnis vor Steuern erhöhte sich um 24 % auf 1,38 Mrd. Pfund oder 0,45 Pfund je Aktie.

Das Ergebnis fällt allerdings währungsbedingt in britischen Pfund wesentlich besser aus als umgerechnet in Euro, da die britische Währung gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten enorm an Wert verloren hat. In Euro ausgedrückt blieben die Umsätze des Verlagshauses im vergangenen Jahr mit 6,7 Mrd. Euro konstant. Aber auch in Euro gerechnet stieg das operative Bruttoresultat der Verlagsgruppe in 2008 um 5 % auf 1,7 Mrd. Euro und übertraf damit bei weitem die Markterwartungen. Am Markt besonders positiv bewertet wurde das organische Wachstum des Medienkonzerns, das im vergangenen Jahr um 4 % zulegte und insbesondere von den guten Geschäften der Internet-Datenbank Nexis Lexis getragen wurde, die den Betriebsgewinn um 9 % auf 646 Mio. Euro steigern konnte.

,,Trotz der Krise befindet sich Reed Elsevier in einer hervorragenden Ausgangsposition,‘‘ sagte der designierte neue Chief Executive Officer (CEO) von Reed Elsevier Ian Smith an der Seite seines Vorgängers Crispin Davis. Er und Davis kündigten jedoch gemeinsam an, dass das laufende Kostensenkungsprogramm beschleunigt durchgeführt werden müsse, um die Profitabilität auch in diesem Jahr halten zu können. Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr gaben die beiden Manager jedoch nicht ab. Davis betonte aber, dass auch Reed Elsevier ,,nicht immun‘‘ gegen die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage sei. Mit der Datenbank Lexis Nexis, die inzwischen rund 80 % des angepassten operativen Betriebsergebnisses generiere, sei Reed Elsevier jedoch gut positioniert und relativ krisenbeständig. ,,Wir registrieren noch immer eine steigende Nachfrage nach unseren Online-Produkten und -Lösungen,‘‘ sagte Davis.

Der scheidende Reed-Elsevier-CEO Davis ging auch ausführlich auf die noch nicht realisierten Verkaufspläne der Sparte Business Information (Fachzeitschriften) ein. ,,Wir hatten sie eigentlich in 2008 abstoßen wollen. Aber die sich rapide verschlechternden Marktverhältnisse machten das unmöglich. Wir müssen nun auf bessere Zeiten warten.‘‘

Zu Reed Business International gehören weltweit 700 Zeitschriftentitel.

In den Niederlanden gibt Reed Business beispielsweise das tonangebende wöchentlich erscheinende Meinungsmagazin ,,Elsevier‘‘ heraus. Außerdem verlegt es Fachzeitschriften wie FEM Business, Boerderij (Bauernhof), Zibb oder Total-Jobs. In den USA gehören Zeitschriften wie Variety zu Reed Elsevier Business, in Asien das Food Journal, in Großbritannien und Kanada zahlreiche Fachzeitschriften für die Baubranche und den Computersektor wie etwa die Electronic News Asia.

Der Investitionsschwerpunkt des Medienkonzerns werde auch in Zukunft hauptsächlich im digitalen Bereich und damit im Internet Business liegen, betonte Davis. Die Sparte Reed Business werde nun reorganisiert, um sie für den bevorstehenden Verkauf attraktiver zu machen. Das laufende Reorganisationsprogramm habe ein Kostensenkungspotenzial von rund 220 Mio. Euro.

Da der Verkauf der Fachzeitschriftensparte noch nicht realisiert werden konnte, musste Reed Elsevier neue Kredite mit einem Volumen von 2,0 Mrd. Dollar aufnehmen. Sie haben eine Laufzeit von 2010 bis Mai 2012 und sind in verschiedenen Währungen von verschiedenen Banken gewährt worden. Damit ist das Medienhaus für die nächsten zweieinhalb Jahr neu refinanziert. Die Refinanzierung wurde nötig, weil der

Medienkonzern im vergangenen Jahr zum Preis von 4,1 Milliarden Dollar die amerikanische Datenhandelsfirma Choice Point Inc. akquirierte. Diese Akquisition sollte eigentlich teilweise mit dem Verkauf der Fachzeitschriftensparte (Business) finanziert werden.

An der Amsterdamer Börse reagierten die Anleger sehr erfreut auf das von Reed Elsevier präsentierte Ergebnis. Die Titel legten am Donnerstag um rund 5 % auf 9,41 Euro zu, mussten aber am Freitag in einem sehr schwachen Marktumfeld um 2,5 % auf 9,18 Euro zurückgenommen werden.

Positiv stimmte die Anleger, dass die Dividendenzahlungen für 2008 beibehalten werden. Für die Aktionäre der britischen Reed plc erhöht sich die Dividendenausschüttung für 2008 um 12 % auf 0,223 Pfund. Die Anteilseigner der niederländischen Elsevier NV erhalten für 2008 eine um 5 % auf 0,404 Euro je Aktie gesunkene Dividende.

Auf Basis der aktuellen Gewinnprognosen sind die Titel mit einem KGV von 12 für 2009 und 11 für 2010 bewertet. Das Verlagshaus Reed Elsevier präsentiert sich derzeit als relativ krisenbeständig. Die Medienaktien sind daher für langfristig orientierte Anleger attraktiv. Derzeit als sicherer Hafen und bei einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung haben sie weiteres Kurspotenzial. Ein Einstieg ist daher derzeit zu empfehlen.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 01:01 Uhr
 

Jan Hommen baut eine neue ING/Rückbesinnung auf Sparen und Investieren/Rückzug aus zahlreichen Märkten/1,0 Mrd.

E-Mail Drucken PDF
Jan Hommen baut eine neue ING/Rückbesinnung auf Sparen und Investieren/Rückzug aus zahlreichen Märkten/1,0 Mrd. Euro sollen gespart werden/Neuer CFO ,,in wenigen Tagen‘‘

Von HELMUT HETZEL

Amsterdam. Völlig neue Töne hört man derzeit beim niederländischen Allfinanzkonzern ING. Der Banken- und Versicherungskonzern stellt künftig die Kundenbetreuung, das Sparen und die Investitionen an Firmen wieder in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Die ING will schrumpfen statt wachsen.

,,Wir müssen die Komplexität des Konzerns verringern. Die Organisation muss einfacher, überschaubarer und transparenter werden. Bisher waren wir, wie viele andere Finanzinstitute auch, zu sehr auf Transaktionen gerichtet.‘‘

Das ist die neue Strategie, die der Aufsichtsratsvorsitzende und designierte Chief Executive Officer (CEO) der ING, Jan Hommen, auf der Bilanzpressekonferenz des Finanzdienstleisters in Amsterdam ankündigte. Unter Hommens Leitung, der de facto seit Januar nach dem überraschenden Rücktritt von Michel Tilmant die ING bereits führt, soll die ING schlanker und wieder profitabel werden. Daher werde sich der Allfinanzkonzern aus einigen Märkten völlig zurückziehen. Die Basis der ING, nämlich das Allfinanzkonzept, will Hommen derzeit (noch) nicht aufgeben. ,,Beide Bereiche, das Bank- und das Versicherungsgeschäft haben eine Zukunft unter dem ING-Dach,‘‘ sagte er. ,,Aber wir werden das von Land zu Land prüfen.‘‘ Der Sanierer Hommen, der ,,die ING durch die Krise navigieren will,‘‘ wie er sagte, will auch zahlreiche Tochterunternehmungen verkaufen. Vom Versicherungsgeschäft in Taiwan und in Kanada hat sich die ING bereits verabschiedet. Der geplante Start der ING-Direktbank in Japan und in der Ukraine wurde abgeblasen. Nun durchleuchtet Hommen das gesamte ING-Portfolio auf der Suche nach weiteren Desinvestitionsmöglichkeiten. ,,Wir werden unser Geschäft fokussieren und uns auf die Märkte konzentrieren auf denen wir stark sind und wo wir Geld verdienen können.‘‘ Über Firmenverkäufe will der designierte neue ING-Vorstandschef, dessen Berufung auf der Generalversammlung im April von den Aktionären noch bestätigt werden muss, in diesem Jahr zwischen zwei und drei Milliarden Euro erlösen. Ferner legt die ING unter Hommen's Leitung ein Sparprogramm auf, das in 2009 Kostensenkungen von rund einer Milliarde Euro bringen soll. Im Zuge dieser Reorganisation werden weltweit insgesamt 7.000 der insgesamt 125.000 Stellen abgebaut. Die meisten im Versicherungssektor in den USA.

Wie die neue ING aussehen wird, nachdem sie durch die Krise navigiert wurde, das konnte Hommen zwar noch nicht definieren, ,,dafür ist es noch zu früh, aber wir evaluieren momentan alle Möglichkeiten und schließen nichts aus,‘‘ sagte er. Das impliziert auch, dass der mögliche Verkauf der Internetbank ING-Direkt - oder Teile davon -, die ein Vermögen von rund 200 Mrd. Euro verwaltet, eine Option sein könnte. Ein wichtiger Pfeiler der neuen Strategie sei die Risiko-Minimierung und die Verbesserung der eigenen Finanzposition. Die Kernkapitalquote für die ING-Gruppe (Tier 1 Ratio) betrage derzeit 7,6 %. Sie solle weiter verbessert werden. Aber neue staatliche Finanzspritzen brauche die ING nicht. Im Oktober 2008 hatte die ING von der Haager Regierung eine Finanzhilfe von 10 Mrd. Euro erhalten. Mittelfristig soll die Bilanzsumme, die derzeit mehr als eine Billion Euro beträgt, um rund 10 % reduziert werden.

Im vergangenen Jahr musste die ING zum ersten Mal in ihrer Geschichte rote Zahlen schreiben. Der Fehlbetrag für 2008 beträgt 729 Mio. Euro. zum Vergleich: In 2007 hatte die ING noch einen Nettoüberschuss von 9,2 Mrd. Euro erwirtschaftet. Besonders schlimm aber hat es die ING im letzten Quartal 2008 erwischt. In diesem Zeitraum fiel ein Verlust von 3,711 Mrd. Euro an (Vorjahr. + 2,5 Mrd. Euro), was die ING allerdings bereits bekannt gegeben hatte. Auf die Frage, ob das Jahr 2009 genau so schlecht begonnen habe wie das zurückliegende endete, antwortete der scheidende Finanzvorstand John Hele: ,,Es ist zu früh, um das jetzt schon beurteilen zu können.‘‘ Es gebe aber keinen Kapitalabfluss. ING-Chef Hommen kündigte an, dass die Nachfolge von Hele ,,in einigen Tagen‘‘ geregelt sei und der Name des Hele-Nachfolgers dann sofort bekannt gegeben werde.

Von dem neuen Betrugsskandal, der sich um die amerikanische Stanford International Bank rankt, sei die ING nur marginal betroffen. Über Dritte sei man in Standford mit maximal drei Mio. Euro engagiert, behauptet ING-Risiko-Manager Koos Timmermans. Er gab auch an, dass die ING, nachdem sie 80 % ihrer amerikanischen Alt-A-Hypotheken ausgegliedert und an den niederländischen Staat abgetreten hat, mit den restlichen 20 % noch eine Investition in Höhe von rund 3,8 Mrd. Euro in diese mehr oder weniger maroden US-Hypotheken habe, von denen man nicht weiß, ob man sie je wieder versilbern kann.

Die Anleger scheinen von der neuen Strategie noch nicht überzeugt zu sein. Denn die ING-Aktien verloren am Donnerstag 2,62 % und sanken auf 4,84 Euro, ein historischer Tiefststand. Von Finanztiteln sollten Anleger weiterhin die Finger lassen.

 

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 00:57 Uhr
 

Deutschland lockt

E-Mail Drucken PDF

Linda de Mol

Linda de Mol ist gerne in Deutschland 

 

Magnet Deutschland

Das Nachbarland wirkt auf immer mehr Niederländer wie ein Magnet/Wirtschaftskrise stimuliert Auswanderung über die Grenze

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Eigentlich wollte ich in unserem schönen Windmühlenland bleiben. Aber auf der Suche nach einem neuen und größeren Haus, stieß ich via Internet auf die fantastischen Angebote in Deutschland. Die Entscheidung war schnell getroffen. Jetzt bauen wir ein Haus in Deutschland.‘‘ So beschreibt Sander Haas seine Entscheidung, die Niederlande zu verlassen und sich nur einen Katzensprung jenseits der Grenze im deutschen Gronau den Traum von eigenen Heim mit Garten zu erfüllen. Sander Haas ist nicht der einzige, den es über die Grenze nach Deutschland zieht.

Das östliche Nachbarland wirkt derzeit auf viele Niederländer wie ein Magnet. Die aktuelle Wirtschaftskrise verstärkt den Trend sogar noch, die Niederlande zu verlassen und ein neues Glück in Deutschland zu suchen. Der Hauptgrund: Der Baugrund und die Häuser in Deutschland sind wesentlich preiswerter als in den Niederlanden. Für ein vergleichbares Haus beispielsweise in Enschede und Gronau, zahlt man in Enschede 375.000 Euro und in Deutschland 230.000 Euro, fand die Vereinigung ,,Over de grens‘‘ - Hinter der Grenze - Wohnen in Deutschland - heraus. Der Quadratmeter Bauland in Deutschland im niederländisch-deutschen Grenzgebiet sei zwischen 150 Euro und 200 Euro zu haben, während er in den Niederlanden zwischen 275 Euro und 400 Euro liege.

Die Vereinigung berichtet ferner, dass 31 % der Niederländer, die ohnehin vor hatten, sich in Deutschland niederzulassen ,,in ihrer Entscheidung umzusiedeln durch die aktuelle Wirtschaftskrise bestärkt worden sind‘‘ und dass sie die Niederlande nun noch schneller als bisher beabsichtigt verlassen wollen. Allerdings können sie den Zeitpunkt jetzt oft nicht mehr selbst und ganz alleine bestimmen. Denn durch die Wirtschaftskrise gehen auch in den Niederlanden die Häuser nicht mehr weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, so wie das noch vor ein, zwei Jahren der Fall war. Erst wenn das eigene Haus in den Niederlanden verkauft ist, erst dann wird der Weg über die Grenze in die neue Behausung in Deutschland wirklich frei, weil man das Geld aus dem Hausverkauf in Holland zur Finanzierung der neuen eigenen vier Wände in Deutschland braucht.

Familie Beld wohnt inzwischen eineinhalb Jahre in der Bundesrepublik, direkt hinter der Grenze bei Gronau. ,,Es war nicht nur der günstigere Preis für das Haus, der uns lockte, es war auch das bessere Schulsystem und die Ruhe und der Raum, den man in Deutschland hat,‘‘ erläutert Ellen Beld ihre Entscheidung, nach Deutschland zu ziehen. Ihre beiden Kinder hätten in Deutschland die Möglichkeit, zweisprachig erzogen zu werden. ,,Wir haben hier sogar einen zweisprachigen Kindergarten in dem deutsche und niederländische Kinder sind. Unsere beiden Kinder sprechen Niederländisch und Deutsch fließend.‘‘

Obwohl sie inzwischen mit ihrer Familie eineinhalb Jahre in Deutschland wohnt, hat sie noch immer eine Art ,,Urlaubsgefühl. Hier ist doch vieles anders. In den Supermärkten stehen andere Waren, Weihnachten wird anders gefeiert, und viele Menschen hier leisten sich ein warmes Mittagessen. Auch die medizinische Versorgung ist hervorragend. Unser Hausarzt hat sich sogar die Mühe gemacht, um sich die Begriffe häufig vorkommender Krankheiten auf Niederländisch anzueignen.‘‘

Als sehr angenehm empfindet die ,,Nederduitse‘‘ (Niederdeutsche) wie die niederländischen Deutschland-Emigranten zu Hause schon genannt werden, auch den schnörkellosen Umgangston mit den deutschen Behörden. ,,Wenn ich eine Frage stelle, bekomme ich darauf eine Antwort. Das ist ganz anders als in den Niederlanden, wo man dann gleich mit unzähligen Zusatzinformationen bombardiert wird über Dinge, die man ja eigentlich gar nicht wissen wollte.‘‘

Zu schätzen weiß die Familie Beld inzwischen auch die im Vergleich zu den Niederlanden relativ niedrigen Preise für ein neues Auto. ,,Hier in Deutschland gibt es keine BPM, keine Luxussteuer auf Autos, es ist unglaublich, wie billig Neuwagen daher hier sind.‘‘

So kann die Familie Beld die Vorteile des günstigeren Preisniveaus in Deutschland genießen und gleichzeitig in der alten Heimat Holland auch noch Steuern sparen. Denn wenn ein Familienmitglied noch in den Niederlanden arbeitet und dort seine Steuern bezahlt, hat es auch noch die Möglichkeit die Hypothekenzinsen, die für den Hausneubau und die Hypothek in Deutschland anfallen, in Holland von der Steuer abzusetzen. Das ist eine Regelung, die es in Deutschland nicht gibt und von der viele holländische Emigranten, die sich in der Bundesrepublik niederlassen, gerne Gebrauch machen. Man nimmt sich eben das Beste aus beiden Ländern.

 

So wie Linda de Mol, Rudi Carrel, Johannes Heesters, Lou van Bourg oder Silvie und Rafael van der Vaart

 

 Rudi Carrel nimmt Abschied

 Rudi Carrel - ,,unser Rudi'' wie ihn viele Deutsche nannten....

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /


Zuletzt aktualisiert am Montag, 02. März 2009 um 20:30 Uhr
 

Auf dem Weg in die Schuldenfalle: Niederlande und Belgien reißen die Maastricht-Norm

E-Mail Drucken PDF
Von HELMUT HETZEL

Brüssel/Den Haag. Nach Irland, Spanien, Italien, Griechenland und Portugal drohen nun in diesem Jahr auch Belgien und die Niederlande die Verschuldungsnorm der Euro-Zone von 3 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu brechen. Der belgische Finanzminister Didier Reynders musste gestern einräumen, dass sein Land die im Maastrichter Euro-Vertrag festgelegte maximale Verschuldungsnorm von 3 % des BIP in diesem Jahr voraussichtlich nicht einhalten kann. Einen ähnlichen finanziellen Offenbarungseid legte auch sein niederländischer Amtskollege Wouter Bos ab. Er und andere niederländische Ökonomen fürchten, dass das staatliche holländische Finanzierungsdefizit in 2009 etwa 3,5 % betragen dürfte. Aber nur dann, wenn es gelingt, ein neues Sparprogramm mit einem Volumen von mindestens 10 Mrd. Euro zu schnüren und wenn sich die rückläufige wirtschaftliche Entwicklung nicht noch weiter verschlechtert. Denn Holland hat jetzt für 2009 bereits eine Finanzierungslücke von 32 Mrd. Euro, während im Haushaltsentwurf für 2009 lediglich 12 Mrd. Euro eingeplant wurden. Das Finanzloch beträgt also: 20 Mrd. Euro. Wenn die Haager Regierung nicht auf die Ausgabenbremse tritt und kein Sparprogramm zustande kommt, dann kann das staatliche Finanzierungsdefizit sogar bis auf 5,5 % des BIP in diesem Jahr anschwellen, warnen die Wirtschaftswaisen des regierungsamtlichen staatlichen Planungsbüros CPB in Den Haag.

In Belgien sieht die Finanzlage nicht viel besser aus. Ministerpräsident Herman Van Rompuy will zwar einen Dammbruch verhindern, um Belgien nicht wieder in die Schuldenfalle rutschen zu lassen. Aber die ständigen staatlichen Finanzhilfen für notleidende Banken hinterlassen ihre Spuren im Haushalt. Ähnlich wie die Niederlande hat auch Belgien rund 20 Mrd. Euro an Krediten für die notleidende Fortis-, Dexia- und KBC-Bank bereit gestellt und Bürgschaften bis zu 200 Mrd. Euro gegeben, während in den Niederlanden die staatlichen Stützungsgelder vor allem zum Allfinanzkonzern ING, der Lebensversicherung Aegon und zum Finanzkonzern SNS Reaal flossen. Sowohl Belgien als auch die Niederlande genießen noch immer den höchsten Kreditstatus des AAA - Triple A-Ratings - und haben daher beste Bonität. Das könnte sich aber schnell ändern wenn die Regierungen in Brüssel und Den Haag nicht beherzt eingreifen und versuchen, dort zu sparen, wo sparen noch möglich ist.

Während in den Niederlanden der politische Wille zum Sparen vorhanden ist, will der belgische Finanzminister Didier Reynders jedoch die finanzpolitischen Zügel locker lassen. ,,Bei dem rückläufigen Wirtschaftswachstum und der notwendigen Finanzhilfe für Banken ist ein höheres Defizit normal,‘‘ sagte er allen Ernstes. ,,Es ist unmöglich einen Sanierungsplan für die Wirtschaft durchzuführen und gleichzeitig auch zu sparen.‘‘

So manche Belgier erinnern solche Worte an die fatale Zeit Anfang der 80iger Jahre als das Königreich der Flamen und Wallonen der ,,kranke Mann‘‘ Europas war und sich unter dem damaligen Ministerpräsidenten Mark Eyskens ein Finanzierungsdefizit von 16 % des BIP aufgetürmt hatte. Vor allem die Luxemburger, die seinerzeit noch eine Währungsunion mit Belgien und dem belgischen Franc hatten, litten damals unter der Schuldenpolitik des Nachbarn. Das veranlasste den luxemburgischen Premier Jean-Claude Juncker nach der Einführung des Euro zu der süffisanten Bemerkung, dass er der Währungsunion mit Belgien keine Träne nachweine.

Ironie der Geschichte ist, dass es der heute amtierende belgische Ministerpräsident Herman Van Rompuy war, der als Budgetminister zwischen 1992 und 1997 die damals so hohe belgische Staatsverschuldung drastisch reduziert und so das Land fit für den Beitritt zur europäischen Währungsunion machte. Nun muss Van Rompuy darauf achten, dass sich sein guter Ruf als Schuldensanierer nicht plötzlich wandelt und er nicht als neuer großer Schuldenmacher in die Geschichte eingeht.


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 


Zuletzt aktualisiert am Montag, 23. Februar 2009 um 00:43 Uhr
 

Nout Wellink: Kreditkrise kostet bis zwei Billionen Euro

E-Mail Drucken PDF

Nout Wellink Wellink’s Spinnen-Theorie
 
Gespräch mit dem niederländischen Zentralbankpräsidenten Nout Wellink 
  
Von HELMUT HETZEL
 
Den Haag. Die nun schon über ein Jahr dauernde internationale Finanzmarktkrise ist noch lange nicht ausgestanden, geschweige denn zu Ende. Und sie wird noch teurer. ,,Sie kann uns zwischen einer und zwei Billionen Euro kosten. Bisher sind bereits 500 Milliarden Euro von den Finanzinstituten abgeschrieben worden. Denn diese Krise ist anders als andere Krisen. Sie dauert länger als gedacht, und sie ist tiefer als zunächst angenommen,‘‘ sagt Nout Wellink, Präsident der Niederländischen Zentralbank (DNB) und Mitglied des Vorstandes der Europäischen Zentralbank EZB in Frankfurt/M..
Wellink, der am 1. Juni 1997 die Nachfolge des inzwischen verstorbenen ehemaligen DNB- und EZB-Präsidenten Wim Duisenberg an der Spitze der DNB antrat, verkneift es sich aber, eine Prognose abzugeben, wie lange die Finanzkrise noch dauern werde. ,,Ein Ende ist jedenfalls noch nicht in Sicht. Das gilt auch für die Immobilien- und Hypothekenkrise in den USA, die alles ausgelöst hat. Die Erfahrung lehrt aber, dass solche Krisen meist zwei bis drei Jahre dauern können,‘‘ stellt der 65jährige Wellink fest. Man solle angesichts der jetzigen Krise jedoch nicht zu pessimistisch aber auch nicht zu optimistisch sein. ,,Wir werden aber auch diese Krise überstehen, weil sich die Finanzinstitute an die neuen Verhältnisse anpassen müssen und werden.‘‘
Die Anpassungsprozess sei bereits in vollem Gange, meint der niederländische Notenbankchef. Mit Blick auf die gerade beschlossene Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank in Deutschland, hält Wellink im Gespräch mit unserer Zeitung weiter fest: ,,Das ist wohl der Auftakt zu einer neuen Konsolidierungsrunde in der europäischen Bankenlandschaft. Deutschland hat in dieser Hinsicht noch einen Nachholbedarf. Sobald sich die Finanzmarktkrise abschwächt, werden wir wohl weitere Übernahmen und Fusionen im Bankensektor sehen.‘‘
Angesprochen auf die Frage, ob das Benelux-Finanzinstitut Fortis ausreichend finanzielle Puffer habe, um die milliardenschwere Akquisition der niederländischen ABN Amrobank bis Ende 2009 erfolgreich abzuschließen, antwortet Wellink: ,,Sie werden verstehen, dass ich dazu öffentlich nichts sagen kann. Wir beobachten aber alles sehr genau.‘‘
Noch eine andere Sorge aber treibt den niederländischen Zentralbankchef um. Es ist die steigende Inflation. ,,Sie konnte angesichts der immer weiter steigenden Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise nicht ausbleiben. Wir müssen die Inflation aber in den Griff bekommen.‘‘ Daher habe er der niederländischen Regierung auch vehement davon abgeraten, die Mehrwertsteuer erneut zu erhöhen so wie das für den 1. Januar 2009 geplant war. ,,Dass Den Haag meinen Rat befolgt hat, freut mich natürlich,‘‘ stellt er fest.
,,Wir müssen aber auch sehen, dass wir in einer anderen, in einer neuen Welt leben. Seit China und Indien mit ihren zusammen rund 2,3 Milliarden Einwohnern aktiv den Weltmarkt betreten haben, hat sich alles grundlegend verändert. Nichts ist mehr  so, wie es einmal war.‘‘ Dann holt Wellink, der 1975 an der renommierten Rotterdamer Erasmus-Universität über ,,Einkommenselastizität im niederländischen Steuersystem‘‘ promovierte, nochmals zu einer Erklärung über das Entstehen der heutigen internationalen Finanzmarktkrise aus. Selbstkritisch stellt er fest: ,,Vielleicht haben auch wir Zentralbanker versagt. Vielleicht haben wir zu spät und nicht laut genug gewarnt und zu spät eingegriffen. Aber durch die Rettung der US-Bank Bear Stearns konnte wenigstens ein Domino-Effekt verhindert werden.‘‘ Sorge bereitet Wellink, dass die Finanzmarktkrise nun auch auf die reale Ökonomie übergegriffen hat. ,,Die verschärfte Kreditvergabe führt zu höheren Zinsen und  höhere Zinsen bremsen die Investitionsvorhaben von Unternehmen. Das wirkt sich negativ auf die Konjunktur aus.‘‘
 
Nach Meinung des niederländischen Notenbankchefs ,,ist alles an den Märkten sehr komplex geworden. Durch die globalisierten Märkte, den rasanten und blitzschnellen elektronischen Datenaustausch und die immer neuen Produkte, insbesondere im Bereich der Derivate, sind die Märkte nicht mehr so überschaubar und berechenbar wie früher.‘‘ Wellink weiter: ,,Früher hatten wir unsere Modelle und Modellberechnungen, die mehr oder weniger gut zukünftige Marktentwicklungen zumindest einigermaßen zutreffend prognostizieren konnten. Damit ist es jetzt aber endgültig vorbei. Wir müssen jetzt permanent ein riesiges globales Netzwerk beobachten und analysieren, ohne genau zu wissen, was gerade darin vorgeht. Es ist, als ob wir vom Schreibtisch aus auf eine Spinne mit ihrem Netzwerk starren und darauf warten müssen, in welche Richtung sie sich bewegen wird. Geht sie nach links oder geht sie nach rechts. Erst dann können wir auf die Bewegung der Spinne reagieren.‘‘
 
 
 
 
/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 02. März 2009 um 21:53 Uhr
 


JPAGE_CURRENT_OF_TOTAL
feed image


Banner
Banner